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Geheimnisvoll bis zur Derniere

Heute Abend findet bereits die Schluss­vorstellung des Jubiläumsspiels «Guete Bonjour!» statt. Letzte Gelegenheit, sich das Stück nochmals anzuschauen, um auch kleine Details zu entdecken oder Geheimnissen nachzuspüren.Letzte Chance

Eigentlich müsste man den «Guete Bonjour!» mehrmals besuchen: Das Freilichtspiel bietet neben der Hauptgeschichte der französischen Besetzung Winterthurs von 1798 unzählige Details und Nebenhandlungen. Zum Beispiel rätselt man als Zuschauer darüber, wie die Liebesgeschichte zu Ende geht. Was flüstert Babette ihrem Soldaten in der Fensterszene wohl ins Ohr? «Das weiss ich genau», sagt Paul Steinmann, Autor des Stücks. «Sie will sich als Soldat verkleiden und mit ihrem Geliebten ab nach Italien.» Steinmann bedauert ein bisschen, dass dies im Stück nicht in der Schlussszene zu sehen ist: «Mir wird da zu viel offen gelassen.» Regisseur Stefan Camenzind mag grundsätzlich auch keine offenen Enden: «In der Hauptgeschichte ist mir eine richtige Schlussszene absolut wichtig.» Bei einer Nebenhandlung, wie der Liebesgeschichte, habe er aber aus dramaturgischen Gründen den Schluss weggelassen. «So können sich alle selbst ein Ende denken.» Hinter vielen Kleinigkeiten, die von den Statistinnen und Statisten liebevoll gespielt werden, verbirgt sich eine Geschichte: Die bodenständige Dame, die rechts vorne auf der Bühne einmal ein Pfeifchen schmaucht? «Das ist eine Hanfverkäuferin», erklärt Stefan Camenzind. Damals war der Hanfverkauf völlig legal. Er sei gemeinsam mit der Darstellerin auf die Idee mit dem Rauchen gekommen. «Es ist ja naheliegend, dass die Verkäuferin ihr eigenes Kraut auch ausprobiert.» Kriegsthema plötzlich aktuell Jene Szenen, in denen Licht und Musik auf Kampfhelikopter und Panzer anspielen, erinnern an Bilder, die man im Moment aus Gaza oder der Ukraine kennt. Dass das Thema des Krieges und der Besetzung in diesem Sommer so aktuell wird, habe man nicht ahnen können, sagt Steinmann. «Aber ein Theaterstück, das in so kurzer Zeit geschrieben und produziert wird, nimmt immer auf, was in der Luft liegt. Sei es bewusst oder unbewusst.» Camenzind erklärt: «Es ist zwar ketzerisch, aber die Aktualität hat uns da in die Hände gespielt.» Ein­geplant habe er die bedrohlichen Sequenzen, damit der Krieg im Stück nicht verharmlost werde. Nonnen mit Goldschuhen Zurück zu den harmloseren Details: Wer genau hinschaut, entdeckt, dass die Nonnen im Stück verführerisch goldene Schuhe tragen. Der Grund: Dieselben Darstellerinnen spielen kurz darauf drei Prostituierte. «Es war eine Herausforderung, möglichst viele Frauenrollen ins Stück einzubauen», sagt Steinmann. Da es um Militär und Politik im 18. Jahrhundert geht, kommen naturgemäss mehr Männerrollen vor. Darum kamen Nonnen und Prostituierte ins Stück. Dass diese von denselben Personen gespielt werden, habe man bei der Besetzung entschieden. Liegt darin eine kritische Anspielung verborgen? «Geplant war das nicht», sagt Steinmann. «Wenn jemand darin aber eine satirische Spitze sieht, dann ist das auch gut.» Eine Frage noch zum Schluss: Macht der «Füdliblutt» seinem Namen in der Schlussvorstellung noch alle Ehre? Bisher flitzte er noch mit einem Lendenschurz bekleidet über die Bühne. «Gags an der Derniere sind eigentlich verpönt und verboten», sagt Regisseur Camenzind. «In diesem Fall wäre die ‹volle Montur› aber konsequent.» Wer nun gespannt ist: Die Vorstellung beginnt heute um 20.30 Uhr. Jakob Bächtold Einige Plätze sind heute Abend auf der Tribüne des «Guete Bonjour!» noch frei. Laut Gesamtleiter Enrico Giovanoli ist die Bilanz des Ticketverkaufs «etwas durchzogen»: Rund 15 000 Personen haben das Stück, das insgesamt 18-mal gespielt wird, bisher gesehen. Das Ziel von 1000 Zuschauern pro Vorstellung wird nicht ganz erreicht. Ein Grund dafür ist das Wetter: «Bei diesen Temperaturen kommen weniger Leute spontan auf die Idee, ein Freilichtspiel zu besuchen», sagt Giovanoli. Künstlerisch sei das Stück aber ein voller Erfolg: «Das Echo des Publikums und der Medien war sehr gut.» Denken die Produzenten bereits an ein nächstes Freilichtspiel? Giovanoli antwortet bloss mit einem breiten Schmunzeln.

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