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Globi ist brav geworden und bereist China

Im neusten Globi-Band reist der Vogelmensch ins alte China. Autor Jürg Lendenmann erzählt, was er mit China am Hut hat, warum es ihn nicht stört, dass ihn keiner kennt, und wie sich Globis Charakter im Lauf der Jahre verändert hat.

Globi wurde in den 1930er-Jahren erfunden. Passen die Figur und ihre in Versform erzählten Abenteuer noch in unsere Zeit? Jürg Lendenmann: Globi hat sich gewandelt – er musste sich wandeln. Früher hat Globi noch Panther geschossen und wurde auch mal handgreiflich. Das darf er heute nicht mehr. Auch das Rauchen hat er aufgegeben. Die Pfeife, die Globi in «Wie Globi Bauer wurde» aus dem Jahre 1941 rauchte, wurde später wegretouchiert. Globi soll ein Vorbild sein für die Kinder. Er darf Streiche spielen – aber keine zu groben. Globi ist im Vergleich zu früher viel braver geworden. Wer ist dieser Globi eigentlich? Globi ist pfiffig, erfinderisch, listig, hilfsbereit – aber manchmal macht er etwas falsch. Ist Globi ein Kind? Ich sehe ihn als Jugendlichen zwi­schen 14 und 16, der ­anfängt, sich auszutoben. Im Band, der gerade erschienen ist, reist Globi ins «Reich der Mitte» – waren Sie schon einmal in China? Ja, ich bin schon mehrmals nach China gereist. Die Idee für die Geschichte kam aber nicht von mir, sondern von der Verlagsleiterin Gisela Klinkenberg und dem Illustrator Daniel Frick. Es werden laufend Themen, die für Kinder spannend sein könnten und die gut zu Globi passen, gesammelt. China war schon länger im Rennen. Manche Ideen werden auch von aussen an den Verlag herangetragen. Viele Institutionen wie der Flughafen oder das Fernsehen wollen mit Globi zusammen arbeiten. Es ist meistens so, dass die Zeichner die Globi-Geschichten entwickeln und ich anschliessend die Verse dazu verfasse. Da ich über viel Wissen über China ver­füge, habe ich Dani Frick Unter­lagen zukommen lassen und ihm gesagt, was meiner Meinung nach in ein Globi-Buch über China gehört. Was haben Sie dem Zeichner geraten? Ich habe ihm zum Beispiel ein Büchlein mit altchinesischen Lehrgeschichten geschickt. Diese sind vergleichbar mit europäischen Sagen, Märchen und Fabeln. Sie sagen viel über die Mentalität der Chinesen aus. In «Globi im alten China» kommen sieben dieser Lehrgeschichten vor. Woher haben Sie selbst das Wissen über China? Den ersten Chinesen habe ich als Kantonsschüler kennen gelernt. Meine Schule rief damals dazu auf, einen ausländischen Stu­denten nach Hause zu nehmen, damit dieser Weihnachten in einer Schweizer Familie feiern konnte. Zu uns kam ein Chi­nese, und dar­aus entstand eine enge Freundschaft. Meine Frau und ich haben auch etwas Chinesisch gelernt. Mich interessiert vor allem die chinesische Philosophie. Im aktuellen Globi gibt es viele Fuss­noten mit interessanten Erläu­terungen – doch dadurch wird die Geschichte nicht gerade vorlesefreundlich. Dazu gibt es zwei Meinungen: ­ Die einen finden, man müsse ­alles mög­lichst gut erklären, damit ­Eltern, die nicht im Thema drin sind, wissen, worum es geht. Andere würden sie lieber weglassen. Doch die Fussnoten sind nur eine Beigabe, die Geschichte ist auch ohne sie verständlich. Ist es Ihr Ziel, den Kindern Wissen über China zu vermitteln? Ja, ich möchte den Kindern immer etwas mitgeben. Es ist allerdings schwierig für mich als Autor, zu entscheiden, für wen ich die Verse schreibe. Eigentlich schreibt man diese nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern, die diese lesen und die Geschichte meistens nacherzählen. Zu banal dürfen die Verse nicht sein. Worin liegt für Sie als Autor der Reiz an der Versform? Verse haben viel mit Musik zu tun. Die Vorgabe, immer im Rhyth­mus bleiben zu müssen, reizt mich. Es ist wie das Lösen eines Rätsels – jeder Vers muss aufgehen. Sie machen ja auch Musik. Ja, ich spiele Klavier in einer ­Jazzformation. Wenn man nicht musika­lisch ist, hat man vermutlich Schwierigkeiten mit der Versform. Was sind für Sie als Verseschmied die Knacknüsse? Es sind zwei Extreme: Inhalte, die sehr dicht sind, auf wenig Platz unterzubringen, oder umge­kehrt, Bil­der zu vertexten, auf denen nicht viel passiert. In «Globi im alten China» fährt Globi ein­mal auf zwei Halbbildern mit dem Fahr­rad den Berg hinauf, das ist alles. Die grösste Knacknuss ­ im aktuellen Band war aber die Geschichte der gross­mäuligen Schild­kröte. Dies ist eine Lehr­geschichte, in der es um eine Schildkröte geht, die fliegen kann, weil sie sich mit dem Mund an einem Stock festhält, der von zwei fliegenden Enten gehalten wird. Doch die grossmäulige Schildkröte kann den Mund nicht halten und stürzt ab. Diese Geschichte kommt als ­«Geschichte in der Geschichte» mit nur zwei Bildern auf einer Seite vor, und ich musste den ­Inhalt in acht Verszeilen pressen. Sind die Bilder fix, oder können Sie diese ändern, wenn es ­Ihnen schwerfällt, entsprechende Verse zu finden? Kleine Änderungen kann ich ­ dem Zeichner vorschlagen. Wenn es für die Verse zum Beispiel ­ gut wäre, dass auf dem Bild ein bestimm­ter Gegenstand zu sehen ist, dann ergänzt der Zeichner das Bild. Wie ist es möglich, dass die Globi-Geschichten aus einem Guss kommen, obwohl sie von verschiedenen Autoren verfasst werden? Wir Autoren treten hinter die ­Figur. Globi steht im Zen­trum, und die Kinder merken vermutlich nicht, wer die Zeichnungen gezeichnet und wer die Verse ­geschrieben hat. Fast jedes Kind kennt Globi, aber niemand kennt Sie. Das spielt keine Rolle. Ich freue mich, wenn Eltern und Kinder Freude an den Büchern haben. Meine Highlights sind von Kindern selbst gezeichnete Globi- Bilder, die ich als Dank erhalte. Seit 2005 sind Sie der offizielle Autor aller neu erscheinenden Globi-Klassiker-Bücher. Ihren ersten Kontakt mit dem Globi-Verlag hatten Sie, nachdem Sie eine eigene Version von «Globi im Schlaraffenland» geschaffen hatten. Wie sind Sie vom Guerilla-Schreiber zum offiziellen Globi-Verseschmied geworden? Ich war schon immer ein Globi-Fan. «Bisch ein Globi», meine eigene Variante von «Globi im Schlaraffenland», hatte ich zwischen 1992 und 1994 aus Spass ­ für meinen Göttibub gedichtet, und ein Freund hat das Büchlein dann dem Verlag geschickt. Offiziell als Globi-Autor beworben habe ich mich aber erst gute zehn Jahre später. Für wie viele Globi-Bücher ­haben Sie seit 2006 die Verse verfasst? Ich habe für drei alte Globi-Klassiker alle Verse neu geschrieben und zehn neue Geschichten getextet. 13 Globi-Bücher in 9 Jahren! Ja. Daneben habe ich die Verse für neun Papa-Moll-Bücher gedichtet, für die ich ebenfalls der offizielle Autor bin. Normalerweise habe ich mindestens sechs Wochen Zeit, um ein Buch zu texten, bei «Globi im alten China» waren es aber nur dreieinhalb Wochen. Das ist nicht viel Zeit. Nein, aber das Drehbuch und die Zeichnungen standen bereits. Ich texte meistens abends nach dem Nacht­essen, und wegen des Zeitdrucks musste ich halt pro Abend statt einer zwei bis drei Seiten schreiben. Wie gehen Sie da vor? Ich habe keine Strategie. Ich setze mich hin, und es kommt einfach ein Vers nach dem anderen.

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