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Grenzenlose Freiheit bleibt nur ein Traum

Mit viel Herzblut bauen Silvia Isgrò und Robert Tolsma einen nichtkommerziellen Countrymusikclub auf. Noch beschäftigen sie Gemeindeauflagen mehr als das Konzertprogramm. Mitreissende Livemusik erklingt aber schon.

Eine Bühne, eine Verstärkeranlage, Stühle für 70 Zuschauer, eine Bar – alles scheint im Clubraum des Woodstock auf den nächsten Künstler zu warten. Auch Robert Tolsma und seine Partnerin Silvia Isgrò. Und am kommenden Samstag ist es so weit, dass die Coun­tryband Cesar & Go West den Turbenthalern einheizt. «Cesar habe ich bereits vor 20 Jahren gehört», erzählt Tolsma. Aufgrund dieser langjährigen Verbundenheit sei es überhaupt möglich gewesen, die Gruppe in die kleine und neue Location im Herzen des Dorfs zu holen. Das Konzert ist der zweite Act des soeben gegründeten Vereins Woodstock. Neun Engagements hat der Veranstalter bis 2016 bereits gebucht.

Ein alternatives Woodstock

Die Begeisterung für die Sache steht «dem Verein», er besteht nämlich nur aus Tolsma und Isgrò, ins Gesicht geschrieben – die Sorgen aber auch. «Wir haben es etwas unterschätzt», sagt der 41-Jährige diplomatisch, «wenn wir gewusst hätten, wie kompliziert sich die Auflagen der Gemeinde gestalten, hätten wir das Projekt wahrscheinlich nicht ins Leben gerufen.»Geradezu naiv habe er gedacht, das Lager seiner neuen Geschäftsräume sei doch ideal, um seinen lang gehegten Traum zu verwirklichen. Dass er für jedes Konzert eine Einzelbewilligung bei der Gemeinde einholen muss, akzeptiert er. Doch inzwischen ist sein ganzer Geschäftsbetrieb, der Vertrieb von Holzpellets, um Monate zurückgeworfen. «Als die Sache ins Rollen kam, wurden auch die Auflagen für die Pelletproduktion hinterfragt», sagt Tolsma. Von diesem Holzlager ist auch der augenzwinkernde Name Woodstock für die Location abgeleitet. Kiffen wolle er hier nicht. Er investiert in seine Leidenschaft, was seine Firma Tolsma Transporte an Gewinn abgeworfen hat.Die Affinität zur Countryszene kommt von Tolsmas ursprünglicher Tätigkeit. Er ist Chauffeur, oder eben Trucker, mit Leib und Seele. Da liegt die Countrymusik nahe. «Sie erzählt Geschichten aus dem Leben», meint er. «Es ist ein Lebensgefühl von Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung.»

Stars ins Tösstal holen

Eines Tages möchte er die Sängerin Michelle Shocked ins Tösstal holen. «Sie ist Menschen- und Umweltrechtlerin», schwärmt er, «es sollen Leute hier auftreten, die etwas zu sagen haben.» Schon die erste Veranstaltung im November mit Roger & The Wild Horses füllte den Raum mit Leichtigkeit. Rund achtzig Zuhörer, die meisten aus dem Ort, erschienen mit Kind und Kegel. «Sie fanden es lässig und schätzen es, für ein Konzert nicht ins Auto steigen zu müssen.» Auch habe es schon viele Nachfragen gegeben, den Raum für Workshops oder einen Frauentreff zu nutzen. Sie mussten ablehnen, da sie keine permanente Veranstaltungsbewilligung haben.Während er die Konzerte organisiert und Freundschaftspreise für die Auftritte aushandelt, unterstützt ihn Silvia Isgrò bei der Organisation und der liebevollen Dekoration mit Vintage-Objekten wie Kronleuchter, apfelgrünen Lampions und alten Autoschildern. Es fällt auf, dass auf dem Barregal zwar viele Teesorten stehen, jedoch keine einzige Whiskeyflaschen. «Zu oft habe ich erleben müssen, dass die Leute auf Konzerten den Musikern betrunken den Rücken zudrehen», erklärt Tolsma. Ein Bier einer regionalen Kleinbrauerei bietet er trotzdem an.Ironie an der Geschichte ist, dass sie in zwei bis drei Jahren ohnehin mit dem Abriss der Anlage, die den neuen Besitzern der Buchdruckerei Turbenthal gehört, rechnen. «Things I Do Be­fore I Die» steht auf einer grossen Tafel, die die Gäste einlädt, aufzuschreiben, was sie bis zu ihrem Tod erlebt haben wollen. Robert Tolsma hat seinen Lebenstraum schon wahr gemacht.

Konzerte im Woodstock

Cesar & Go West (Österreich), Samstag, 13. Dezember, 19.45 Uhr.Roger J. Dobson (Singer-Songwriter aus Texas), Samstag, 24. Januar, 19.45 Uhr. Eintritt: 25 Franken. Tösstalstrasse 74, Turbenthal.

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