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Fussball?Schweiz - Peru Ohne Verletzte und im Plan

Die Verletztenliste ist leer, bevor die Schweiz heute in Luzern gegen Peru, die Nummer 42 der Weltrangliste, zur WM-Hauptprobe antritt.

Im fernen Brasilien wird Ott­mar Hitzfeld seine Karriere als Schwei­zer Nationalcoach beenden, ja seine fast durchwegs erfolgreiche Laufbahn als Fussballtrainer. Im schlechtesten Fall wird das am 25. Januar nach dem Spiel gegen Honduras in Manaus sein. Aber Hitzfeld will natürlich mehr, er will «mit der Schweiz ­Geschichte schreiben». Und die wäre geschrieben, wenn sich die «Nati» für die Viertelfinals qualifizieren sollte. Das hat sie an einem grossen Turnier nie mehr geschafft seit der Heim-WM 1954, als sie dann mit einem 5:7 an Öster­reich scheiterte. Zahlen des «Resultattrainers» Heute geht es noch nicht um Punkte, «nur» darum, den letzten Test vor dem WM-Start gegen Ecua­dor zu bestehen – gegen dessen südamerikanischen Nachbarn Peru. Für Hitzfeld aber wird es schon ein kleiner Abschied, sein letztes Spiel als Nationalcoach vor eigenem Publikum – knapp sechs Jahre nach dem ersten, das im August 2008 in Genf gegen Zypern mit einem 4:1-Sieg endete. Hitzfelds Heimbilanz ­ ist nicht schlecht, mit 14 Siegen, ­ 9 Unentschieden und 7 Nieder­lagen. Noch besser ist sie in Spielen auswärts oder auf neutralem Terrain, mit 13 Siegen, 9 Unentschieden und nur 4 Niederlagen in 26 Matches. Am besten aber sind – typisch für den «Resultattrainer» Hitzfeld – die Zahlen, wenn es um Punkte ging. Von 14 Ausscheidungsspielen in der Schweiz hat Hitzfeld in den sechs Jahren nur zwei verloren, aber neun gewonnen – und damit 2,14 Punkte im Schnitt. Auswärts oder – in Süd­afrika – auf neutralem Terrain ­ gab es in 17 Matches neben acht Siegen auch nur drei Niederlagen, also immerhin 1,76 Punkte pro Spiel. Die einzelnen Resultate schwankten – bisher – zwischen einem Heim-1:2 gegen Luxemburg und einem WM-1:0 gegen den späteren Champion Spanien. Ein wenig speziell sei es schon, sagt Hitzfeld, in Luzern sein ­letztes Heimspiel zu bestreiten, «denn in Luzern habe ich doch ­ ein paar Jahre meiner Karriere gespielt.» Und weil es die letzten drei des Fussballers Hitzfeld waren, hat er sich also auch als Spieler in Luzern verabschiedet. Doch so wirklich beschäftigen wird ihn das heute nicht, zu sehr ist Hitzfeld fokussiert auf die letzte Phase der Vorbereitung der WM, die sein letzter Auftritt in der Welt des grossen Fussballs sein wird. Was bisher passierte, stellt ihn zu­frieden. Natürlich weiss er, dass eine Leistung, wie sie seine Mannschaft am Freitag beim 1:0 gegen Jamaika bot, an einer WM nirgendwohin reicht. Aber wer müde Beine habe, wie sie in dieser Phase einer Vorbereitung «normal sind», der spiele nun mal nicht so gut. Doch schon heute wolle er beispielsweise «mehr Passsicherheit» sehen. Xhakas Kredit Klar ist, wie Hitzfeld aufstellt – nämlich jene Mannschaft, die allgemein als Startelf in zwölf Tagen in Brasilia gegen Ecua­dor gilt. ­Also mit dem Abwehrzentrum Fabi­an Schär/Steve von Bergen, mit der «Doppelsechs» Valon Beh­rami/Gökhan Inler, mit der offensiven Dreierreihe Xherdan Shaqiri/Granit Xhaka/Valentin Sto­cker und der Sturmspitze Josip Drmic. Aber Hitzfeld wäre nicht Hitzfeld, sagte er nicht auch: «Das heisst noch nicht, dass wir auch gegen Ecua­dor so spielen – bis dahin ist noch Zeit.» Es wird die Zeit sein, in der ­ sich allenfalls trefflich spekulieren lässt, ob Admir Mehmedi Xhaka im Kampf um die Rolle des «Zehners» doch noch rechtzeitig einholt und ob einer aus dem Genfer Duo Johan Djourou/Philippe Senderos den Platz Schärs erhält. Zu erwarten ist das nicht. Es wirkt trotz seiner zurückhaltenden Äusserungen ziemlich ein­deutig, wie Hitzfeld die Dinge sieht. Schär kann sich nur mit einer offensichtlich missratenen Vorstellung heute aus der Start­elf spielen, und im Falle Xhakas fragt sich einfach, wie viel Kredit er hat. Bis zum ersten WM-Spiel, ­ so sieht es zurzeit aus, schon. Hitzfelds Formulierung zum The­ma lautet so: «Xhaka hat zuletzt weniger gespielt. Es sind jetzt Gelegenheiten, ihm Praxis zu geben. Also spielt er auch gegen Peru, dann werde ich mir ein Urteil erlauben.» Es sei nicht so, dass er, Hitzfeld, eine Aufstellung mit Xhaka als die geeigne­tere und damit lieber sehe: «Nein, wenn Mehmedi in Form ist, kann auch er eine gute Wahl sein. Ich bin da offen.» Dennoch siehts eben nicht so aus, als würde sich dies – wenn überhaupt – schon vor dem ersten WM-Match auswirken. Zufrieden ist Hitzfeld nach der Woche in Weggis aber vor allem, «dass die Verletztenliste leer ist. Unser Plan ist erfüllt, dass alle rechtzeitig fit sind.» Rechtzeitig für den Versand der definitiven 23er-Spielerliste an die Fifa. Gestern Morgen um 10.25 wurde sie nach Zürich geschickt. Keine Punkteprämien mehr Und geregelt sind auch die Prämien. Anders als in früheren Jahren wurden sie nicht offiziell kommuniziert, was offenbar eine Weisung des Verbandspräsidenten war. Durchgesickert sind die Zahlen doch. Spektakulär wirkt da, dass ein Schweizer Weltmeister 500 000 Franken Prämie erhielte! Realistischer aber sind die 85 000 Franken, die es offenbar für einen Platz in den Achtelfinals gibt oder die 100 000 Franken dazu für ein Weiterkommen in die Viertelfinals. Diese Zahlen sind höher, als sie in Südafrika gewesen wären. Dafür wurden die damals noch ausgelobten Punkteprämien für die Gruppenspiele gestrichen. Nun gibt es einfach 10 000 Franken pro Mann Antritts­gage, und scheidet die Schweiz nach der Vorrunde aus, bleibts dabei. Vor vier Jahren hatte es für ­ die vier Punkte gegen Spanien (1:0) und Honduras (0:0) noch 40 000 Franken gegeben. «Für 23 Mann waren das 920 000 Franken – das war teuer für eine Mannschaft, die nach drei Spielen heimreisen musste,» sagt Nationalmannschaftschef Peter Stadelmann. Also hiess die Devise nun: mehr Erfolgsbezogenheit. Das soll aber auch ein weiteres Zeichen sein, dass die Schweiz diesmal eben nicht nur mitmachen, sondern mindestens die Achtel­finals erreichen will. Oder, in den Worten Hitzfelds, als Viertelfinalist «Geschichte schreibt». Hansjörg Schifferli

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