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Ganz im Sinne des Firmengründers

An Gespenster erinnern nur die Namen. Die «kleine» Limousine von Rolls-Royce hat als Ghost Anklang gefunden und das Pendant dazu als Coupé mit der schon einmal verwendeten Bezeichnung Wraith führt die Marke zu sportlichen Wurzeln zurück.

«Fertig lustig» für die professionellen Limousinenchauffeure: Rolls-Royce er- muntert seine gut betuchte Kundschaft mit dem neuen Modell Wraith zu einem bisher kaum für möglich gehaltenen Rollentausch. Der Zwölfzylindermotor mit einer Höchstleistung von 632 PS, die extrem dynamischen Fahreigenschaften und das sportliche Outfit des zweitürigen Coupés locken die stolzen Besitzer wieder selbst ans Steuer. Harry und seine Berufskollegen werden sich in Zukunft wohl vermehrt damit begnügen müssen, ihren exklusiven Dienstwagen nur noch vom Flughafen zurück in die Garage zu fahren.

«Der ultimative Granturismo für Gentlemen wäre ganz nach dem Geschmack des Abenteurers, Rennfahrers und Firmengründers Charles Rolls und wird uns viele neue Freunde bescheren», zeigt sich Torsten Müller-Ötvös überzeugt. Der CEO von Rolls-Royce und seine Leute haben der 109 Jahre alten britischen Traditionsmarke seit 2003 unter dem schützenden Dach von BMW zu neuem Glanz verholfen und gedenken keineswegs, auf den Lorbeeren auszuruhen. Ein Wraith Cabriolet ist nur noch eine Frage der Zeit und auch als Basis für einen edlen Crossover bietet sich die jüngste Entwicklung sicherlich an. Ein spritschluckender Zwölfzylinder allein kann es für die neue Luxusklasse auf Dauer ja wohl nicht sein. Auch da gibt es noch Handlungsbedarf, obwohl die Benzinkosten in diesem Segment nur eine Banalität sind neben dem Verkaufspreis.

Wo genau sich dieser einpendeln wird bei der Bestellung ist angesichts der gewaltigen Aufwertungsmöglichkeiten beim Interieur, beim Komfort, bei Information, Unterhaltung und in vielem anderen Bereichen nur schwer abzuschätzen. Rund 400?000 Franken braucht es in der Regel aber schon, um mit dem Wraith Aufnahme zu finden in der erlesenen Rolls-Royce-Gesellschaft, die sich bis vor Kurzem nur auf den rund 40 Zentimeter längeren und einen Viertel teureren Phantom abstützen konnte. Der Mehraufwand im Vergleich zum bauähnlichen Ghost wird gerechtfertigt mit der bisher höchsten Motorleistung eines Serienmodells von Rolls-Royce, mit ungewohnt sport­lichen Fahreigenschaften und einem ebenso neuartigen kühnen Design.

Zwei riesige, hinten angeschlagene und weit öffnende Türen bieten Zugang zu einem gewohnt gekonnt verar­bei­te­ten Luxusinterieur, geprägt von edlem Holz, Leder, Chrom und anderen Markenzeichen. Den vier komfortablen Sesseln mangelt es an nichts: Reinsitzen ist gleichbedeutend mit Wohlfühlen. Statt sich hinten im Fond mit den modernsten Kommunikationsmitteln dem Tagesgeschäft oder irgendwelchen Vergnügen widmen zu können, muss sich der stolze Wraith-Besitzer in der ungewohnten Rolle des Lenkers erst einmal mit den wichtigsten Bedienungselementen vertraut machen. Vieles, aber nicht alles entspricht dem, was er aus dem früheren automobilen Alltag kennt. Zwei Beispiele gefällig? Der deutlich spürbare Sportmodus wird über eine «Low»-Taste am Lenkradhebel aktiviert und statt des gewohnten Drehzahlmessers gibt es eine wenig hilfreiche Power-Reserve-Anzeige.

Die Höchstleistung von 632 PS muss dem 6,6-Liter-V12-Twinturbo mit Benzindirekteinspritzung bayrischen Ursprungs im Normalbetrieb sowieso nie abgefordert werden. Das maximale Drehmoment von 800 Newtonmetern steht schon ab 1500 Umdrehungen bereit und erlaubt es, das leer 2340 Kilogramm schwere Coupé in 4,6 Sekunden auf 100 Stundenkilometer zu beschleunigen. Ein satellitengesteuertes Acht-Gang-Automatikgetriebe von ZF leitet die Kraft an die Hinterräder weiter und wählt aufgrund von GPS-Daten den optimalen Gang für den vorausliegenden Streckenabschnitt. So kann ruhigen Gewissens auf manuelle Einflussmöglichkeiten verzichtet werden. Die Automatik macht es besser.

Raffinierte elektronische Fahrassistenzsysteme, der niedrige Schwerpunkt, der kürzere Radstand, die breitere hintere Spur und die bei niedrigem Tempo leichtgängigere Lenkung verhelfen dem Wraith trotz seiner Länge von 5,27 und seiner Breite von 1,95 Metern zu aussergewöhnlicher Agilität. So macht das engagierte Kurvenfahren mit einem Rolls-Royce ebenso viel Spass wie das souveräne Dahingleiten auf der Autobahn. Eine kleine Einschränkung gilt nur bei einsetzendem Nieselregen. Da empfiehlt sich wegen der immensen Kraftreserven in Ermangelung von Allradantrieb ein schonungsvoller Umgang mit dem Gaspedal. Andernfalls droht die elegante Erscheinung auszubrechen und Schaden zu nehmen. Dafür ist sie wirklich nicht geschaffen worden.

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