Zum Hauptinhalt springen

Gerangel um Weihnachtsmärkte

Auf dem Zürcher Münsterhof soll in naher Zukunft ein neuer Weihnachtsmarkt entstehen. Die Bewerber für dessen Betrieb bringen sich und ihre Konzepte schon heute in Stellung.

Die Zeit der Weihnachtsmärkte naht: Am 21. November, wenn die Weihnachtsbeleuchtungen in der Zürcher Innenstadt wieder erstrahlen, beginnen auch die traditionellen Weihnachtsmärkte im Hauptbahnhof, im Niederdorf und auf dem Werdmühleplatz. Eine Woche später startet der 2010 lancierte Weihnachtsmarkt auf dem Sechseläutenplatz. Und schon bald dürfte auf dem Münsterhof ein weiterer Markt hinzukommen. So sehen es die Pläne der Stadt für die Umgestaltung des Platzes vor. Diese soll nächstes Jahr beginnen. Schon jetzt bringen sich die Bewerber für den neuen Markt in Position: Da ist zum einen Robert Kaeser, ehemals Züri-Fäscht-Präsident. Er hat bereits ein Konzept für einen Weihnachtsmarkt auf dem Münsterhof eingereicht. Kaeser schwebt ein Markt vor, «der Bezug auf das historische Umfeld nimmt». Dazu würden Konzerte, Auftritte von Chören, kulinarische Angebote und traditionelles Handwerk gehören – vom Tirggel-Bäcker bis zum Zinngiesser. Ebenfalls bewerben will sich der Verein «Weihnachten in Zürich», wie dessen Präsident André Kofmehl sagt. Dem Verein, der diesen Sommer gegründet wurde, gehören unter anderem die Veranstalter des Christkindlimarkts im Hauptbahnhof, des Weihnachtsmarkts im Niederdorf und des Singing Christmas Tree am Werdmühleplatz an, ebenso Zürich Tourismus. Wie sein Konzept für den Münsterhof aussieht, will Kofmehl noch nicht sagen. Nur so viel: «Es geht um Qualität, um das Besondere, nicht um Grösse.» Ein Markt wie in Nürnberg oder Strassburg würde nicht zu Zürich passen. Skepsis bei den Eta­blier­ten Dass Kofmehl das Beispiel Nürnberg erwähnt, kommt nicht von ungefähr. Denn die Stadt Zürich nimmt die Münsterhof-Neugestaltung zum Anlass, eine Strategie für Zürichs Weihnachtsmärkte zu entwickeln – und greift dabei auch auf Experten aus Deutschland zurück. Anna Schindler, Direktorin von Stadtentwicklung Zürich, bestätigt einen entsprechenden Bericht der «NZZ am Sonntag». «Eine externe Agentur unterstützt uns», so Schindler. Gemeint ist das Münchner Beratungsbüro Cima, das im Dezember die Zürcher Weihnachtsmärkte unter die Lupe nehmen wird. Bis im kommenden Frühling soll dann die Zürcher Weihnachtsmarkt-Strategie stehen. Diese soll Verbesserungspotenzial aufzeigen, aber auch die Grenzen des Wachstums an Weihnachtsmärkten in Zürich ausloten. Auch gelte es, Kriterien für die Vergabe von öffentlichen Plätzen an private Weihnachtsmarktveranstalter zu definieren. Bei den Veranstaltern der traditionellen Weihnachtsmärkte sorgt die geplante städtische Strategie für Stirnrunzeln. Die Vereinheitlichung der Marronihäuschen durch die Stadt ist unvergessen. «Wir sind der Meinung, dass genau die Individualität das Spezielle an Zürich und seinen Weihnachtsmärkten ist», sagt Christian Brugger, Vorstandsmitglied des Vereins «Weihnachten in Zürich» und Präsident der Geschäftsvereinigung Limmatquai-Dörfli. «Die Leute fragen nach kleinen, alteingesessenen Lädeli. Man kann das auch auf die Weihnachtsmärkte übertragen», sagt Brugger. Eine Angleichung an deutsche Weihnachtsmärkte fände er falsch. Stephan Dübi, der den Christkindlimarkt im Hauptbahnhof veranstaltet, doppelt nach: «Was Zürich nicht braucht, ist ein pompöser Markt an nur einem Standort. Das passt nicht zu uns.» Internationales Aushängeschild Dieser Wink gilt Patric Hiltebrand, dem Organisator des neuen Weihnachtsmarkts am Sechseläutenplatz. Hiltebrand sagte kürzlich ge­gen­über «20 Minuten»: «Wir hätten mit dem Sechseläutenplatz das Potenzial, um einen international bekannten Weihnachtsmarkt zu veranstalten.» Auf dem Münsterhof sei so etwas aufgrund der Platzverhältnisse schwierig. Ein Weihnachtsmarkt auf dem Münsterhof könnte ohnehin frühestens 2015 stattfinden, eher 2016, so Robert Kaeser. Zuerst müsse der Platz neu gestaltet werden, wobei archäologische Funde für Verzögerungen sorgen könnten. Offen ist vor allem auch noch, wer den Zuschlag für den Markt erhält. Die Ausschreibung der Stadt steht noch aus.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch