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Geld oder Liebe?

Das Anhaltische Theater Dessau überzeugte in Winterthur mit einer aktuellen Inszenierung der «Lustigen Witwe» von Franz Lehár. Das Thema Staats­bankrott gabs damals schon.

Der Höhepunkt folgte am Anfang des zweiten Aktes: Der Vorhang geht auf, ein leuchtender Sternenhimmel prangt über einer riesigen Luxus­jacht, die den gesamten Bühnenraum füllt. Die Echtheit und Grösse des Segelschiffes sind beeindruckend, das Publikum im Theater Winterthur spendet spontanen Applaus. Es folgt die Arie der lustigen Witwe Hanna Glawari. In «Es lebt’ eine Vilja» zeigt Angelina Ruzzafante ihre Hanna von der gefühlvollen Seite. Es ist ein Moment des Innehaltens und von starker Intimität. Hier zeigt sich, dass die lustige Witwe, trotz ihrer unverhofft geerbten 20 Millionen, nicht immer nur fröhlich ist. Sie ist aber als selbst­bewusste und starke Frau dargestellt, die weiss, was sie will.

Die zweite starke Frau des Stücks ist Valencienne (Cornelia Marschall), die Frau des Barons Zeta, die ihre Parole «Ich bin eine anständ’ge Frau» so oft wiederholt, bis ihr niemand mehr glaubt. Nur ihr Mann merkt nicht, dass er selbst «der blöde Esel» ist, der von seiner Frau betrogen wird. Mit viel Selbstironie und einer kräftigen Stimme verkörpert Gerald Fiedler den alten Baron, der Mühe mit seinem Vaterland zu haben scheint, das er als Wort einfach nicht aussprechen kann.

Doch es überrascht nicht, dass Hanna sich vielmehr für den Grafen Danilo interessiert, ihren ehemaligen Geliebter, den sie aus Standesgründen nicht hatte heiraten dürfen. Er ist gut aussehend und durchtrieben, aber auch heiratsscheu und recht seekrank. All dies stellt Wiard Witholt mit schauspielerischem Talent und einer markanten Stimme dar, die sich sehr gut an die verschiedensten Gefühlslagen anpasst.

Staatsbankrotte gab es im 19. Jahrhundert zahlreich – zuletzt ging damals 1893 Griechenland pleite. «Die lustige Witwe» von 1905 hat deshalb an Ak- tualität nichts verloren und wird von Johannes Zametzer entsprechend inszeniert. Dazu tragen auch der Opernchor, das Ballettensemble und die Statisterie des Anhaltischen Theaters bei, welches das Stück am Wochenende gleich dreimal aufführte. An Ausstattung und Personal wurde nicht gespart.

Glänzend sind die Kostüme, die wunderbar zur Inszenierung passen: modern und leger, wohl elegant, aber mit schlecht gebundenen Krawatten und zerknitterten Hemden. Das Bühnenbild hingegen gibt sich sachlich. Dass die Strenge jedoch auf die Schippe genommen wird, zeigen das Auftauchen der Meerjungfrauen im Pool und später der Missbrauch dessen als Pissoir der un­gehobelten Gesellschaft.

«Der nimmt sie ohne Geld»

Auch wenn der finale dritte Akt im Cabaret spielt, zeigt sich hier, worum es in dem Stück eigentlich geht, aller vaterländischen Liebe und dem Geld zum Trotz: um die Liebe. Die Nachricht vom Staatsbankrott erhöht den Druck, die reiche Hanna zu vermählen; Baron Zeta hält um ihre Hand an. Doch als sie angibt, bei einer Wiederverheiratung ihr Vermögen zu verlieren, verliert er sein Interesse. Nicht jedoch Danilo, der nun den Moment gekommen sieht, Hanna seine wahre Liebe zu beweisen – egal, wie es um ihre Millionen steht. Was für die Umstehenden erstaunlich ist, «der nimmt sie ohne Geld» – ist der Sieg der Liebe über das Geld. Endlich!

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