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Gehobene Küche an unscheinbarem Ort

von Marius Huber Man kann nicht erwarten, dass jeder die Klotenerstrasse in Bassersdorf kennt. Darum sei hier gesagt: Es sieht dort nicht aus wie am Mittelmeer. Es herrschen Durchgangsverkehr und Agglo-Alltag. Das wirft die Frage auf, wie es möglich sein soll, an so einem Ort mediterrane Lebenslust zu evozieren – denn nichts anderes verheisst das Restaurant La Botte. Es setzt zum Glück nicht auf den Europa-Park-Ansatz. Also: keine stereotype Italien-Kulisse und auch keine staubfangenden Sehnsuchtsartikel aus Nonnos fiktivem Olivenhain. Stattdessen verströmt das Interieur einen glatten, etwas unterkühlten Schick. Hier soll nichts vom Wesentlichen ablenken. Von einer Küche, die höchsten Ansprüchen genügen und das Beste aus den verschiedenen Regionen Italiens auf die Teller bringen will. Der lauwarme Artischockensalat mit Wildfangcrevetten (Fr. 17.50) ist kunstvoll angerichtet, wie alle Gerichte im «La Botte», und er offenbart eine Eigenheit der Küche: Sie würzt sehr sparsam. Das lässt Platz für den Geschmack der einzelnen Produkte, insbesondere der tadellosen Meeresfrüchte. Den Salatblättern indes hätte etwas mehr Sauce nicht geschadet. Der Spargelrisotto (Fr. 17.50) hat zwar viel Pfeffer, aber ebenfalls nur wenig Salz, und hier geht die Rechnung auf: Der Reis, der überraschend viel Biss hat, übernimmt so eine tragende Rolle. Das ist ebenso einfach wie überzeugend. Der Service ist dezent, aufmerksam und glänzt mit perfektem Timing. Freundlicherweise bot er als Vorspeise unaufgefordert eine kleinere Portion Risotto an. So bleibt Platz fürs Rindsfilet an Balsamico-Sauce (Fr. 48.–). Die Sauce ist zwar keine Offenbarung, aber das Fleisch ist so perfekt und zart, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Die dazu gereichten, hausgemachten Fettucine sind ein weiterer, schlichter Höhepunkt, direkt und ehrlich. Auch bei den Orechiette an Rindfleisch­ragout (Fr. 23.50) zeigt sich, dass die Küche viel von Teigwaren versteht. Fazit: Das «La Botte» bietet italienische Küche auf hohem Niveau. Das Einzige, was fehlt, ist jenes besondere Etwas, das aus gutem Essen ein bleibendes gastronomisches Erlebnis macht.

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