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Für kreative Schübe

Neben dem Kulturpreis der Stadt Winterthur für das Casinotheater werden heute Abend auch die Förderpreise vergeben. Sie sind mit je 10 000 Franken dotiert. Woran arbeiten die jungen Preisträger zurzeit und was bedeutet ihnen der Preis? Das haben wir sie per Mail gefragt.

Den Schlagzeuger Matthias Kräutli kennt man in Winterthur. Und nicht nur hier, wo er 1979 geboren wurde. Mit seiner Rockband My Name Is George hat Kräutli dazu beigetragen, den Ruf von Winterthur als «Rock City» in der ganzen Schweiz zu verbreiten. Sechs Jahre sind seither vergangen. Nach dem Erscheinen des letzten Albums vor zwei Jahren wurde es ruhig um die Band. Zeit, dass sich das ändert.

Im Moment bereiten sich die Musiker auf die nächste Tour vor. Im Frühjahr soll es losgehen: «Das neue Album ist bereits fertig, es erscheint am 1. März», schreibt Kräutli. Unterwegs sein wird er im Mai auch wieder mit dem Liedermacher Adrian Stern. Und im Januar bereits mit dem Berliner Comedian Michael Krebs bei dessen zehn Konzerten in Deutschland.

Ein viel beschäftigter Mann also. Seinen Lebensunterhalt verdient sich Kräutli auf der Bühne, im Studio, als Songschreiber und Produzent und als Schlagzeuglehrer an der Jugendmusikschule Winterthur. Ein zweites Standbein hat er in Hamburg, wo er 14 Monate lang gelebt hat. Hamburg sei «schon ein bisschen» seine zweite Heimat, meint er: «Die Atmosphäre und die Leute sind mir sehr ans Herz gewachsen.» Immer noch weiter läuft sein Hamburger Elektro-Projekt Pixie Paris, zusammen mit der belgischen Sängerin Cindy. Die finanziellen Mittel für die Fertigstellung des Debütalbums, das derzeit den letzten Schliff erhält, sammelt das Duo über die Crowd­funding-Website wemakeit.ch.

Über den Preis hat sich Kräutli sehr gefreut. Er betrachtet ihn nicht als Würdigung oder Belohnung, sondern als einen «sehr willkommenen Zustupf», als Ansporn, Projekte in Angriff zu nehmen, die sonst am Budget scheitern würden. Die Unabhängigkeit wird bei ihm grossgeschrieben. Von Fördergeldern abhängig zu sein, käme für ihn nicht in Frage: «Für mich ist es wichtig, dass ich meinen Lebensunterhalt mit Musik bestreiten kann.»

Gut möglich, dass der Schriftsteller Roman Graf im Rest der Schweiz und in Deutschland bekannter ist als in Winterthur. Denn für seinen Roman «Herr Blanc», der 2009 erschien, hat Graf zahlreiche Preise erhalten. Auch die Kritik zeigte sich angetan von der Geschichte des Mannes, der langsam in einer tristen Ehe und einem ereignislosen Leben versackt, während er einer frühen Liebe nachtrauert. Die aus Lebensangst entspringende Monotonie wird von Graf in einer virtuosen Sprache gestaltet.

Positiv, wenn auch bescheidener, fiel das Echo auf den Gedichtband «Zur Irrfahrt verführt» aus, der 2010 erschien. Darin sind auch Kindheitserinnerungen des 1978 in Winterthur geborenen Autors zu finden, an die Bäume auf dem Lindberg etwa und den Blick von dort hinunter in die Stadt.

Nun würdigt also auch Winterthur sein Schaffen. «Ich freue mich, zum ersten Mal von meiner Heimatstadt eine Anerkennung zu erhalten», schreibt Graf. «Unter anderem wegen solcher materiellen Unterstützungen kann ich ungestört arbeiten. Dafür bin ich sehr dankbar.» Nach einer Ausbildung als Forstwart und diversen anderen Tätigkeiten lebt Graf seit fünf Jahren als freier Autor. Gerade hat er die Arbeit an einem kurzen Roman mit dem Arbeitstitel «Niedergang» beendet: Bei der Schilderung einer «Bergwanderung mit letalem Ausgang» handle es sich um die Bearbeitung eines Stoffes des Schweizer Philosophen und Schriftstellers Ludwig Hohl, teilt er mit.

Es sei schön, Preise zu erhalten, schreibt Graf, wenn man sich auch nichts dar­auf einbilden solle: «Ein Preis macht weder die Texte besser noch aus jemandem einen besseren Schriftsteller.» Fühlt er sich nun verpflichtet, sein Schaffen in irgendeinen Bezug zu Winterthur zu stellen? «Auf keinen Fall», lautet die Antwort, «dann wäre ich ja käuflich.» Und auf die Frage, weshalb er hauptsächlich in Berlin lebe und nicht in Winterthur, findet er überaus kritische Töne zum Klima in seiner alten Heimat: «Die Schweiz ist ein kunstfeindliches Land», meint Graf kategorisch, «zu gesetzt, zu teuer, zu wenig Konflikte, zu wenige Freiräume. Der Wohlstand schafft eine Ordnung, die keine Auswüchse duldet.»

An Ausstellungsorten wie der Kunsthalle und zuletzt im Oxyd waren die Gemälde von Simone Monstein in Winterthur schon zu sehen; derzeit kann man zwei Werken im Kunstmuseum begegnen, im Rahmen der Dezemberausstellung der Künstlergruppe. Mon­steins Bilder zeigen Innen- und Aussenräume in einer charakteristischen Farbgebung. Auf den ersten Blick erinnern sie ein wenig an Infrarotaufnahmen, wie man sie von Wärmemessungen her kennt. Menschen sind dar­auf nicht zu sehen. Mon­stein, hiess es in einer Besprechung in dieser Zeitung, erzeuge eine Raumillusion, um sie in romantischer Manier ironisch zu brechen.

In ihrem Atelier in Pfungen arbeitet die Künstlerin im Moment gerade an einem grossformatigen Bild. Vor zwei Wochen habe sie damit begonnen, wann es fertig sein wird, sei schwer abzuschätzen, schreibt Monstein. «Normalerweise entstehen meine Bilder in einem Zeitraum von etwa zwei Monaten.» Parallel dazu seien einige Linolschnitte in Arbeit. «Für mich hat sich das gleichzeitige Arbeiten an verschiedenen Projekten bewährt.»

Simone Monstein wurde 1979 in Zürich geboren und wohnt heute in Winterthur. Neben der Kunst arbeitet sie als Dozentin für Malerei in Chur und Wetzikon sowie im Weinbau. Kunst und Weinbau nehmen übers ganze Jahr gesehen je etwa zwei Fünftel der Zeit in Anspruch, das Lehren ein Fünftel; im Winter verbringt sie deutlich mehr Zeit im Atelier, im Sommer arbeitet sie häufiger im Rebberg.

Bei der Bekanntgabe des Förderpreises habe sie sich «riesig» dar­über gefreut, schreibt Monstein: «Weil es eine schöne Anerkennung für meine Arbeit ist.» Der Preis stärke ihre Motivation, sein materieller Aspekt vergrössere ihren Freiraum für neue Ideen.

Sie registriert bei sich selbst keine höhere Verpflichtung, ihr künstlerisches Schaffen aufgrund des Preises nun vermehrt in einen Bezug zu Winterthur zu stellen, erklärt Monstein. Zwar fühle sie sich wohl hier, was sicher auch für ihre Arbeit nützlich sei. «Ich glaube aber, dass meine Bilder nicht thematisch abhängig sind von einem Ort.» Sie erhalte ihre Anregungen von verschiedenen Orten und Eindrücken und oft auf Reisen. Deshalb spiele es vermutlich keine Rolle, wo sie arbeite und lebe. (dwo)

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