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Gaffer haben Kamelkäufer abgelöst

Eine halbe Million Besucher haben die weltgrösste Kamelmesse im indischen Rajasthan besucht. Die Viehhändler waren hingegen enttäuscht. Der Kamelhandel lässt ständig nach.

Das Aufgehen des Vollmondes markierte den Schlusspunkt. Die grösste Kamelmesse der Welt ist am Donnerstag im rajasthanischen Pushkar zu Ende gegangen. Neben den Viehhändlern weilten Hunderttausende in- und ausländische Touristen dem exotischen Spektakel bei. Die Kamelmesse blickt auf eine Geschichte von mehreren Hundert Jahren zurück. Aus allen Gegenden Rajasthans und benachbarter Bundesstaaten kommen Hirten und Züchter nach Pushkar, um ihre lebende Ware anzubieten. In diesem Jahr waren es knapp 10000 Kamele, Pferde, Rinder und Esel. Allerdings wechselte weniger als ein Drittel der Tiere ihren Besitzer. Die Händler beklagen schlechter gehende Geschäfte, während gleichzeitig die Zahl der Besucher steigt und die Viehmesse mehr und mehr den Charakter eines Volksfestes annimmt. Ragunath Singh, ein 70-jähriger Händler aus dem Distrikt Pali, resümierte gestern enttäuscht: «Ich bin nicht ein einziges Kamel losgeworden, war aber ständig umringt von jeder Menge Gaffer und Fotografen.» 7 Tiere wollte er eigentlich verkaufen.

Dromedare neu geschützt

Heissluftballone, Karusselle und Souvenirshops – inzwischen überwiegt der touristische Aspekt. 1972 übernahm die Regierung Rajasthans die Schirmherrschaft über die Viehmesse, eine der bedeutendsten in Indien, und machte sie Schritt für Schritt zu einem Anziehungspunkt für Besucher – in diesem Jahr auf rund eine halbe Million geschätzt. Der Ansicht von Tourismusdirektor Vikram Singh, sie kämen hauptsächlich, um «ländliches Ambiente» zu erleben, widersprechen viele. Ausser Staub und Sand sei davon nichts Echtes mehr geblieben. Zugleich sanken die Tierverkäufe unaufhörlich. 2012 waren es noch 14000, im vorigen Jahr 11000. Direktor Singh nannte als Gründe dafür die Mechanisierung der Landwirtschaft sowie die Entscheidung der Regierung in Jaipur, das Wüstenschiff zum Wappentier Rajasthans zu erklären. Im Sommer trat ein neues Gesetz in Kraft, das den Status der Dromedare veränderte. Es enthält ein Schlachtverbot und stellt Schmuggel des Nutzviehs sowie die Nutzung als Reit- und Zugtier unter Strafe. Rajasthans Chefministerin Vasundara Raje will auf diesem Weg der dramatischen Abnahme des Kamelbestandes begegnen. 1982 belief er sich noch auf rund eine Million Tiere. Nach Einschätzung von Hanwanth Singh Rathore, Direktor der Hirtenorganisation LPPS, gibt es heute in Rajasthan nicht mehr als 200000 Dromedare.

Region zieht Pilger an

Der Ursprung der Viehmesse liegt in der religiösen Bedeutung Pushkars. Nach Hindu-Mythologie liess hier der Schöpfergott Brahma auf der Suche nach einem Opferzeremoniell eine Lotusblüte fallen. An dieser Stelle bildete sich ein See, dessen Wasser noch heute, besonders in der Vollmondnacht, Heilkraft und Befreiung von Sünden nachgesagt wird. In Pushkar steht der einzige Brahma geweihte Tempel Indiens. Der Ort zählt deshalb zu den bedeutenden Pilgerstätten der Hindus. Zudem bietet die ein paar Kilometer entfernte Stadt Ajmer eine weitere Sehenswürdigkeit: das Grab des Sufi-Heiligen Khwaja Moinuddin Chisti, ein wichtiges islamisches Pilgerzentrum.

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