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Gestärkt vom Burschen- ins Bronzeteam

Alina Müller ist mit knapp 16 Jahren die Jüngste im erfolgreichen Frauen-Eishockey-Nationalteam. Sonst spielt sie beim EHCW mit jungen Männern und lebt im Deutwegquartier. Ihre Eltern und ihr Trainer erzählen, wie sie den Sieg im Olympia-Bronzespiel erlebten.

Als Alina Müllers Winterthurer Coach am Donnerstagabend nach getaner Arbeit endlich dazu kam, das Bronzespiel am Fernsehen zu verfolgen, sah er das 4:2 seines Schützlings ins leere Tor der Schwedinnen und freute sich. «Ich hatte Tränen in den Augen», gesteht Andreas Zehnder. Das erste Drittel des Spiels hatte er live verfolgt, und er sah nichts Berauschendes. Dann musste er los, die Kunden warteten. Einer dieser Kunden, ein Österreicher und einstiger Eishockeyspieler, mit dem er schon über Alina Müller gesprochen hatte, gratulierte ihm per SMS, als der Sieg der Schweizer Hockeyfrauen feststand. Gemischte Teams, ein Plus Am Abend dann trainierte Zehnder seine Mannschaft, zu der Alina gehört, die Novizen des EHC Winterthur. 25 junge Männer mit Jahrgang 1997 und 1998 plus vier junge Frauen, die bis zwei Jahre älter sein dürfen (Alina hat ebenfalls Jahrgang 1998 und wird Mitte März 16). Dieses Reglement, wonach Mädchen zwei Jahre länger in der entsprechenden Bubenkategorie spielen dürfen, hält Zehnder für ein optimales Förderinstrument. «So lernen die Mädchen, sich durchzusetzen gegen Jungen, die zehn, zwanzig oder dreissig Kilo schwerer sind und dies auch einsetzen.» Bei den geschlechtergemischten Juniorenteams sind im Gegensatz zum Frauenhockey harte Checks erlaubt. Alina mit ihren 52 Kilos flöge bei solchen Attacken gelegentlich wohl über die Bande, wenn sie nicht gelernt hätte, auszuweichen. «Auch deshalb ist sie so schnell und so wendig», sagt Zehnder. Er ist sogar überzeugt davon, dass junge Spielerinnen wie Alina Müller oder ihre drei Winterthurer Teamkolleginnen, die in der Schweizer U18-Nationalmannschaft spielen, von diesem System mehr profitieren, als wenn sie in einem reinen Damen-Nationalliga-A-Team mittun würden. Kontakte zu den Spitzenteams habe es gegeben, doch ein Wechsel brächte keine Vorteile. Die Mädchenförderung des EHC Winterthur habe einen guten Ruf, «andere Klubs setzen keine Mädchen in den Bubenteams ein», so Zehnder. Grosse Probleme mit geschlechtergemischten Teams gebe es kaum. Es könne bei Auswärtsspielen hin und wieder zu organisatorischem Mehraufwand führen, eine separate Garderobe für die Mädchen zu bekommen. «Und in diesem Alter kommt es halt auch hin und wieder zu dummen Sprüchen von vereinzelten Jugendlichen.» Doch das sei nach einem Einzelgespräch mit dem Vorlauten jeweils schnell bereinigt. Alina Müller ist dabei sicher im Vorteil, weil sie auch in ihrem Männerteam zu den Stützen und zu den regelmässigen Torschützen zählt. «Und zu den Fleissigsten im Training», lobt ihr Coach. «Und sie ist sehr spielintelligent.» Das Hockey-Duo vom Deutweg Familie Müller wohnt unweit der Eishalle Deutweg. Medaillengewinnerin Alina ist im Moment die berühmtere der Geschwister. Doch ihr Bruder Mirco, drei Jahre älter als sie, ist bereits seit 2012 Profi bei den Everett Silvertips mit der Aussicht, bei den San Jose Sharks in der NHL zu spielen. Es war, erzählt Vater Roland Müller, nicht der ältere Mirco, der die kleine Schwester zum Hockey mitnahm, es war eher umgekehrt. «Sie spielten beide Handball und kamen via Schulsport mit Eishockey in Kontakt. Und es war Alina, die nichts anderes mehr wollte, also machte auch Mirco mit.» Sie war damals sechs, die weissen Damen-Schlittschuhe hätten sie nie interessiert. Sport habe in der Familie immer eine Rolle gespielt, sagt der Vater, doch mit Hockey habe weder er noch seine Frau etwas am Hut gehabt. Was sich aber änderte: Christina Müller entwickelte sich zu dem, was man in Übersee eine «Hockey Mum» nennt. Wochenende für Wochenende unterwegs. Ein Vorteil sei stets gewesen, dass sie immer nahe bei der Eisbahn gewohnt hätten, zuerst beim alten Zelgli, dann bei der neuen Halle. Am Sonntag erwarten die Eltern ihre Tochter zurück, die wohl noch den Montag schulfrei bekommt am Kunst- und Sportgymnasium Rämibühl. Er habe, sagt Roland Müller, erst eine kurze Minute mit Alina telefonieren können: «Dann musste sie zum Dopingtest.»

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