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Gemeinde gibt ihr Bad auf

Mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 92 Prozent haben die Stimmberechtigten gestern an der Urne entschieden, das defizitäre Hallen- und Freibad aus der Gemeinderechnung zu entfernen. Das heisst nicht zwingend, dass das Bad auch wirklich abgebrochen wird.

In der Abstimmung war zu entscheiden, ob der Baurechtsvertrag, den die Gemeinde im Jahr 1974 mit dem Kanton geschlossen hatte, aufgelöst werden soll. Das Resultat ist sehr deutlich ausgefallen: 412 Ja zu 35 Nein. Die Stimmbeteiligung betrug 52 Prozent. Der Vertrag stammt aus dem Jahr 1974. Er hält fest, dass der Kanton Zürich der Gemeinde Rhein­au das Land für den Bau des Hallen- und Freibades zinslos bis am 30. April 2064 zur Verfügung stellt. Als Gegenleistung wurde vereinbart, dass die Patienten und das begleitende Personal des Psychiatriezentrums Rhein­au das Bad an einem Wochentag ausschliesslich und unentgeltlich benützen können. Seither hat sich einiges geändert: Der Kanton hat den Klinikbetrieb auf der Klosterinsel aufgegeben; der Finanzausgleich wird neu geregelt; der Kanton betrachtet die Führung eines Hallenbads nicht als Gemeindeaufgabe; er ist deshalb nicht mehr bereit, für den Betrieb und den Unterhalt des Bads Finanzausgleich zu leisten. Der Gemeinderat erkannte, dass die Gemeinde das Bad, das Jahr um Jahr 500 000 Franken Defizit schreibt und in spätestens fünf Jahren für verschiedene Sanierungen 13 Millionen Franken benötigt, nicht allein tragen kann, soll der Steuerfuss nicht auf astronomische Höhe angehoben werden. Er zog deshalb in Betracht, das Bad nächstes Jahr zu schliessen und abzubrechen, zumal diese Kosten noch vom Kanton übernommen würden. Die Absicht des Gemeinderates rüttelte auf. Auf private In­itia­ti­ve kam es im Sommer zur Gründung des Vereins Badi Rhein­au. Er zählt bereits über 1300 Mitglieder und ist damit der klar grösste Verein im Weinland. Hoffen auf private Trägerschaft Der Verein engagiert sich, um eine privatrechtliche Trägerschaft zu gründen, die das Bad weiterführen würde. Mit verschiedenen Massnahmen will er das Betriebsdefizit auf 200 000 Franken reduzieren. Wie Vorstandsmitglied Philipp Sigrist mitteilt, haben mittlerweile bereits sieben Gemeinden – Benken, Dachsen, Kleinandelfingen, Mar­tha­len, Ossingen, Rhein­au und Truttikon – Nachbarschaftshilfe (mit je rund zehn Franken pro Einwohner und Jahr) in Aussicht gestellt. «Wir hoffen fest, dass noch weitere Zusagen eintreffen werden», sagt Sigrist. Ob der Kanton den Baurechtsvertrag, den die Politische Gemeinde nun gemäss dem gestrigen Beschluss auflösen kann, auf eine neue Trägerschaft übertragen wird, hängt nicht zuletzt auch davon ab, ob diese die Mittel hat, um in fünf Jahren, wenn die Totalsanierung ansteht, den allenfalls nötigen Abbruch finanzieren zu können. Der Verein Badi Rhein­au steht jetzt unter starkem Zeitdruck: In nächster Zeit muss ein Businessplan erstellt und die neue Trägerschaft gegründet sein. Hat sich bis am 15. Mai keine private Lösung konkretisiert, muss der Gemeinderat den Abbruch einleiten.

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