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Giftattacke auf Kind: Zwölf Jahre Haft

Der Mann, der seinem Neugeborenen viermal Schlaftabletten verabreicht hatte, muss zwölf Jahre ins Gefängnis. Das Bezirksgericht Winterthur hat die Taten als "versuchten Mord" eingestuft.

Der Angeklagte habe "völlig sinnlos das Leben seines Kleinkindes aufs Spiel gesetzt", hielt der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung heute morgen fest. Und er sprach von skurpellos und heimtückisch ausgeführten Taten, die "aus krass egoistischen Gründen" erfolgt sind. Weitgehend der Anklage gefolgt Wegen mehrfachen versuchten Mordes verhängte das Bezirksgericht eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren. Damit liegt das Strafmass einerseits unter dem Antrag der Staatsanwältin, die am ersten Tag der Verhandlung am Mittwoch 17 Jahre gefordert hatte. Aber andererseits auch deutlich über der Forderung der Verteidigung. Diese hatte lediglich auf "mehrfache leichte Körperverletzung" plädiert und eine teilbedingte Strafe von 30 Monaten gefordert. Der bereits seit zwei Jahren im vorzeitigen Strafantritt befindliche Mann wäre damit wieder auf freien Fuss gekommen. Soweit kommt es nun nicht. Das erstinstanzliche Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft können den Fall vor das Zürcher Obergericht bringen. Die Verteidigung liess noch offen, ob sie Berufung einlegen wird. Vergiftet, um Zeit zu gewinnen Der zum Zeitpunkt der Taten bald 40-jährige Vater hatte seinem Neugeborenen, einer Frühgeburt, über einen Zeitraum von fünf Wochen viermal Schlaftabletten eingeflösst. Beim ersten Mal war der Säugling nicht einmal zwei Wochen auf der Welt. Er habe dem Säugling zweimal im Spital und zweimal Zuhause bei der Mutter die Tabletten eingeflösst, damit er "Symptome" zeige und im Spital verbleiben müsse, hatte der grundsätzlich geständige Mann am Mittwoch vor Gericht begründet. Damit habe er Zeit gewinnen wollen, um seine private Lebenssituation zu bereinigen. Der Spanier, ein Frauenheld, hatte gleichzeitig mehrere Beziehungen und Affären. Die Staatsanwältin ging davon aus, dass der Mann das Neugeborene töten wollte. Das Motiv: Er wollte sich "eines Problems" entledigen, um weiterhin sein unabhängiges Leben führen zu können und nicht in finanzielle Probleme zu geraten (der Mann ist wegen eines Kindes aus einer früheren Affäre bereits unterhaltspflichtig). Kein direkter Mord-Vorsatz Der Vater wies jegliche Tötungsabsicht von sich. Aus seinem beruflichen Umfeld wisse er um die Wirkungen des eingesetzten Schlafmittels. Dies war auch die Strategie der Verteidigung: Hätte der Mann sein Kind wirklich töten wollen, hätte er nicht viermal die offensichtlich falsche Dosierung gewählt - sondern diese nach und nach erhöht. Oder er, der in seinem beruflichen Umfeld auch auf stärkere Medikamente Zugriff hatte, hätte gar einen wirklich tödlichen Medikamenten-Cocktail gemischt. Diese Argumente nahm das Bezirksgericht Winterthur auf. Angesichts der gleichbleibenden Dosis lasse sich, anders als von der Staatsanwältin vorgebracht, kein direkter Vorsatz beweisen. Hätte der Angeklagte den Tod des Neugeborenen direkt gewollt, hätte er in der Tat andere Möglichkeiten gehabt. "Den Tod ihres Kindes haben Sie aber in Kauf genommen", hielt der Vorsitzende Richter fest. "Sie konnten ja sehen, was das Medikament auslöste." Deshalb sei Eventual-Vorsatz gegeben. "Zwischen Leben und Tod" Für das Gericht war klar, dass sich der Säugling mehrmals in einem akut lebensbedrohlichen Zustand befunden hatte. Es stützte sich dabei auf zwei forensische Fachärzte, die sowohl in zwei Gutachten als auch vor Gericht dies bestätigt hatten. Die Verteidigung hatte deren Erkenntnisse angezweifelt. Für das Gericht waren die Ausführungen der Fachärzte aber schlüssig; es geht klar davon aus, dass angesichts der verschiedenen Symptome, die von komatösen Zustand über schlaffen Muskeltonus bis zu Apathie reichten, klar von aktuer Lebensgefahr aus. "Es gibt keinen Zweifel, dass das Kind nicht bloss sediert war und tief und gut schlief, sondern sich in einem Zustand zwischen Leben und Tod befand." Dass das Neugeborene gleich vier verschiedene Versuche überlebt habe, "zeigt nicht, dass das das Medikament ungefährlich war", hielt der Richter fest. "Das zeigt nur, welches Glück das Kind hatte."

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