Zum Hauptinhalt springen

Glocken läuten zum grossen Jubiläum

Die Reformierte Kirchgemeinde Berg am Irchel richtet für ihr Geläut ein grosses Fest aus.

Sie heisst «Silberglocke», obwohl keine Spur Edelmetall darin steckt. Aber der Volksmund hat sie auf diesen Namen getauft, weil sie einen hellen, leicht scherbelnden Ton hat. Gegossen wurde sie vor allem aus Zinn und etwas Kupfer. Und dies vor genau 500 Jahren, wie die eingegossene Jahreszahl belegt. Die kleinste der fünf Glocken im Kirchturm von Berg am Irchel steht daher im Zen­trum des Fests, das am nächsten Samstag und Sonntag stattfindet und «Gloggefäscht» heisst. Es ist eigentlich die Erweiterung eines traditionellen Anlasses, den die Kirchgemeinde immer am letzten Ferienwochenende veranstaltet; nur steht es diesmal ganz im Zeichen der Glocken. Es gibt einen Gottesdienst, Festbeiz, Tonbildschau, Konzerte, Führungen im Kirchturm und ein «Glockenspiel»: ein halbstündiges Laientheater, das von Episoden aus der Geschichte des Geläuts handelt. Zum Beispiel diese: Im 19. Jahrhundert verlässt der verarmte Johannes Baur Berg am Irchel, um sein Glück in der Stadt Zürich zu suchen. Seine Frau ist tot; er zieht mit seinen Söhnen, Töchtern und einer Ziege dorthin. In der Stadt gründet er ein Baugeschäft – und macht ein Vermögen. 1892 schenkt er Berg am Irchel einen neuen Glockenstuhl samt Geläut aus der Zürcher Giesserei Jakob Keller: vier Glocken im D-Dur-Akkord gestimmt. Weshalb er das tat, ist heute unklar. Aber das Geläut schlägt immer noch die Stunde. Deshalb ist das Fest auch ihm gewidmet, und insgesamt werden 620 Jahre Bergemer Glocken gefeiert. Eine Einladung hat auch ein Nachfahre von Baur erhalten, der heute in Küsnacht lebt. «Wir sind gespannt, ob er kommt», sagt Kirchgemeindepräsident Emil Fehr. Geläut mit Medienpräsenz Das Glockengeläut ist nicht nur für die Bergemer hörbar. Hie und da läuft es samstags auf DRS 1, und vor Kurzem hat ein Thurgauer Glockenfan einen Youtube-Clip gedreht. Die kleine Silberglocke aber bimmelt seit den Siebzigerjahren nicht mehr. Ihr Cis töne schräg, heisst es. Doch die Kirchgemeinde möchte sie jetzt zu besonderen Anlässen wieder in Betrieb nehmen, sagt Pfarrer Hans Peter Werren. Immer am 31. Dezember und am 1. August soll künftig jemand in die Glockenstube steigen und für Minuten vor dem grossen Geläut am Riemen reissen – die Silberglocke lässt sich noch heute nicht mechanisch steuern. (flu)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch