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Grosser Bahnhof für eine «Haltestelle»

Nach 25 Jahren und 25 Millionen Franken ist der neue Bahnhof Mar­tha­len realisiert. Am kommenden Montag halten dort die ersten Züge der Linien S33 und S11.

Wer zurzeit vom Dorf Mar­tha­len hinauf zum Bahnhof fährt, stösst bei der Verzweigung Ruedelfingerstrass/Stationsstrass gleich auf zwei Wegweiser mit der Aufschrift «Bahnhof». Derjenige, der nach links weist, ist unten an der Metallstange angelehnt. Der obere zeigt nach rechts und ist bis auf das «f» mit Plastik umhüllt. Am nächsten Montagmorgen um 5.30 Uhr in der Früh wird der untere Wegweiser verschwunden und der obere enthüllt sein. Dann werden die ersten Züge der S-Bahn-Linien S33 und S11 im neuen Bahnhof Mar­tha­len anhalten. Er liegt rund 450 Meter näher Richtung Andelfingen und näher beim Dorfkern. Bis zu 3200 Personen pro Tag nutzen den Verkehrsknoten Mar­tha­len, was rund einem Drittel der Weinländer Bevölkerung entspricht. An der gestrigen Einweihung war auch Regierungsrat und Verkehrsminister Ernst Stocker anwesend. Beim alten Bahnhof gab es teils brenzlige Si­tua­tio­nen Der Kanton liess den Bahnhof im Rahmen der 4. Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn für rund 25 Millionen Franken erstellen, neues Stellwerk inklusive. Rund drei Millionen Franken steuern die Gemeinden Mar­tha­len, Rheinau, Trüllikon, Benken, Kleinandelfingen, Laufen-Uhwiesen und Feuerthalen bei. Dank der 220 Meter langen Perrons können auch die längeren Doppelstockzüge mit mehr Sitzplätzen ab Dezember 2018 in Mar­tha­len einfahren – aus Platzgründen wäre dies am alten Standort kaum realisierbar gewesen. Ab dann wird neu die S12 von Schaffhausen dort haltmachen. Damit erhält das Weinland eine direkte Verbindung nach Zürich-Stadelhofen über Zürich-Hauptbahnhof bis nach Brugg. Der Zugang zu den Perrons und in die Züge ist künftig ohne Stufen und Überquerung der Schienen möglich. Beim alten Bahnhof kam es manchmal zu brenzligen Si­tua­tio­nen, wenn vereinzelte Passagiere das erste Gleis überschritten, bevor überhaupt sicher war, dass der Zug tatsächlich auf dem zweiten Gleis einfahren würde. Gemeindepräsidentin fordert den Halt eines Schnellzuges Der neue Bahnhof verfügt über eine Posthaltestelle, WC-Anlagen, Billettautomaten sowie über einen Selecta-, Foto- und Geldautomaten. Es gibt eine Park-+-Rail-Anlage mit 120 Autoparkplätzen, Motorroller- und Veloabstellplätze sowie eine Stromtanksäule für Elektroautos. Betrieben wird diese durch die Mar­tha­ler Genossenschaft Genosol Martella, die erneuerbare Ener­gie­systeme fördert. Das alte Bahnhofgebäude bleibt vorderhand stehen, ganz gewiss der denkmalgeschützte Güterschuppen daneben.«Was lange währt, wird endlich gut», sagte Mar­tha­lens Gemeindepräsidentin Barbara Nägeli. Doch alles findet sie nicht gut. So fordert sie, dass ein Schnellzug wie die S16 künftig auch in Mar­tha­len haltmacht. Zufrieden, weil die Zürcher «ja zwinglianisch sind» Mehr Haltestelle als Bahnhof – das finden einige Leute in Mar­tha­len und Umgebung. «Die Zürcher sind ja zwinglianisch und somit auch mit einer Haltestelle zufrieden», sagte Stocker scherzhaft. Laut SBB-Sprecherin Lea Meyer ist ein Kiosk vorderhand vom Tisch. Dies, weil die Valora-Gruppe kein Interesse am Standort habe. Wenn sich sonstige Anbieter interessieren, könnte der nötige Platz zur Verfügung gestellt werden. Doch die SBB würden nicht auf Vorrat bauen, sagte Meyer. Stocker sagte, dass es auch hier lange gedauert habe vom Entscheid bis zur Fertigstellung – volle 25 Jahre. Er habe das Privileg, mit dem Herzstück der Durchmesserlinie, dem Bahnhof Löwenstrasse, in einem Jahr gleich zwei neue Bahnhöfe zu eröffnen. Es sei wichtig, dass es auch in der Region sichere Verbindungen und rasche Umsteigezeiten gebe, «nicht nur im Zen­trum». Zudem sei der neue Bahnhof behindertengerecht. In der letzten Zeit wurde allerdings auch Kritik laut, dass die beiden Rampen hoch zu den Perrons für Rollstuhlfahrer zu steil seien, auch wenn sie den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Ob die Passagiere aus lauter Gewohnheit beim alten Bahnhof warten oder der Lokführer am falschen Ort anhält, zeigt sich am Montag.

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