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GC hat wohl ausgeträumt

bern. Die mit einer 0:4-Niederlage gegen die Young Boys bestrafte Fehlleistung der Grasshoppers dürfte zur Folge haben, dass ihnen Meister FCB im Titelkampf enteilt.

Es mag eine schlechte Gewohnheit von Trainern sein, Spiele eine Viertelstunde vor Schluss zu verlassen, in die sie nicht direkt involviert sind. Aber Murat Yakin, der Trainer des FCB, konnte sich wirklich guten Gewissens in der 75. Minute von seinem Sitzplatz im Stade de Suisse erheben. Denn in dieser letzten Viertelstunde zwischen den Young Boys und dem FCB-Rivalen GC konnte nichts mehr passieren, konnten die Zürcher nicht mehr weitere Punkte im Titelkampf gewinnen. Als Yakin ging, stands 3:0 für elf Berner gegen zehn Zürcher; als der Match zu Ende war, hatten die Young Boys gar 4:0 gewonnen.

Die Berner kassierten mit einer Not-Innenverteidigung nicht mal ein Tor – mit dem 1,75 m kleinen Christoph Spycher, der mit 35 Jahren erstmals im Zen­trum verteidigte und dem noch nicht mal 20-jährigen Marco Bürki. Dafür schossen sie als in der Personalnot nominell ungewöhnlich offensiv aufgestellte Mannschaft gleich vier Tore. Die waren teils zwar etwas vom Glück begünstigt; aber sie entsprachen der mit zunehmender Spieldauer missratenen und auch glücklosen Vorstellung der Zürcher.

Die Grasshoppers hinterliessen schon seit Wochen nicht mehr den Eindruck eines kommenden Meisters. Aber erstaunlicherweise haben sie noch immer nur drei Punkte weniger als der grosse FC Basel. Das haben sie auch nach dieser Niederlage, die schliesslich das Ausmass eines Debakels annahm. Aber man kann sich nach diesem Auftritt nicht mehr vorstellen, dass sie den FCB auch in den letzten fünf Runden noch ernsthaft herausfordern können – schon gar nicht, wenn die Basler heute endlich die Gelegenheit nutzen, von einem Fehltritt von GC zu profitieren.

1:0 und Platzverweis

GC liess zwar in der ersten halben Stunde Dominanz erkennen. In dieser Zeit hätte es in Führung gehen können, und Spycher hatte auch Glück, dass er in der 27. Minute für eine an eine Notbremse gemahnende Aktion gegen Izet Hajrovic nur Gelb sah und nicht die «klare Rote Karte», wie sie dem Urteil des Zürcher Trainers Uli Forte entsprochen hätte. Ein paar Minuten später lagen die Berner 1:0 in Führung, als Samuel Afum so glücklich stand, dass er einen eigentlich missglückten Flachschuss Mario Raimondis ins Tor ablenken konnte.

Das war die erste wichtige Wendung im Spiel – und sie fiel genauso zugunsten der Berner aus wie die zweite. In der 57. Minute «kassierten dann wir die Rote Karte, die Spycher verdient hätte», wie Forte sagte, als er auf den Platzverweis für seinen zweimal verwarnten Innenverteidiger zu sprechen kam. Die zweite Gelbe war hart. Fünf Minuten später konnte Alexander Farnerud nach einem Eckball Moreno Costanzos bedenklich mühelos das 2:0 erzielen. Zu diesem Zeitpunkt standen gleich drei Zürcher zum Einwechseln bereit. Sie kamen dann, aber das Spiel war entschieden. Auch diese Massnahme Fortes wirkte sich nicht aus, sie kam zu spät.

«Eine bittere Stunde» nannte Forte später, was er da vor nur 15 000 Zuschauern erlebt hatte. Und er «glaube nicht, dass da vier Tore Differenz waren». Das mag stimmen. Fakt war aber auch, dass die Zürcher in ihren besseren Momenten zu wenig effizient waren, beispielsweise der erneut schwache Shkelzen Gashi. Und es war Fakt, dass sich allmählich die Fehler häuften, wie jener, Farnerud das 2:0 kampflos zuzugestehen.

Die Berner wiederum, in den vergangenen Monaten vorwiegend kritisiert, konnten die letzte halbe Stunde geradezu als Gala geniessen. Natürlich waren sie nicht annähernd so gut, wie sich ein 4:0 gegen einen Meisterschaftsanwärter ausnimmt. Aber sie traten doch, wie ihr Trainer Bernard Chal­landes feststellte, «als Mannschaft auf. In unserer Lage kann man nur als Mannschaft auf die Kritik reagieren – und das haben wir getan. Wir haben wirklich gut zusammengearbeitet.»

«Als Mannschaft reagiert»

«Sehr wichtig» sei gewesen, «dass uns das erste Tor glückte», denn bis dahin sei GC wie eine «gute Mannschaft» aufgetreten. Und die vier Tore seien schliesslich auch Nachweis ungewohnter Effizienz gewesen. Es traf wieder mal Farnerud; Samuel Afum schoss wieder mal ein Tor, in letzter Minute auch noch Alexander Gerndt – es trafen also die beiden, die im Winter gekommen waren, Raul Bobadilla zu ersetzen und dies noch nicht annähernd haben tun können.

Marco Wölfli, der YB-Torhüter, erhielt nicht mal mehr die Chance, einen Fehler zu begehen. Roman Bürki, der Berner im GC-Tor, fiel seinen engeren Landsleuten auf, dass er – diesmal gegen Raphael Nuzzolo – bedrohlich aus dem Tor lief. Forte allerdings tat Hinweise dar­auf als «Theater» ab. Es wird am Ende auch die Berner nicht mehr wirklich interessiert haben. Denen war wichtig, ihre reelle Chancen auf (Europa-League-)Platz 5 gewahrt zu haben. (hjs)

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