Winterthur

«Gesunde können sich gefahrlos tätowieren lassen»

Heute und morgen findet in den Eulach-Hallen die «Tattoo Convention» statt. Aus gesundheitlicher Sicht ist der Hautschmuck unbedenklich, sagt Hautarzt Christian Busch (40) vom «Dermateam».

Geschmackssache aber unbedenklich für die Gesundheit: Tattoos.

Geschmackssache aber unbedenklich für die Gesundheit: Tattoos. Bild: Marc Dahinden

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Herr Busch, gibt es eigentlich tätowierte Hautärzte?
Christian Busch: Natürlich. Jede Menge meiner Kollegen sind tätowiert. Ich selbst auch.

Wie viele Tattoos haben Sie?
Das ist schwer zu zählen, weil es grossflächige Motive sind, die über die Zeit gewachsen sind.

Gibt es denn aus gesundheitlicher Hinsicht keine Bedenken?
Nein, bei gesunden Menschen gibt es keinen Grund von Tattoos abzuraten. Komplikationen sind extrem selten. In den zehn Jahren, in denen ich an einer Uniklinik arbeitete, habe ich genau zwei Fälle von Kontaktallergien auf Tattoofarben erlebt. Viel häufiger traten diese bei Henna-Tattoos oder Make-up auf. Auch gross angelegte wissenschaftlichen Studien fanden kaum Fälle von Nebenwirkungen.

«In den zehn Jahren, in denen ich an einer Uniklinik arbeitete, habe ich genau zwei Fälle von Kontaktallergien auf Tattoofarben erlebt.» Christian Busch

Trotzdem, ein frisch gestochenes Tattoo kann sich doch infizieren?
Ja, Tattoos sollten immer in professionellen Studios gemacht werden, wo Sterilität gewährleistet ist.

Kann man sich darauf verlassen, dass sauber gearbeitet wird?
Ja. Die professionellen Studios haben einen Ruf zu verlieren. Die Ausbildung ist gut und die Studios werden häufiger und strenger kontrolliert als Arztpraxen.

An welchen Stellen sollte man sich nicht tätowieren lassen?
Grosse Leberflecke sollten nicht übertätowiert werden, weil das die Hautkrebsdiagnose verunmöglicht. Und ganz persönlich würde ich davon abraten, Hände und Hals zu tätowieren, weil man sich damit viele Berufschancen verbaut. Wenn ich durch die Stadt gehe, bin ich oft schockiert, wie viele junge Leute nicht abdeckbare Tattoos haben.

Die Hautarzt-Praxis in der Sie arbeiten, entfernt auch Tattoos. Wie oft kommt das vor?
Das sind vielleicht 10 bis 15 Patienten pro Jahr, die jeweils bis zu zehn Mal kommen müssen.

«Persönlich würde ich davon abraten, Hände und Hals zu tätowieren, weil man sich damit viele Berufschancen verbaut.»Christian Busch

Warum so oft?
Der limitierende Faktor ist die Haut darüber. Wir könnten die Tattoo-Farbe theoretisch auch in einer Sitzung weglasern, aber das würde zu Vernarbungen führen. Wir müssen uns herantasten.

Tut das Weglasern weh?
Ja. Etwa genauso sehr wie das Stechen.

Welche Tattoos wollen die Leute loswerden? Jugendsünden? Die Namen der Ex-Partner?
Es sind vor allem schlechte, nicht-professionelle Tattoos und Schriftzüge. Namen von Bekanntschaften, aber auch Slogans aus der Jugend, welche mit 30 nicht mehr so gut passen. Oft hellen wir auch alte Tattoos auf, damit sie besser übertätowiert werden können.

Was war Ihr skurrilster Fall?
Eine Frau hatte in der Leistengegend einen roten Kussmund tätowiert mit der Aufschrift «Küss mich». Der Mund durfte bleiben, der Spruch musste weg.

Sie haben letztes Jahr an der Tattoo-Messe einen Vortrag für Tätowierer gehalten. Worüber?
Über Hautkrebs-Früherkennung und häufige Hautkrankheiten. Ich finde es wichtig, dass alle, die in Berufen arbeiten, wo sie viel Haut sehen, also Tätowierer, aber auch Masseure und Bademeister, da ein Grundwissen haben. Sie können ihre Kunden darauf hinweisen, verdächtige Muttermale einem Arzt zu zeigen.

Und wie kam Ihr Vortrag bei den Tätowierern an?
Sehr gut. Der Wissensdurst ist gross. Ich habe seither mit einem Kollegen zweimal weitere solche «Crash-Kurse» an der Fortbildungsakademie für Tätowierer halten dürfen und wir haben vor, das weiterhin anzubieten.

Würden Sie Ihren Kindern Tattoos erlauben?
Ja. Aus medizinischer Sicht spricht nichts dagegen. Nur Stelle und Motiv sollten gut überlegt sein.

(Der Landbote)

Erstellt: 09.06.2017, 14:08 Uhr

Christian Busch ist Hautarzt.

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