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Frühförderung wird nicht weggespart

Benachteiligte Kleinkinder sollen weiterhin gefördert werden. Der Stadtrat will dafür jährlich 350 000 Franken ausgeben, die der Gemeinderat aber noch bewilligen muss. Das Winterthurer Angebot habe unter Fachleuten einen guten Ruf, sagt die Professorin Margrit Stamm.

Jede Ausgabe, erklärt Schulvorsteher Stefan Fritschi, werde von der Stadt derzeit auf ihre Finanzierbarkeit überprüft. So auch die Frühförderung für sozial benachteiligte Kleinkinder. «Wir haben uns aber trotz des Sparprogramms dafür entschieden, die Frühförderung weiterzuführen», sagt Fritschi. «Der Nutzen dieser Unterstützung ist klar sichtbar.» Es bringe viel mehr, den Kindern früh zu helfen, als später teurere Massnahmen zu bezahlen.Im Rahmen der Frühförderung werden Kleinkinder aus sozial benachteiligten Familien motorisch, sprachlich und sozial auf den Kindergarten vorbereitet. Gleichzeitig werden die Eltern in der Erziehung unterstützt. Laut Fritschi ist durch die Erfahrung in Winterthur und anderen Städten sowie durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt, dass sich Frühförderung lohnt.

«Winterthur vorbildlich»

Margrit Stamm, Professorin für Erziehungswissenschaften an der Universität Freiburg und Expertin auf dem Gebiet, sieht dies gleich. Sie stellt dem Winterthurer Angebot in der Frühförderung ein gutes Zeugnis aus: «Nach meiner Einschätzung würde Winterthur in einem Städte-Ranking einen der ersten Plätze belegen.» Sie hebt hervor, dass hier die Familien stark eingebunden sind. «Heute unterstreichen alle Forschungserkenntnisse, dass nicht nur auf die Förderung der Kinder oder auf die Beratung der Eltern gesetzt werden soll, sondern auf beides.» Weiter lobt sie, dass für Familien aus fremden Kulturen viel geboten wird. «Andere Städte haben zwar breitere Angebote, die Systematik Winterthurs erreichen sie aber kaum.»Der Gemeinderat hat 2009 einen Kredit für eine vierjährige Pilotphase bewilligt. Der Stadtrat beantragt nun beim Gemeinderat einen jährlichen Kredit von 350?000 Franken. «Damit können wir den Ist-Zustand fortführen», sagt Fritschi. Der Antrag beschränke sich auf ein bezahlbares Minimum: «Wünschbar wäre ein Ausbau.» Konkret kann damit die Fachstelle Frühförderung weiter betrieben werden, die mit dem kantonalen Kinder- und Jugendhilfezentrum Winterthur, dem ehemaligen Jugendsekretariat, geführt wird. Ebenso werden Spielgruppen, Eltern-Kind-Treffs, das Hausbesuchsprogramm «Schrittweise» und das Familienzentrum weiter unterstützt. Laut Medienmitteilung sind all diese Angebote von privaten Trägerschaften organisiert.

SVP steht dem Antrag kritisch gegenüber

Obwohl Fritschi von einer «Fortsetzung» spricht: Die Kosten steigen von bisher rund 320000 Franken im Jahr auf 350000 Franken. «Bisher wurden einzelne Spielgruppen aus städtischen Fonds finanziert», erklärt Fritschi. Dies sei nur im Pilotbetrieb für einzelne Jahre möglich gewesen. «Für wiederkehrende Ausgaben ist das nicht erlaubt.»Der Eigenfinanzierungsgrad der Frühförderung sei beachtlich: Insgesamt sind pro Jahr über 400000 Franken an Drittmitteln zugesichert. Bund, Kanton sowie verschiedene Stiftungen und private Fonds zahlen weiterhin mit. «Dieses Geld würde uns verloren gehen, wenn wir nicht mehr weiter mitmachen», erklärt Fritschi.Im Gemeinderat wird die Frühförderung sicher zu reden geben. SVP-Fraktionschefin Christa Kern sagte gestern auf Anfrage, ihre Partei stehe dem Antrag kritisch gegenüber. «Bei der Erziehung der Kleinkinder sollte man meiner Meinung nach auf die Eigenverantwortung der Eltern setzen», sagte Kern. Dies sei keine Staatsaufgabe.

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