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Griechenland einmal anders

Wer an Ferien in Griechenland denkt, denkt meistens an seine Inseln. Auf dem Peloponnes offenbart sich das Land aber um einiges authentischer. Das zeigt eine grössere Rundtour im Auto und mit Fahrrädern.

Andreas, der Kanadier, sitzt mit uns in der Taverne der Sieben Brüder. Er ist als junger Mann über den Ozean ausgewandert, weil es hier in Halikla bei Kotronas, an der steilen Ostküste der Mani-Halbinsel, nichts zu tun gab. In der Grossstadt Toronto fand er schliesslich seine neue Heimat. Jetzt fliegt er jeden Sommer für einen Monat in die alte zurück. Andreas beteiligt sich an unserem Bier, weil es nur Halbliterflaschen gibt. Der Heimwehgrieche hat eine dreigeteilte Philosophie: Smile (lachen), talk (reden) and dance (tanzen)! Wir fragen ihn, zu welcher Musik er denn am Morgen jeweils tanze. «Die Musik ist in meinem Kopf. Sie kommt von selbst, ich tanze nach ihr», sagt der 69-Jährige grinsend. Ob er später wieder hierhin zurückkehre, wollen wir schliesslich wissen. «Das kommt nicht in Frage, alle meine guten Menschen sind drüben.» Am Abend verziehen wir uns ins Zimmer, das gleich neben der Taverne liegt und nur zehn Meter vom Sandstrand entfernt ist. Die Wellen werden uns die ganze Nacht im Schlaf wiegen. Wenn wir Lust haben, bleiben wir noch eine weitere Nacht, vielleicht aber auch zwei. Vorbuchungen auf unserer Tour durch den Peloponnes belasten den Terminkalender. Wir nehmen diese Septembertage, wie sie kommen. Tiefpreise im Spätsommer Die Hotels auf dem ganzen Peloponnes sind spärlich ausgelastet und sie sind günstig. Im Schnitt zahlen wir 30 Euro für das Doppelzimmer mit Bad. So können wir von Fall zu Fall entscheiden, was passt. Oder auch mal eine Einladung annehmen, wie jene des englischen Rentnerpaares Richard und Vicky in ihre Villa hoch über Stoupa, wo wir eine legendäre Nacht inmitten von Käuzchenrufen verbrachten. Diese Einladung erhielten wir, weil wir den beiden in einer Bar mit Euromünzen ausgeholfen hatten und sie sich revanchieren wollten. Auf dem Dorfplatz in Kardamili fällt uns auf, wie energisch die Einheimischen miteinander diskutieren. Da geht es schon mal laut zu und her und es wird gestikuliert bis spät in die Nacht hinein. Die Frauen vor den Boutiquen – zum Teil mit Stricknadeln ausgerüstet – stehen den Männern in nichts nach. Gröbere Gefechte oder gar Handgreiflichkeiten sind tabu. Die Einheimischen sind offen ge­gen­über Fremden, vorausgesetzt es gibt keine Sprachpro­bleme. Weil wir kein Griechisch sprechen, muss mindestens einer der Ansprechpartner eine Fremdsprache beherrschen. So erfahren wir vom Hotelier des «Epidaurus» in Nafplio, wie schwierig es für ihn und seinen Bruder ist, das in die Jahre gekommene Eta­blis­se­ment ihres Vaters weiterzuführen. 45 Prozent des Umsatzes gehe direkt an den Staat, so bleibe nichts, um die Zimmer zu renovieren, was längst nötig wäre. Eine Vermieterin von Studios in Kardamili, wo wir wegen des aufmerksamen Service vier Nächte bleiben, hat nur zwei von sechs Suiten belegt. Die Saison sei wieder schlecht gelaufen, sagt sie. Ihr Ehemann müsse in Nürnberg im Anzeigengeschäft dazuverdienen, um die Familie durchzubringen, die in der Nähe von Athen lebt. Mobil in den Gässchen Die Suche nach den Betten für die Nacht gestaltet sich in den verschiedenen Küstenstädtchen immer etwa gleich. Nicht von ungefähr haben wir unser Auto in der Schweiz mit einem niedrigen Fahrradträger ausgerüstet. So peilen wir im nächsten Städtchen am Meer zuerst einmal den Hafen an und nehmen unsere beiden Fahrräder her­un­ter, um gemächlich den Ort zu erkunden. Bestimmt findet sich bald eine beschauliche, ruhig gelegene Pension, wo wir provisorisch ein Zimmer reservieren. Je nach Parkmöglichkeiten holen wir den Wagen nach oder lassen ihn auch mal am Hafen stehen. Für die kleinen Ausflüge ab Hotel oder Pension zur Beach, hinauf zum Kloster in Koroni oder in den Pinienwald von Kalogria sind die Velos Gold wert, zumal die Temperaturen hier unten auch im Herbst ganz schön hoch sind. Dann ist eine Velofahrt in der Meeresbrise ein Geschenk. Für die Berechnung des Fahrpreises der Autofähre von Italien nach Griechenland spielen die beiden Velos keine grosse Rolle. Der Wagenlänge gilt es beim Einchecken einen halben Meter zuzuschlagen, das ist schon alles. Nach insgesamt fünf Wochen – von zu Hause, inklusive Fährenüberfahrten – haben wir die Küsten des Peloponnes mit den zwei südwestlichen «Fingern» abgeklopft (siehe Karte), dazu historische Sites wie Olympia, Messeni und Epidaurus gesehen, viele Bekanntschaften geschlossen und fast durchwegs gut und fantasievoll gegessen. Liebe Griechen, oder besser: liebe Peloponnes-Griechen, wir kommen wieder! Wenn bis dann noch die eine oder andere Strassentafel und die eine oder andere Informationstafel bei den historischen Stätten mit den uns bekannten Buchstaben bestückt ist, umso besser.

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