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Grösse und Glamour

Peter Stutz, der erfolgreichste Winterthurer Architekt seiner Generation, feiert heute seinen 80. Geburtstag. Ein Kurzporträt.

Als Peter Stutz jüngst in einer Runde erzählte, wie ihn das Tagebuch eines in den USA lebenden Auswanderers fasziniere, war klar, dass es nicht allein das Abenteuer war, sondern auch die Grösse dieses Kontinents, die ihn beeindruckten. Der grosse Massstab ist denn auch das Kennzeichen seiner Bauten, denen man im Zen­trum von Winterthur auf Schritt und Tritt begegnet: das Warenhaus Coop City (Manor), die verschiedenen Verwaltungsbauten für die (damaligen) Winterthur Versicherungen, die Suva und Sulzer.

Grösse war eine Herausforderung, die ihn reizte und für die sein perfekt organisiertes Büro (ab 1985 Stutz + Bolt) an der Seidenstrasse eine renommierte Adresse war. Davon zeugen die Grossbauten in Luzern, Zürich, Schaffhausen und Frauenfeld – Schulen, Parkhäuser oder Bürogebäude – die meisten Wettbewerbserfolge. Nach seinem Lieblingsprojekt gefragt, wurde Stutz leicht nachdenklich: «Das Staatsarchiv in Kombination mit Wohnungen auf dem Herrenacker in Schaffhausen. Aber dieser 1. Preis, einer von vielen, wurde leider nie ausgeführt.» Zu seinem Anekdotenschatz gehören die vielen Reisen, die Zeit im Vorstand des Kunstvereins und als Oberst bei den Genietruppen.

Ein oppositioneller Geist

Stutz, Mitglied des Bunds Schweizer Architekten und zweifellos der erfolgreichste Architekt Winterthurs in den 80er- und 90er-Jahren, machte zuerst eine Hochbauzeichnerlehre, bevor er das Technikum Winterthur und anschliessend die ETH Zürich absolvierte. Im Kern waren seine Persönlichkeit und Ausstrahlung schon früh angelegt, auch die Lust an der Selbstbehauptung und Opposition. Als er sich beim bekannten Büro Kellermüller für eine Lehrstelle bewarb und Zeuge wurde, wie der Bürochef von der Sekretärin wegen eines Bleistiftes zusammengestaucht wurde, weigerte sich der junge Bursche zum Entsetzen der Eltern, dort je einen Bleistift in die Hände zu nehmen.

Sein oppositioneller Geist macht sich dann bemerkbar, wenn er das Gefühl hat, die Dinge nähmen einen schlechten Lauf. Als vor rund 20 Jahren bekannt wurde, dass dem Museum Oskar Reinhart im Zuge der Sanierung das verglaste Dach genommen werden sollte, protestierte er (zusammen mit dem Architekten Arnold Amsler) in Leserbriefen gegen die Zerstörung dieser charakteristischen «Laterne». Umsonst. Und als die Firma Sulzer die Fachwelt in den 90er-Jahren mit dem Projekt «Winti Nova» schockierte, gehörte er zu den Initianten der legendären «Werkstattgespräche in der Kultursagi» des Schweizerischen Architektenvereins.

Ein gewisser Glamour umgibt diesen stets tadellos gekleideten Herrn im blau gestreiften Hemd, zu dessen Auftritten immer auch ein Maserati gehörte. Charme und Schalk blicken aus seinen hellen Augen im gebräunten Gesicht. Den Grossen der Industrie und der Versicherungen begegnete er auf Augenhöhe und konnte sie überzeugen, mal ganz grosse Kunst einzukaufen wie die (leider zerbrochene) Marmorskulptur von Max Bill, das Sol-LeWitt-Wandgemälde (Suva) und die John-Chamberlain-Skulpturen (Axa). Kein anderer Winterthurer Architekt hat sich aber auch so stark gemacht für die regionale Künstlerschaft, wenn es um die Kunst am Bau in seinen Gebäuden ging.

Das Bauen kann er nicht lassen, wie sein jüngster Bau, eine blaugrüne Box hinter einer Rittmeyer + Furrer-Villa, zeigt. Einzig die Dimensionen sind kleiner geworden. Heute feiert Peter Stutz seinen 80. Geburtstag auf einer Alp im Engadin.

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