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Frösche angeln im Regen

Plitsch, platsch, plitsch, platsch. An der Seemer Dorfet kämpften Besucher und Standbetreiber gegen das unwirtliche Wetter an. Dennoch ist das Fest nicht gänzlich ins Wasser gefallen.

An einem der Marktstände wird das von oben herabfallenden Wasser mit seinem konträren Element, dem Feuer, konfrontiert. Hell leuchtet die grosse Stichflamme auf, züngelt um die auf Stäben befestigten Tonfiguren und verbreitet ein kurzes wärmendes Gefühl an diesem kalten Samstagnachmittag. Urheber des Spektakels ist der Künstler Peter Widmer, der die Pyro-Show vorführt, um Kunden anzulocken. An seinem Stand kann man von ihm gefertigte Tonkunst kaufen oder sich selbst in der Töpferei versuchen. Das Feuerspeien sollte man aber lieber dem Meister überlassen. Er führe die Show an ­jeder Dorfet vor, denn sie zeige den Leuten, dass seine Kunst etwas mit Feuer zu tun habe. «Ausserdem bin ich etwas pyromanisch veranlagt», sagt Widmer verschmitzt. «Den Bart habe ich mir dabei aber noch nie abgebrannt.» Ohne Feuer, aber mit viel Herzblut trotzt man auch am Stand des Tibetervereins Rikon dem miesen Wetter. Hier setzt man der Regenlaune den «Gakyi Trosche» entgegen. Das ist ein Tanz, der so viel wie «Fröhliches Lied» bedeutet und den Gästen neben den kulinarischen Spezialitäten auch Genuss für ­Augen und Ohren liefert. Bangen um die Einnahmen Doch selbst Köstlichkeiten und Tanz locken an diesem Nachmittag nur wenige aus ihren Häusern. «Im Vergleich zum letzten Jahr ist es eine Katastrophe», sagt ein Mitglied des Tibetervereins. «Wir machen hier alles in freiwilliger Arbeit und bangen trotzdem, dass alle Kosten gedeckt werden können.» Hier würden die Preise auch bei ­Regenwetter nie erhöht, verkündet ein Schild an einem Wagen, bei dem man Kaffee aus einer 140 Jahre alten ­Dampfmaschine kaufen kann. «Daran halten wir uns strikt», versichern die Betreiber. Am Stand ge­gen­über wird fleissig geangelt. Ein Mädchen wartet, bis einer der vielen Frösche den Mund aufmacht. Schnell wirft es die Angel aus. Der Frosch schnappt zu und wird aus dem Teich gezogen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Tierquälerei, der Gefangene ist aus Plastik. Bei der Cevi Seen spielt neben Wasser ein weiteres Element eine wichtige Rolle. Hier muss man über aufgestapelte Kisten in luftige Höhen klettern, was im Regen nicht einfach ist. «Normalerweise schaffen es die Leute viel höher rauf. Jetzt rutscht man auf den nassen Plastikharassen schnell ab», sagt ein Cevianer, der die Kletterer mit einem Seil vor dem Absturz bewahrt. Ein Absturz sei die diesjährige Seemer Dorfet zwar nicht, sagt OK-Präsident Ernst Burkhard, aber natürlich nicht zu vergleichen mit den Vorjahren. Zwar lockte der trockenere Sonntag viele Leute auf die Gasse, aber einige Marktteilnehmer berichteten, dass sie damit die schlechten Zahlen von Freitag und Samstag nicht kompensieren könnten. Ansonsten blicke man aber auf ein friedliches Fest zurück, das ohne Zwischenfälle vonstatten gegangen sei.

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