Winterthur

Fund bei Stefanini: Die Juwelen der Kaiserin von Mexiko

Die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte hat im Stefanini-Nachlass ein Bijou entdeckt: ein Schmuck-Ensemble der Prinzessin Charlotte von Belgien.

Insgesamt 89 Smaragde: Diadem, Collier, Haarkamm und Brosche.

Insgesamt 89 Smaragde: Diadem, Collier, Haarkamm und Brosche. Bild: SKKG

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Im Nachlass von Bruno Stefanini hat die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) vier Schmuckstücke entdeckt, die der Prinzessin Charlotte von Belgien, Kaiserin von Mexiko, gehörten. Das Ensemble aus Diadem, Collier, Haarkamm und Brosche zählt 89 Smaragde, die 400 Karat wiegen.

Der im Dezember 2018 verstorbene Immobilienbesitzer und Kunstsammler Stefanini ersteigerte die Stücke im November 1978 im Auktionshaus Jürg Stuker in Bern. Geschätzt wurden sie damals auf 675'000 Franken, laut Stiftung lag der Zuschlag allerdings weit darunter.

Von Napoleon eingesetzt

Charlotte von Belgien erhielt den Schmuck geschenkt von ihrem Mann, Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich, als die beiden 1864 in Mexiko zum Kaiserpaar gekrönt wurden. Die zahlreichen Smaragde dürften nicht zufällig gewählt worden sein, schreibt die SKKG auf ihrer Webseite, da Grün sowohl Bestandteil der mexikanischen Trikolore als auch die bevorzugte Farbe napoleonischer Wappen ist.

Charlotte und Maximilian im Jahr ihrer Heirat 1857. (Royal Collection of Belgium)

Inthronisiert wurden die beiden auf Betreiben Kaiser Napoleons III., der in Mexiko ein an Frankreich angelehntes Reich begründen wollte. Der Habsburger Maximilian I., Bruder des österreichischen Kaisers Franz Joseph I., sagte unter der Bedingung zu, dass das mexikanische Volk dies so wünsche – woraufhin eine mexikanische Delegation einen entsprechenden, manipulierten Volksentscheid überbrachte. Ferdinand Maximilian träumte davon, in Mexiko einen modernen, liberalen Staat zu errichten.

Glücklose Kaiser

Das misslang gründlich: Weil Napoleon III. 1867 auf Druck der USA seine Truppen aus Mexiko abzog, war Kaiser Maximilian fortan im Kampf gegen die revolutionären Bewegungen im Lande auf sich gestellt. Seine Kaiserin Charlotte, hoch gebildet und gemäss Überlieferungen der Überzeugung, zum Herrschen geboren worden zu sein, reiste daraufhin nach Europa, um in Paris, Wien und schliesslich in Rom beim Papst um Unterstützung zu bitten. Vergeblich.

Im Juni 1867 wurde der Kaiser entmachtet, durch ein mexikanisches Kriegsgericht verurteilt und hingerichtet. Der Verlust nahm Charlotte derart mit, dass sie einen Nervenzusammenbruch erlitt und die Ärzte sie schliesslich für wahnsinnig erklärten. Den Rest ihres Lebens verbrachte Charlotte sehr zurückgezogen im belgischen Meise, wo sie 1927 im Alter von 87 Jahren verstarb. Sie sagte bis zuletzt von sich, die amtierende Kaiserin von Mexiko zu sein.

Charlotte von Belgien, 1864 als Kaiserin von Mexiko (Gemälde von Franz Xaver Winterhalter).

Erstellt: 18.09.2019, 17:18 Uhr

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