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Genug von der Luftfahrt?

Ein Kommentar von Reto Wäckerli zum Wechsel des Lufthansa-Konzernchefs Christoph Franz an die Spitze des Chemiegiganten Roche.

Der Wechsel von Christoph Franz von der Lufthansa zu Roche ist nur schwer nachvollziehbar. Erstens: Bei der Lufthansa sind zwar Schritte eingeleitet, um die Airline in die Gewinnzone zu bringen. Dazu zählt insbesondere die Auslagerung eines Teils des Europaverkehrs an die Billigtocher Germanwings. Doch die Arbeit ist längst nicht getan. Der 53-jährige Franz sitzt ja auch erst seit knapp drei Jahren auf dem Chefsessel. Zweitens: Franz war zeitlebens in der Logistikbranche und hat von der Pharmabranche wenig Ahnung – daran ändern auch seine zwei Jahre im Roche-Verwaltungsrat nichts. Gerade in dieser Branche, in der die richtige Gewichtung von Forschungsschwerpunkten über zukünftige Milliardenumsätze entscheiden, ist Fachwissen aber eine zwingende Voraussetzung, um intern und extern auf Augenhöhe diskutieren und verhandeln zu können.Die Swiss verliert einen wichtiges Sprachrohr Warum also tut Franz das? Hatte er «Heimweh» nach der Schweiz, wo seine Familie wohnt? Kaum. Franz hat Kerosin im Blut, und wird auch als Roche-Präsident häufig unterwegs sein. Wahrscheinlicher ist es, dass Franz genug hat von der Airline-Branche. Der Machtkampf mit der Belegschaft hat ihn zermürbt – und dieser Kampf war wohl erst der Auftakt zu Konflikten, die mit viel härteren Bandagen geführt werden. Es ist gut möglich, dass Franz selber nicht daran glaubt, dass die Airline-Branche in den nächsten Jahren Aufwind findet. So gesehen ist der Wechsel eine Bankrotterklärung für eine ganze Branche. Für die Lufthansa-Tochter Swiss ist der Abgang von Franz eine Zäsur: Jener Mann verlässt das Unternehmen, der bei der Schweizer Fluggesellschaft den Turnaround geschafft hat. Jetzt verliert die Swiss in der Konzernzentrale ihren gewichtigsten Fürsprecher. Eine weiter gehende Integration in den Konzern – zum Beispiel eine Übertragung des defizitären Europaverkehrs an Germanwings – wird wahrscheinlicher.

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