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Geschlechterdiskussion vor der Geschichtslektion

Das Schweizer Radio und Fernsehen widmet sich im November einem Themenmonat zur Schweizer Geschichte. So multimedial das Projekt angelegt ist, so gross ist die Vorabkritik: Die Frauen kämen zu kurz.

«Die Schweizer» heisst ein Grossprojekt von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Vom 3. bis zum 30. November erteilt das SRF seinem Publikum Nachhilfestunden in Schweizer Geschichte – oder einen Auffrischungskurs, je nachdem. SRG-Generaldirektor Roger de Weck sagte noch während der Dreharbeiten zu den zahlreichen Beiträgen: «Ich glaube, dass man sein eigenes Land nur versteht, wenn man auch dessen Geschichte versteht.» Es fragt sich jedoch, ob de Weck versteht, was seit Sonntag in den Medien, vor allem in den Sozialen Medien, an Kritik über das Projekt «Die Schweizer» hereinbricht. In der «Schweiz am Sonntag» kritisierten prominente Politikerinnen, dass im Herzstück des Themenmonats – vier Dokufiktionen zu prägenden Epochen der Schweizer Geschichte – Frauen keine Rolle spielten. Nationalratspräsidentin Judith Stamm schrieb darauf in einer Kolumne: «Wir haben genug Frauen in unserer Geschichte, die eindrucksvolle Spuren hinterlassen haben.» Fünf Millionen, vier Filme Für rund fünf Millionen Franken portraitiert das SRF den sagenumwobenen Landamman Werner Stauffacher, den Heiligen Niklaus von Flüe, den Zürcher Bürgermeister und Kriegsherren Hans Waldmann, den General im Sonderbundskrieg Guillaume-Henri Dufour, sowie Eisenbahnpionier Alfred Escher und Stefano Franscini, den Statistiker und Bundesrat aus dem Tessin. Bruder Klaus und Hans Waldmann teilen sich ebenso einen Film wie Escher und Franscini – Thema und Epoche bieten das an. Zorn im Netz Auf Twitter finden sich mittlerweile mehrere Hundert Meinungsäusserungen zum Stichwort «#Schweizerinnen». Maja Hoffmann schreibt: «Es ist Männer-Blut und Boden-Kriegsgurgel-SVP-CH-Geschichtsunterichts-Filmzeit auf #srf und alle zappen weg.» Andere schlagen vor, welche Frauen ein aufwändiges Dokuportrait verdient hätten: Johanna Spyri, Anna Göldi, Annemarie Schwarzenbach, Sophie Taeuber-Arp oder Trudi Gerster. Wieder andere machen die Verbindung von der Auswahl der Männer-Figuren in prägenden Zeiten der Schweizer Geschichte zur SRG-Geschäftsleitung, in der nur ältere Männer sitzen. SRG-Mediensprecher Daniel Steiner erklärt auf Anfrage: «Die kritischen Stimmen gegenüber dem Projekt ignorieren, dass die vier Filme nur einen von vielen Bestandteilen im Themenmonat bilden.» Er sagt auch, die Filme beleuchteten nur die zwei bedeutendsten Phasen auf dem Weg zur heutigen Schweiz. «In diesen», meint Steiner, «hatten Frauen nachweislich keinen bedeutenden Einfluss.» Ausserhalb der abendfüllenden Filme werden zahlreiche Frauen portraitiert, etwa die Künstlerinnen Manon, S. Corinna Bille oder Sophie Taeuber-Arp in der Sendung «Sternstunden Kunst». Im Internet führt das SRF den multimedialen Geschichtsunterricht weiter mit zusätzlichen Informationen, Bildern sowie Interviews mit Historikerinnen und Historikern. Ausserdem hat sich das SRF den Spass erlaubt und Interviews mit den Protagonisten der kritisierten Filme gedreht: Da stehen Alfred Escher oder General Dufour Rede und Antwort. zum Sendungsporträt

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