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«Gluschtig» auf weitere Cuperfolge

Der FC Köniz ist wohl der interessanteste Verein der 1. Liga Classic. Heute spielt er in den Sechzehntelfinals des Cups auf dem heimischen Liebefeld gegen den FCW.

Der FC Köniz ist erstmals in der Fussballgeschichte Gegner des FCW. Manche werden denken, die Winterthurer hätten sich dafür in einen Vorort der Bundesstadt zu begeben. Es sind ja auch nicht mal zehn Minuten mit dem Bus vom Berner Hauptbahnhof zum Fussballplatz Liebefeld. Aber Köniz ist eine eigene Stadt, mit knapp 40 000 Einwohnern nach Bern, Biel und Thun die viertgrösste Gemeinde im Kanton. Für den FC Köniz ist der Match eine ganz besondere Sache. Denn noch nie in seiner knapp 80-jährigen Historie stand der Verein in den Cup-Achtelfinals, die heute zu erreichen sind. Und dann ist die Wahrscheinlichkeit, einen Klub aus der Super League zugelost zu erhalten, sehr gross, womöglich gar 100 Prozent: Denn noch sind acht Klubs der Elite im Wettbewerb; sie spielen allesamt gegen einen Unterklassigen; und sie werden einander auch in den Achtelfinals noch nicht zugelost! Prominenz auf dem Feld Natürlich hat sich weit übers Bernbiet hinaus herumgesprochen, dass dieser FC Köniz kein normaler Erstligist, schon gar kein normaler Aufsteiger in die 1. Liga Classic ist («Landbote» vom 18. September). Seit der Selfmade-Geschäftsmann René Lanz, Eigentümer der MLG, eines KMU der Immobilienwirtschaft, vor drei Jahren die Finanzen des Vereins in die Hand nahm, spielen für die Könizer zahlreiche prominente Namen. Es pflegen heutzutage elf Mann auf dem Feld zu stehen, die es zusammen auf über 1000 Super-League-Spiele bringen. Stolz sind sie in Köniz aber auch auf ihre Arbeit im Junioren-Spitzenfussball im Team Bern West. Allein dafür wirft Lanz jährlich 200 000 Franken auf. Wer also eine Mannschaft mit den Innenverteidigern Miguel Portillo und Przemyslaw Madry, den zentralen Mittelfeldspielern Gabriel Urdaneta und Roman Friedli, den Flügelmännern Carlos Varela und Anto Franjic sowie der Sturmspitze Jean-Michel Tchouga aufstellen kann, der rechnet sich selbst gegen einen Challenge-League-Spitzenklub wie den FCW seine Chance aus. Das ist, bei allem Respekt, auch herauszuhören, wenn der Trainer spricht, Bernard Pulver (50). Beispielsweise weist er dar­auf hin, «dass Winterthur in der letzten Runde in Eschenbach nicht besonders gespielt hat». «Gmüetsmoore» auf der Bank Pulver ist neben Lanz die zweite markante Figur in diesem FC Köniz. Die beiden sind Freunde, Pulver sitzt auch in der Geschäftsleitung von Lanz’ MLG. Vor allem aber ist Pulver auch schon 14 Jahre Trainer auf dem Könizer Liebefeld, er hat Lanz zum Verein gebracht. Pulver sei, sagt ein Winterthurer, der es wissen muss, «der Inbegriff des typischen Berners – gemütlich, ein liebenswerter Kollege, ein toller Typ». Oder kurz zusammengefasst: eine «Gmüetsmoore.» Der das sagt, ist Dario Zuffi, einst zu YB-Zeiten Teamkollege des Torhüters Pulver. Die beiden bestritten zusammen gar einen Cupfinal, 1991 gegen den FC Sion, den die Young Boys nach einer 2:0-Führung mit dem (zweiten) Torschützen Zuffi noch 2:3 verloren. Pulver spielte rund 300-mal für die Young Boys. «Nach heutigen Massstäben für die Torhüter», sagt Zuffi, «fehlten ihm ein paar Zentimeter. Aber er war solide, er beging kaum Fehler.» 1988, als Zuffi aus Basel zum FCW zurückkehrte, hörte Pulver bei YB auf und wurde Trainer in Köniz. Zweimal stieg er gar ab, doch noch immer ist er da. Nun in einem Verein, von dem er sagt: «Wir wollen schon rauf und von 1. Liga bis Challenge League sind die Grundlagen vorhanden», also vor allem auch die finanziellen. Aber unter Zeitzwang wollen sie sich nicht setzen. Bis zur Auslosung standen die Könizer als Aufsteiger mit fünf Siegen aus fünf Spielen scheinbar unangefochten an der Spitze der Gruppe 2. Seither aber gab es neben drei Siegen in sieben Matches auch noch drei Unentschieden und eine Niederlage, gegen das «Zwei» des FC Luzern. Also wurde Köniz am Wochenende nach einem 1:1 im Derby gegen Münsingen von Baden nach Punkten eingeholt und nach Toren auf Platz 2 verwiesen. «Wir müssen arbeiten wie alle andern auch», sagt Pulver dazu gelassen, «und uns unterschätzt keiner mehr.» Das gilt auch für den FCW, bei dem sie ja um all die prominenten Namen wissen. Trainer Boro Kuzmanovic hat die Berner gesehen, als sie vor zwei Wochen in Wangen bei Olten nach einem 0:2 noch 3:2 siegten. Da verrieten sie auf schwierigem Gelände auch kämpferische Qualitäten. Das Siegestor in letzter Minute bereitete «Joker» Boze Gudelj für Anto Franjic vor. Die beiden fanden nach längeren Sperren im «Wettskandal» in Köniz Unterschlupf. «Sie haben ihre Strafe abgesessen,» sagt Pulver; also ist für den Verein die Sache erledigt. Der Torhüter und der Präsident Mit 600 bis 700 Zuschauern rechnen die Könizer heute. Der Gast reist in starker Besetzung an, denn auch Daniel Sereinig und Nick von Niederhäusern stehen wieder im Aufgebot. Die drei Siege gegen Tessiner waren so etwas wie eine Kehrtwende, die nun nicht im Cup aufs Spiel gesetzt werden soll. Die letzte Saison, sagt Zuffi, habe einen ja «gluschtig» gemacht. «Fast jeder hat da erlebt, was im Cup möglich ist.» Im Tor steht natürlich Christian Leite, zwei Tage nach seinem Auftritt vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona und am Tag nach seinem 27. Geburtstag. Er ist guten Mutes, am Dienstag endgültig freigesprochen zu werden vom Vorwurf, vor drei Jahren an einer Spielmanipulation beteiligt gewesen zu sein und dafür 5000 Franken eingesteckt zu haben. Neue Erkenntnisse oder gar Beweise hätten sich, sagt er, am Donnerstag jedenfalls nicht ergeben. Zum Vereinsleben des FCW gehört zurzeit aber auch dies: Von Präsident Hannes W. Keller ist zu hören, sein Zustand nach der schweren Operation nach einem Aortaeinriss sei weiterhin stabil. Der Genesungsprozess schreitet voran, braucht aber Zeit. Natürlich stehe deswegen das «operative Geschäft des Vereins nicht still,» sagt Sohn Mike Keller. Als Co-Vizepräsident des Vereinsvorstands und Verwaltungsrats ist er ein Garant dafür. (hjs)

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