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Fünf Jahre Gefängnis für Pistorius

Richterin Masipa hat Oscar Pistorius zu fünf Jahren Gefängnis und einer zusätzlichen Bewährungsstrafe verurteilt. Pistorius wird keine Berufung einlegen.

Es war still im Gerichtssaal in Pretoria, als das Strafmass verkündet worden war: Der Leichtathlet Oscar Pistorius muss für fünf Jahre ins Gefängnis. Mit diesem Urteil endete gestern der Prozess, der Südafrika und die ganze Welt achtzehn Monate lang in Atem gehalten hat. Richterin Thokozile Masipa hatte Pistorius bereits zuvor der fahrlässigen Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp für schuldig befunden. Journalisten vor Ort vermuten, dass die Höhe der Strafe letztlich von allen Seiten genau so erwartet worden war: fünf Jahre Haft für fahrlässige Tötung und drei Jahre auf Bewährung, weil er seine Waffe rücksichtslos eingesetzt hatte. Experten glauben, dass Pistorius ein Sechstel der fünf Jahre absitzen wird, bevor die Strafe in Hausarrest umgewandelt wird. Masipa schloss schnell sowohl eine lange Haftstrafe als auch eine haftfreie Strafe aus. Die eine sei unbarmherzig und die andere unangemessen. Laut Pistorius’ Familie wird das Urteil nicht angefochten werden, und auch Steenkamps Eltern sagten, dass sie mit Masipas Entscheidung zufrieden seien.

Keine Chance für Steenkamp

Masipa erklärte, dass es bei einer Verurteilung um das richtige Gleichgewicht gehe. Viele Beobachter kritisierten, dass Pistorius seine Freundin Steenkamp unter undurchsichtigen Umständen umbrachte, aber mit fahrlässiger Tötung davonkam, weil die Anklage seine Absicht zur Tötung nicht beweisen konnte. Er hatte eine Waffe, bewegte sich auf den vermuteten Einbrecher zu, ohne sicherzustellen, wo sich Steenkamp aufhielt, und schoss vier Kugeln durch eine geschlossene Tür in einen Toilettenraum. Masipa selbst sagte gestern, dass die Person hinter der Tür keine Chance hatte. Sie sagte, dass es eine Balance zwischen Vergeltung, Abschreckung und Rehabilitierung geben müsse. Sie fasste die Beweislage nochmals zusammen und beschrieb die Zeugin Annette Vergeer als «schludrig und enttäuschend». Die Sozialarbeiterin hatte argumentiert, dass der beinamputierte Pistorius im Gefängnis «verletzlicher als ein normaler Mann» sein würde. Masipa jedoch sagte, dass südafrikanische Gefängnisse hinreichend ausgestattet seien, um einen behinderten Insassen aufzunehmen.

Mildes Urteil wäre falsch

Die Richterin befand weiter, dass die Fähigkeiten des paralympischen Sportlers verschleiert wurden, um ihn als Opfer darzustellen. Sie wies allerdings auch auf Pistorius’ Wohltätigkeitsarbeit und seine Bemühungen hin, den öffentlichen Umgang mit Behinderungen zu ändern, die einen «enormen Beitrag zur Gesellschaft» darstellten. Nichtsdestotrotz erklärte sie, dass eine blosse Hausarreststrafe «der Gemeinde eine falsche Botschaft senden würde». Laut Gesetzbuch gibt es keine Höchstgrenze, aber Experten sagen, dass die Strafe für fahrlässige Tötung normalerweise bei ungefähr 15 Jahren liegt.

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