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Generationenwechsel auf der Rennbahn Oerlikon

Nach Jahrzehnten als Speaker an Radrennen übergibt René Schambron das Mikrofon der offenen rennbahn Oerlikon an Gabriel Oldham. Der soll frischen Wind auf die hundertjährige Anlage bringen.

Drei Dinge zeichnen für René Schambron einen guten Speaker aus. Er muss es wissen - von seinen 73 Lebensjahren hat er 40 «gespeakert», wie er es nennt. Drei Dinge also: 1. Eine deutliche Aussprache. 2. Die Stimme darf nicht zu hell und nicht zu tief sein. 3. Am Mikrofon darf es der Speaker nicht übertreiben. Emotionen darf er laut Schambron schon zulassen, aber nicht so sehr, dass sich seine Stimme überschlägt. «Die Leute haben mit immer gesagt, ich hätte eine angenehme Stimme. Aber dafür habe ich nichts getan – ich bin mit ihr geboren worden», sagt Schambron. In den vergangenen zehn Jahren hat er immer dienstags die Abendrennen auf der offenen Rennbahn in Oerlikon kommentiert. Erst zusammen mit der Kommentatorenlegende Willy Kym, nach dessen Tod dann mit Geni Wipfli.

Am Dienstag sass er zum letzten Mal hinter dem Mikrofon. Der letzte Rennabend der Saison war seine Dernière. Für ihn übernimmt Gabriel Oldham, 30, ehemaliger Radiomoderator, ehemaliges Gesicht des Schweizer Sport Fernsehens (SSF).Frischen Wind fürs Abendrennen

René Schambron ist im Herbst seiner Speakerkarriere auf die offene Rennbahn gekommen. 1968 hat er als Speaker begonnen. Erst an Eishockeymatches und zwei Jahre später dann an den Abendrennen des Veloklubs Affoltern am Albis. Bald fragten ihn die Veloklubs aus Baar, Cham und Zürich, ob er bei ihren Rennen auch als Speaker auftreten würde. Schambron sagte zu und dann kamen immer mehr dazu. Er sagt: «Es ging nicht lange und ich hatte in der ganzen Deutschschweiz Velorennen.» Der Radsport hatte so gar nichts mit seiner Arbeit als Abteilungsleiter in einem Lebensmittelladen gemein. «Das war mein zweites Leben», sagt er. 19 Mal nahm er am GP Ostschweiz teil, zwölfmal an der Tour de Suisse, immer als einer der Speaker, die in einem Begleitauto dem Feld vorausfahren. Andere haben die Schweiz im Wehrdienst kennengelernt, René Schambron lernte sie durch den Radsport kennen.Fachkundiges Publikum trifft unerfahrenen Speaker

Gabriel Oldham soll frischen Wind in die Abendrennen bringen. Ins Gespräch als möglicher Speaker kam er durch seinen Freund Franco Marvulli. Der Zürcher ist der Lokalmatador auf der Oerliker Rennbahn und stellte den Kontakt zwischen dem 30-jährigen Sportmoderator und der Interessengemeinschaft Offene Rennbahn (Igor) her. Oldham trat als potenzieller neuer Speaker an mit dem Vorsatz, an den Rennen für Stimmung zu sorgen. «In der ersten halben Stunde meiner Premiere blieb ich sehr zurückhaltend», erinnert er sich. Sein Respekt vor den traditionellen Rennen war gross. Die offene Rennbahn ist über hundert Jahre alt, sie liegt direkt hinter der Tankstelle, die einmal einem der grössten Radrennfahrer der Schweiz gehört hat: Hugo Koblet. Das Publikum ist fachkundig und über den Rennen liegt ein heiliger Ernst. Doch bald hatte sich Oldham eingewöhnt und drehte auf. «Franco Marvulli hat mir gesagt, der Speaker ist sehr wichtig und hat eine grosse Verantwortung. Er entscheidet wie er dem Publikum das Rennen verkauft», erzählt Oldham, «ich versuche immer aus einem eher langweiligen Rennen ein gutes zu machen und aus einem guten und spannenden Rennen ein ganz grosses Spektakel». Oldham hat das Publikum bereits dazu gebracht, einem Fahrer nach dem Rennen «Happy Birthday» zu singen und die Sieger mit einer Welle zu belohnen. «Am Wurststand werde ich von Zuschauern angesprochen, denen mein Stil gefällt», sagt er. Von den Fahrern bekommt er regelmässig SMS, in denen sie sich bedanken und erklären, er motiviere sie als Speaker noch mehr zu leisten.

Als die Frage aufkam, ob Oldham künftig Speaker auf der Rennbahn sein wolle, musste er nicht lange überlegen. Er sagt: «Der Radsport liegt mir sehr am Herzen und ich freue mich, dass sich die IGOR für mich als neue Stimme im historischen Oval entschieden hat.» Gabriel Oldham kündigt an:«Ich werde mir für die nächste Saison einige spezielle Ideen und Überraschungen für Fahrer und Zuschauer einfallen lassen.»

Schambron googlete und wurde fündig

«Gabriel macht es sehr gut», sagt Schambron. Er sei sympathisch und habe eine angenehme Stimme. Diese Saison hat er einige Male zusammen mit Oldham die Rennen kommmentiert. «Weil er es so gut gemacht hat», sagt Schambron, «kam ich auch auf die Idee mit dem Aufhören.» Zuvor aber setzte sich der 73-Jährige an den Computer und gab den Namen des 30-Jährigen in eine Suchmaschine ein. Er fand, der junge Mann habe bereits eine Menge gemacht und so fragte er ihn, ob er sein Nachfolger werden wolle.

Schambron hat kein leichtes Jahr hinter sich. Er spürt das Alter, hat Zucker, Herzprobleme und leichte Symptome von Parkinson. Wegen eines Autounfalls musste er zum ersten Mal seit Jahren bei vielen Rennen als Speaker absagen. «Das war wirklich schwer für mich», sagt er. Aber es sei nun an der Zeit, mit dem Speakern aufzuhören. Er wünscht sich nun eine Aufgabe, damit er weiterhin in der IG offene Rennbahn bleiben kann.

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