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Gejodelt und gerappt

Der Hitzige Chor verwebt Tradition und Moderne zu einem farbigen Klangstoff. In Rickenbach bot die Truppe ein witziges, spritziges Spektakel.

Man wähnte sich in einem Musical, als die ersten Takte von «Falling in Love» ertönten – bis Beatboxen einsetzten. Der Lead-«Boxer», mit einem Megafon der Superlative bestückt, animierte das Publikum, die Gruppe klatschend zu unterstützen. Die sechs jungen Männer und die vier jungen Frauen machen nicht unbedingt das, was man sich vorstellt, wenn man einen Chor in Appenzeller Tracht auf der Bühne sieht. Ohne musikalische Berührungsängste verbinden sie traditionelles Liedgut mit Rap oder mixen Ratzliedli, Ruggusseli und Zäuerli mit Beatbox­elementen und singen Gospel oder Rock auf Appenzellisch. Sie bauen babylonisches Stimmengewirr ein oder inszenieren Lieder als Musicals. Sie tauschen die Tracht mit Rapperkleidung, sind mal frech, chaotisch und laut, mal sphärisch und engelgleich.

Mit einem Ruggusseli, dem Inner­rhoder Naturjodel, eröffnete der Hitzige Chor den Abend, begleitet von Kuhglockengebimmel, das ganz neuzeitlich von einem Mitglied mit einer Fernbedienung je nach Bedarf ein- oder ausgeschaltet wurde. Völlig überraschend vollzog sich der Wechsel zum Beatboxen und endete damit, dass sich die Performer wie Spieluhrfiguren hinter dem Vorhang bewegten.

Englisch, Appenzellisch

Frisch und spielerisch gehen die zehn Künstler mit Sprachen und Musikstilen um. Französisch, Deutsch, Englisch und Appenzellisch werden zu einem fruchtigen Cocktail geschüttelt. «Down by the Riverside» wurde neu interpretiert und mit Showeinlagen gespickt. Das Duett «Joliduli Yo» war ein lustiger Schlagabtausch zwischen Appenzellisch und Englisch. Die Hitzigen bestachen mit einem rasanten Stil- und Sprachenwechsel. Das oft gehörte «You Raise Me Up» wurde erfrischend anders als Singspiel aufgeführt. Das Liebespaar trugt ein wunderschönes Duett vor und wurde von einem Chormitglied auf einem eilends herbeigerollten Klavier begleitet. Auch bei diesem Song konnte man wieder das Pingpongspiel der Sprachen geniessen. Kerniger Dialekt und englischer Text im Wechsel liessen selbst die, die das Original satt haben, wieder hungrig werden.

«By the Rivers of Babylon», wieder mit Beatboxen untermalt, ging ohne Pause in den Song «Ab in den Süden» über und wurde abgelöst von einem besonderen «Thriller», einer Appenzeller Horror-Humor-Darbietung. Diese Mischung aus Humor, Ideenreichtum und Talent machten den Auftritt des Chors zu einem besonderen Erlebnis.

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