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Für das Sportamt ist nicht jede Familie gleich

Vergünstigte Familien-Sportpässe gibt es erst für Paare mit Kindern über sechs Jahren. Familie F. findet das falsch und hat deswegen interveniert. Das Sportamt aber findet: Kleine Kinder sind ohnehin gratis.

Seit einem guten halben Jahr sind Herr F. und Frau W. Eltern und verstehen sich seit der Geburt von Sohn Elio als Familie. Nennen wir sie – obschon die Eltern nicht verheiratet sind – der Einfachheit halber Familie F. aus Winterthur. Die Eltern sind Wasserratten und Hobbyschwimmer, möchten Elio schon früh mit dem Element vertraut machen und wollten im Hallenbad einen Sportpass für Familien lösen. «Kinder sowieso gratis» Familienpässe gebe es erst, wenn das Kind sechs Jahre alt sei, wurde ihnen an der Kasse gesagt. Bis sechs seien Kinder ohnehin gratis. Herr F. geriet ob dieser Antwort ins Räsonnieren und Argumentieren. Er ist der Ansicht, und teilte dies dem Sportamt auch mit, seine Partnerin hätte Anrecht auf eine vergünstigte Karte (154 statt 206 Franken) – egal ob der Sohn halbjährig, sechs oder zehn ist, schliesslich seien sie jetzt eine Familie. «Diese Sicht teilen nicht nur unsere Verwandten und Freunde, sondern auch Zivilstandsamt, Steueramt, Kinderarzt und Kinderkrippe», schrieb er dem Sportamtschef Dave Mischler. Und dieser bestätigte die geltende Praxis, welche die Kassenfrau korrekt angewendet habe. Wenn das Kind noch nicht sechs ist und folglich noch nicht bezahlen muss, würde es sich faktisch «um einen Partner- und nicht um einen Familiensportpass handeln. Wir bitten Sie um Verständnis.» Doppelt gespart Natürlich hat Mischler mit dieser Argumentation recht: Es wäre eine Partner-Vergünstigung, zusätzlich zum Gratiseintritt des Kleinkindes. Doppelt profitiert also. Betrachtet man die Sache aber vom Standpunkt der jungen Eltern aus, kommen sie ge­gen­über ihrer Vorelternzeit nicht in den Genuss einer Vergünstigung. Schon bevor Elio zur Welt kam, bezahlten sie den gleichen Preis für zwei volle Sportpässe. Von Familienförderung spüren sie in diesem Sinn gar nichts. Einen Franken günstiger Doch wer profitiert denn von einem Sportpass? Rein rechnerisch sieht es so aus: Kauft ein Paar mit Vorschulkind zwei Sportpässe (Basis) für Erwachsene, bezahlt es pro Pass 206 Franken im Jahr, das Kind bis sechs Jahren kostet nichts. Macht insgesamt 412 Franken. Hat das Paar Kinder im Alter von sechs Jahren und älter, kann es einen Familiensportpass lösen. Dann bezahlt es für den ersten Erwachsenen 206 Franken, für den Zweiten 154 Franken und für das Kind 51 Franken. Macht insgesamt 411 Franken. Also einen Franken weniger als Paar. Damit bleibt das Kind – rein rechnerisch – weiterhin gratis. Erhielten Familien mit Kinder unter sechs Jahren auch einen vergünstigten Sportpass, würden sie so doppelt sparen. Nämlich nicht nur den Eintritt für das Kind, sondern nochmals 52 Franken pro Jahr. Die Frage, ob junge Familie auch von Vergünstigungen profitieren sollen, stellt sich dennoch. Dave Mischler vom Sportamt verspricht, die Sache noch einmal mit seinem Vorgesetzten, Stadtrat Stefan Fritschi (FDP), zu besprechen. «Familien beim Sport zu fördern, war schliesslich unser Grundgedanke.»

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