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Gelassen und ausgelassen

Zwei Heroen der Musikgeschichte, Gluck und Haydn, erwies das Zürcher Kammerorchester (ZKO) am Dienstag in der Tonhalle seine Reverenz: ein Festkonzert.

«Dieser Prometheus hat das Feuer vom Himmel geraubt» – mit solchen Hymnen wurde der Deutsche Christoph Willibald Gluck von seinen Anhängern in Paris begrüsst. Mit dem Himmel gemeint waren die Götter der italienischen Oper und mit dem Feuer das auf die Erde gebrachte wahre Drama und der echte musikalische Ausdruck.

Dem Opernreformator, der zur Galionsfigur im berühmten Streit der «Gluckisten» und «Piccinisten» im Paris der 1770er-Jahre erkoren wurde, begegnete man jetzt im Konzert des ZKO. Im Falle von «Orphée et Eurydice» handelte es sich zwar eben gerade um eine italienische Oper, die Gluck für Paris übersetzen liess und musikalisch ausbaute, aber es sind der unverkennbar schlichte, kernige Gesang des klagenden Orpheus, die markige Dramatik der Furien und die melodiöse Klarheit der seligen Geister, die man mit Gluck verbindet und jetzt, in der dynamisch differenzierten und vifen Aufführung unter der Leitung von Roger Norrington, wieder erlebte.

Die Zürcher Sängerknaben imponierten mit runder Klangfülle für die Unerbittlichkeit der Dämonen wie die Lieblichkeit der seligen Geister, das Orchester liess im Unterweltfurioso die Funken stieben, und der «Reigen seliger Geister» balancierte berückend duftig. Stefanie Steger sang die Arie der Eurydice anmutig und leuchten und Marie-Claude Chappuis gestaltete den Auftritt des Orphée nicht ganz homogen zwar, aber mit berührender Intensität. Schade, dass einem die berühmteste Arie von Gluck überhaupt, «J’ai perdu mon Eurydice», vorenthalten wurde. Aufgeführt wurde eben nur der 2. Akt, wozu auch die Teile gehören, die im Programmheft seltsamerweise als 3. Akt angekündigt wurden.

Der Abend war mehr ein Konzert als eine konzertante Opernaufführung, und nach der Pause ging es tatsächlich auch mit einer Sinfonie weiter. Mit Joseph Haydns für Paris komponierter C-Dur-Sinfonie Nr. 82 war nicht nur ein sinnvoller Bezug gegeben, sondern zu geniessen war auch – zumal mit dem Finalsatz – ein spektakulärer Kehraus der Konzertsaison.

Auf den Übernamen dieser Sinfonie, «Der Bär» oder eben «L’Ours», brauchte man dabei fürs Verständnis nicht zurückzugreifen, man konnte sich an den Dirigenten halten. Sir Roger Norrington, kürzlich 80 geworden, dirigierte den Abend in einem weiten Spektrum von Gelassenheit und Ausgelassenheit. Davon gibt es in der kommenden Saison mehr: Nicht weniger als fünf Konzerte mit ausschliesslich Mozart im Programm 2014/15 sind im Sir-Roger-Abo angekündigt.

Herbert Büttiker

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