Winterthur

Die GLP und die Grünen nehmen den Stromhandel von Stadtwerk ins Visier

Der Gemeinderat hat die Jahresrechnung der Stadt geschlossen abgenommen. Diskussionen gab es um den Anteil erneuerbarer Energien bei Stadtwerk und den Kauf von Kernstrom-Zertifikaten.

Die Geschäfte von Stadtwerk gaben am Montagabend im Gemeinderat zu reden.

Die Geschäfte von Stadtwerk gaben am Montagabend im Gemeinderat zu reden. Bild: Marc Dahinden

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In der Darstellung von GLP-Gemeinderat Markus Nater klang es wie ein handfester Skandal: «Stadtwerk ist bei der CO2-Bilanzierung nicht transparent», sagte er gestern im Gemeinderat. Durch den Verkauf von Graustrom – Strom aus unbekannter Herkunft – an Grosskunden optimiere Stadtwerk den Gewinn, verfehle aber die Emissionsziele. Und noch schlimmer: Stadtwerk habe Kernenergie-Zertifikate gekauft, nachdem der Atomausstieg doch beschlossene Sache sei.

«Stadtwerk ist bei der CO2-Bilanzierung nicht transparent»

Die GLP stellte folglich den Antrag, die Produktgruppe Stadtwerk von der Abnahme der Rechnung auszunehmen. Allerdings fand sie keine Unterstützer. Eine Ablehnung sei nur bei schwerwiegenden Verstössen angezeigt, sagte Benedikt Zäch (SP). Michael Gross (SVP) bezifferte den Kauf der Zertifikate mit 5000 Franken.

Die Rechnung abzulehnen, sei unverhältnismässig. Und Romana Heuberger (FDP) sagte, es entstehe der Eindruck, Stadtwerk habe die Kernenergie-Zertifikate gekauft, um die Energiebilanz zu schönen. Tatsächlich aber gebe es dafür rechtliche Gründe. Das sagte auch ihr Parteikollege, Werkvorsteher Stefan Fritschi. Seit 2018 darf in der Schweiz nur noch zertifizierter Strom gehandelt werden. Weil es keine Kohlestrom-Zertifikate gebe, habe man Kernenergie-Zertifikate gekauft.

Subventionen?

Das Intermezzo an einer sonst eher ruhigen Rechnungssitzung war damit vorüber. Zufrieden sind GLP und Grüne mit dem Stromhandel aber nicht. Der Anteil der Erneuerbaren ist bei Stadtwerk zuletzt gesunken und liegt unter dem Zielwert. Die Grünen können sich darum vorstellen, den Weissstrom (Wasserkraft und KVA) zu subventionieren, auch auf Kosten des Gewinns.

Erstellt: 25.06.2019, 08:06 Uhr

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