Zum Hauptinhalt springen

Fünf Milieu-Ermittler verhaftet

Die Staatsanwaltschaft hat fünf Mitarbeiter der Stadtpolizei verhaftet. Ihnen wird Korruption vorgeworfen. Die Beamten der Abteilung Milieu/Sexualdelikte wurden im Nachgang zu einer Razzia in einem Nachtclub festgenommen.

Fünf Stadtpolizisten wegen Verdachts auf Bestechlichkeit und Amtsmissbrauch verhaftet, das hat es in Zürich noch nicht gegeben – zumindest nicht bis gestern. Am Dienstagmorgen führte die Staatsanwaltschaft bei fünf Beamten der Fachgruppe Milieu/ Sexualdelikte Hausdurchsuchungen durch und nahm die Personen anschliessend fest. Der Hinweis, der zu diesem Einsatz führte, stammte aus den Reihen der Stadtpolizei. Die Verhaftungen stehen im Zusammenhang mit der «Chilli’s Bar», einem Stripclub mit Hotel im Kreis 4. Dort hatte die Polizei am Montag eine Razzia durchgeführt und neun Personen, unter ihnen der Chef der Bar, festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, zu hohe Beträge von den Kreditkarten von Gästen und Freiern abgebucht zu haben. In Beiträgen in Internetforen weisen Gäste dar­auf hin, dass die Bar teuer sei und manchmal die Kreditkarten zu stark belastet würden. «Die Tragweite ist enorm» Die Oberstaatsanwaltschaft konnte gestern wenige Angaben machen. Mediensprecherin Corinne Bouvard sagte: «Die Befragungen sind noch im Gang. Ich kann auf die Vorwürfe gegen die festgenommenen Personen nicht näher eingehen.» Dass fünf Stadtpolizisten wegen Korruption verhaftet werden, stuft Bouvard als «etwas eher Seltenes» ein. Für heute hat die Staatsanwaltschaft weitere Informationen angekündigt. Man wird voraussichtlich Weiteres zu den Vorwürfen erfahren und ob für die Festgenommenen Antrag auf Untersuchungshaft gestellt wird. Stadtpolizei-Sprecher Marco Cortesi erklärt auf Anfrage, eine interne Ermittlergruppe habe nach Hinweisen ihre Arbeit aufgenommen. Als sich der Verdacht gegen die fünf Beamten erhärtete, nahm die Stadtpolizei mit der Staatsanwaltschaft Kontakt auf. Der Präsident des Stadtzürcher Polizeiverbands Werner Karlen ist von der Nachricht erschüttert. «Wenn die Vorwürfe an die fünf Polizisten alle in vollem Umfang zutreffen, ist die Tragweite der Angelegenheit enorm. Mir ist kein vergleichbarer Fall in der Schweiz bekannt.» Mit den Arbeitsbedingungen könne der Fall nichts zu tun haben. Die Polizistenlöhne seien adäquat. Karlen geht davon aus, dass nicht alle fünf Verhafteten gleichermassen involviert sind, und vermutet, dass die Staatsanwaltschaft auch verhindern wollte, dass sich die Beschuldigten absprechen können. Er ist sich sicher: «Der Fall hat bereits jetzt einen ersten Imageschaden verursacht – unabhängig davon, was die Untersuchung noch ergibt.» Er sieht auch etwas Positives: «Das System funktioniert. Dieser Fall zeigt, dass Untersuchungen auch gegen Polizisten geführt werden.» Max Hofmann ist Generalsekretär des Verbands Schweizerischer Polizeibeamter. Der Verband bietet seinen Mitgliedern Rechtsschutz. Hofmann sagt, seit dem Jahr 2000 habe kein Polizist und keine Polizistin um juristische Hilfe gebeten wegen eines Korruptionsvorwurfs. Er sagt über die Verhaftungen in Zürich: «Es erstaunt mich.» Hofmann betont, dass Ethik ein Prüfungsfach an der Polizeischule sei. Jedes Korps müsse sich eine Regelung geben, wie mit Geschenken an die Beamten umzugehen sei. Zürichs Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) sagte, die Bestechungsvorwürfe hätten ihn schockiert. Er kündigte an, andere Abteilungen in seinem Departement überprüfen zu lassen. «Dort arbeiten keine Anfänger» Die «Fachgruppe Milieu/Sexualdelikte», die frühere Sittenpolizei, umfasst 17 Mitarbeitende. Mit Angela Montanile leitet die Fachgruppe eine Frau, sie ist seit 2007 im Amt. Laut Polizeiverbandspräsident Karlen arbeiten bei der «Sitte» keine Anfänger. Er sagt: «In diese Gruppe kommen nur Leute mit einer gewissen Berufserfahrung.» Die Beamten der Fachgruppe führen Kontrollen im Milieu durch. Sie sollen die Einhaltung des Strichplans durchsetzen. Sie regis­trieren die Prostituierten, die in der Stadt arbeiten, und melden sie auch dem Steueramt. Ausserdem ist die Fachgruppe auch für Sexualdelikte ausserhalb des Milieus zuständig: Vergewaltigungen und Nötigungen. Für die Mitarbeiter der Fachgruppe ist der Kontakt zu den Informanten im Milieu wichtig. So erhalten sie Tipps aus der Szene, die auch immer wieder helfen, Kriminalfälle zu lösen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch