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Für das iPhone schlug er voll zu

Ein eifersüchtiger Mann wollte ein SMS seiner Ex-Freundin lesen – im Kampf um das Handy verletzte er sie schwer. Nun soll er ins Gefängnis oder in die Psychiatrie.

Was genau in dem SMS stand, ist unklar – denn das iPhone ist jetzt kaputt. Sicher ist, dass die Nachricht einen Streit auslöste, der die Frau ins Spital und den Mann in Polizei­gewahrsam führte. Das Opfer, Ayla Akay (alle Namen geändert), sagte gestern vor Bezirksgericht, sie habe an­ jenem Abend im vorletzten Herbst, als sie sich mit ihrem Ex-Freund vor dessen Wohnung in Oberwinterthur traf, von einer Freundin ein SMS erhalten. Der Täter, Fatos Hasani, war dagegen überzeugt, dass seine Ex-Freundin, die aus der gemeinsamen Wohnung aus­ge­zogen war, ein SMS von ihrem neuen Liebhaber bekommen hatte. «Mein Sohn hat mir gesagt, dass Mami nicht allein lebt.» Der Versuch, den vermeintlichen Beweis der neuen Beziehung sicherzustellen, scheiterte. Hasani riss das Handy an sich, doch es war gesperrt. Akay schrie ihn an, er solle das Gerät sofort zurück­geben. Was dann geschah, ist umstritten. Der Angeklagte sagte, die stämmige Akay habe ihn mehrmals geschlagen und getreten. Als sie dann zu einem Schlag aus­geholt habe, «bei dem ich hätte sterben oder gelähmt werden können», habe er diesen mit der Faust «reflexartig abgewehrt». Nach dem Schlag sah sie alles doppelt Akay erlitt mehrere Brüche im Gesicht und wurde am Auge so stark verletzt, dass sie alles doppelt sah und eine Operation nötig wurde. Er habe die Ex-Freundin nur stoppen wollen, versicherte der kräftige Hasani. «Wenn ich sie hätte verletzen wollen, hätte ich sie viel schlimmer verletzt.» Hasani, ein 30-jähriger Kosovare, war vor Gericht äusserst emotional, sehr redselig und ziemlich wider­spenstig. Akay hingegen, eine 29-jährige Türkin, trat sehr ruhig auf. Sie sei schon laut geworden damals, sagte sie, als Hasani wieder mit seiner Eifersucht angefangen habe. Allerdings habe sie ihn nicht geohrfeigt und getreten, sondern nur einmal gegen die Schulter geschlagen. «Ich wollte nur das iPhone haben und gehen, aber er wollte es mir nicht geben.» Hasani habe sie schon früher geschlagen und ihr unter anderem das Nasenbein gebrochen, als sie im achten Monat schwanger war. In einem Punkt stimmten die Aussagen überein: Im Verlauf des Streites zerstörte Hasani das iPhone, indem er es zu ­Boden schmetterte. Der Angeklagte gab auch zu, seine ehemalige Partnerin und deren Bruder mit dem Tod bedroht zu haben, nachdem diese ausgezogen war. Mit Wodka und Cannabis gefügig gemacht Im aufwendigen Prozess, der viele Stunden dauerte, redete der Angeklagte eindringlich auf die drei Richterinnen ein – diese entschieden sich aber für ein hohes Strafmass: Hasani soll 4½ Jahre ins Gefängnis. Seine Aussagen seien im Gegensatz zu denen des Opfers nicht glaubhaft, befanden die Richterinnen, zumal er in den Einvernahmen anders lautende Angaben gemacht habe. Weil ein psychiatrisches Gutachten dem Täter eine gestörte Persönlichkeit bescheinigt, kann er die Haftzeit in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung verbringen, anstatt ins Gefängnis zu gehen. Die Strafe fiel auch dar­um so hoch aus, weil Körperverletzung und Drohung nicht die einzigen Delikte des Angeklagten waren. Kurz nach dem Auszug seiner Freundin hatte er mit Wodka und Cannabis eine junge Frau gefügig gemacht, die er im Ausgang am Busbahnhof kennen gelernt hatte. Als er mit ihr schlief, war sie besinnungslos. Die Richterinnen werteten dies, anders als beantragt, nicht nur als Schändung, sondern als Vergewaltigung, weil das Opfer auf Drängen und nicht freiwillig getrunken habe. Auch diese Darstellung bestritt Hasani vehement. Er habe «ihr zuliebe» mit der Frau geschlafen, sagte er, schliesslich sei sie deswegen mit in seine Wohnung gekommen. Der Verteidiger kündigte noch im Gerichtssaal an, dass er das Urteil vor Ober­gericht anfechten wird.

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