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Fünf ewige Fahrgäste auf Perron 4/5

Am Winterthurer Hauptbahnhof sind fünf lebensgrosse Puppen im Wartehäuschen eingezogen, die ihre Gesichter wechseln. Eine Kunstinstallation, die verblüfft.

«Gönd Sie regelmässig is Theater?», fragt eine Stimme über Lautsprecher am Hauptbahnhof. Eine junge Frau, die auf dem Perron 4/5 steht, schaut etwas irritiert. Sie dreht sich um und entdeckt, dass im Wartehäuschen Personen sitzen. «Ich glaubte im ersten Moment, dass in der Techniksteuerung der SBB ein Fehler passiert ist und die Gespräche aus dem Warteraum versehentlich über die Lautsprecher laufen», sagt die Mittzwanzigerin. Erst als sie genauer hinschaute, habe sie bemerkt, dass dort gar keine Personen sondern Puppen sitzen. «Sie sehen so täuschend echt aus und bewegen sogar ihre Augen und Münder.»

Zum Innehalten anregen

Die Durchsagen und die Puppen im Wartehäuschen sind zwei separate Kunstinstallationen, die lose miteinander verbunden sind. Sie gehören zur 750-Feier der Stadt Winterthur. «Die Installationen stehen unter dem Motto ‹Wir sind Winterthur› und sollen die Passanten zum Innehalten anregen», sagt Melanie Staub vom Verein «Winterthur750». Täglich passieren rund 120?000 Personen den Winterthurer Bahnhof. «Die meisten von ihnen verweilen aber nicht, sondern eilen vorbei.» Mit der Installation wolle man einen Kontrastpunkt setzen.Auf die Köpfe der fünf Kunststoffpuppen projiziert das Künstlerduo Glaser/Kunz abwechselnd die Gesichter von 20 Winterthurerinnen und Winterthurern. Daniel Glaser und Magdalena Kunz riefen im vergangenen Jahr die Bevölkerung dazu auf, am Projekt teilzunehmen. «Die in der Videoprojektion gezeigten Personen sind ein Ausschnitt der Bevölkerung», sagt Staub. «Wer mag, kann während den Öffnungszeiten ins Wartehäuschen rein gehen und zuhören, was Winterthurer aus ihrem Leben erzählen.»

Aufnahmen im Altersheim

Parallel zu den Puppen hört man am Bahnhof eine Klanginstallation. Zu hören sind Fragen aus der Bevölkerung. Eigentlich wollten Glaser und Kunz die Fragen im Januar am Telefon aufnehmen, musste n aber aufgrund der schlechten Tonqualität auf herkömmliche Aufnahmen wechseln. Die O-Töne nimmt das Künstlerduo nun teilweise in Schulhäusern und Altersheimen auf. Wenn es ruhig ist und gerade kein Zug einfährt, werden die Pendler an sieben bis acht verstreuten Punkten auf dem Bahnhof mit den Fragen überrascht. «Der Trick ist, dass die Installation gerade laut genug ist, dass man hört, dass hier etwas Spezielles vor sich geht», sagt Staub. «Doch man muss genau hinhören, um zu verstehen, was die Personen sagen.»«Ich ist ein anderer»: Die Installationen am Bahnhof sind noch bis zum 24. Juni zu sehen und zu hören. Das Wartehäuschen auf dem Gleis 4/5 ist von Montag – Freitag zwischen 19-20 Uhr, Samstags von 17-20 Uhr und Sonntags von 16-19 Uhr geöffnet.

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