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Für einmal glitten «Die Hexen» durch die Luft

Sie fliegen Loopings, segeln Hunderte Kilometer und behaupten sich in einem von Männern dominierten Hobby. Am Wochenende haben sich die Segelflugpilotinnen in Hegi zum Wettkampf getroffen.

Heute sausen Hexen nicht mehr auf Besen durch die Luft, nein, sie steigen mit GPS und Höhenmeter ausgerüstet in ihren Segelfliegern auf. «Hexen» nennen sich die Sportlerinnen seit 1949, als in Polen der weltweit erste Damensegelflugwettbewerb stattfand. Der Übername hält sich bis heute, allerdings verzauberte das besondere Hobby seit daher nur wenige Frauen, im männerdominierten Segelflugsport fristen sie ein Schattendasein. In der Schweiz gehören von gut 2400 Segelflugbrevets nur 102 einer Frau. Bruna Lanfranchi (Bild links), Präsidentin des Vereins der Schweizer Segelfliegerinnen (VSSF), möchte das ändern. Sie initiierte daher zum 30-Jahr-Jubiläum des VSSF ein nationales Präzisionsfliegen für Damen. Knapp 15 Pilotinnen aus der Deutschschweiz starteten am Samstag auf dem Flugplatz Hegmatten. Mit Bleiplatten nachhelfen «Segelfliegen hat viel mit Physik zu tun. Es setzt Wissen über Meteorologie und ein gewisses Technikverständnis voraus, das schreckt wahrscheinlich die Frauen ab», vermutet Lanfranchi. Nachteile hat man als Frau beim Segelfliegen aber keine, wo es an Gewicht fehlt, werden einfach Bleiplatten mit ins Cockpit geladen. Bei regionalen Flugwettbewerben ist das Teilnehmerfeld normalerweise gemischt, nur bei der Weltmeisterschaft starten Frauen und Männer getrennt. Christine Bürki (Bild links) aus Wettingen nimmt regelmässig an solchen teil. Die 32-jährige Elek­troingenieurin verbringt wie die meisten Segelfliegerinnen fast die gesamte Freizeit auf dem Flugplatz oder in der Luft. Sie trainiert dabei vor allem für Langstreckenflugwettbewerbe. «Es zählt da die Flugerfahrung und dass man die Schwierigkeiten der Strecken kennt», sagt sie. Für die bis zu 600 Kilometer langen Flüge muss man abwägen können, wann der richtige Zeitpunkt und die richtige Höhe erreicht ist, um im schnellen Sinkflug zur nächsten guten Luftströmung zu gelangen. Sarah Schröder (Bild links), eine 27-jährige Pflegefachfrau aus Chur, stellt sich für den Segelflug wortwörtlich quer. Die Kunstfliegerin vollführt an Wettbewerben Loopings und fliegt furchtlos kopfüber in 1000 Metern Höhe. Oft geht sie nach der Arbeit noch schnell zum Flugplatz und dreht ein paar Runden. «Sicherheit hat aber oberste Priorität. Wenn ich mich nicht fit fühle, bleibe ich am Boden», sagt sie. Verspätung wegen Nebels Auf der Hegmatten wird an diesem Wochenende jedoch eine dritte Disziplin getestet. Es gilt, bei der Landung mit dem Vorder- und Hinterrad zwei Sägemehlstreifen zu treffen. Da es um 11 Uhr noch zu neblig ist, startet der Wettbewerb mit zwei Stunden Verspätung. Dann drehen die Pilotinnen aber im Zehnminutentakt ihre Volten. Fast wichtiger als der Sieg ist den Frauen aber, dass sie einmal in der Überzahl sind. «Wir werden von den Männern super aufgenommen, aber alleine unter Männern, die ständig technisches Wissen vergleichen, fühlt man sich manchmal etwas verloren», sagt Lanfranchi. Wie viele Frauen kam auch das neueste Mitglied der weiblichen Segelflugcommunity durch die Familie zum Flugsport. Susanne Graber (Bild unten) flog schon als Kind bei ihrem Vater mit. Die 35-jährige Studentin aus Zürich durfte diesen Frühling endlich auch selbst ein Flugzeug steuern. «Man benötigt eine oder zwei Saisons um das Flugbrevet zu machen», erklärt sie. Obwohl Segelfliegen als teures Hobby gilt, kann es sich die Studentin leisten, intensiv zu trainieren. Mit einem Jahresbeitrag zwischen 400 und 1200 Franken je nach Nutzung des Flughafens ist Segelfliegen zwar nicht billig, gehört aber auch nicht zu den absoluten Luxushobbys.

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