Winterthur

Grüsse aus Winterthur – auf alten Postkarten

Die am Bahnhofkiosk verkauften ­Stadtansichten haben zum Teil fast schon historischen Wert. Was Nostalgiker freut, will der Hersteller nun ändern.

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Natürlich gibt es auch moderne Ansichtskarten von Winterthur. Solche aus dem Fotoarchiv ­Wintipix zum Beispiel finden wir im Drehgestell der Papeterie Wachter am Hauptbahnhof.

Doch dann sind da auch die klassischen Grusspostkarten, wie sie vor allem an den Bahnhofkiosken angeboten werden. Prädikat: ziemlich in die Jahre gekommen.

«Wir freuen uns, wenn Winterthur als grüne Stadt ­dargestellt wird, als Kulturstadt und natürlich schon auch als ­moderne Stadt.»

Herausgegeben werden sie vom Branchenführer Photoglob mit Sitz in Hägendorf bei Olten. Die älteste Karte, «Grüezi Winterthur» (oben in der Mitte), stamme von 1993, sagt Verlagsleiter Gion Schneller, andere von 2003 oder 2005. «Obwohl es in Winterthur nicht so viele Touristen gibt, ­wurden die Karten grösstenteils nachgedruckt. Das zeigt, dass sie sich nicht so schlecht verkaufen.»

Bislang druckte Photoglob Auf­lagen von jeweils 3000 Exemplaren, nun fährt man auf 500 Stück herunter, um flexibler zu werden.

Von der Tourismusförderung kommt keine Kritik. Es gebe ­insgesamt ein sehr vielfältiges An­gebot, meint der Geschäfts­leiter des House of Winterthur, Michael Domeisen. «Grund­sätzlich freuen wir uns, wenn Winterthur als grüne Stadt ­dargestellt wird, als Kulturstadt und natürlich schon auch als ­moderne Stadt.»

Kein Pilzdach, dafür Jelmoli und Palmen am Neumarkt

Die älteren Karten ziehen die Blicke gerade auch ortskundiger Personen auf sich. Mehrfach sind noch die wein­roten Dächer am Busbahnhof abgebildet – sie wurden 2012 durch das neue Pilzdach ersetzt. Die Ansicht der Marktgasse zeigt den alten Jelmoli (heute: C & A), vis-à-vis das Mövenpick-Restaurant (heute: Pizzeria Molino).

Am Graben sieht man das frühere Lebensmittel­geschäft Naef (heute: Restaurant Tibits), am Neumarkt steht noch das 2012 abgebrannte Haus, das auf der Fotografie den Schriftzug des Clubs Shooters trägt, der seinerzeit mit Fünf­liber-Abenden die Teenies anlockte (später: Steakhouse Wilson, heute: Ocean Five). Der Neumarkt selbst wird von Palmen gesäumt – bei der Umgestaltung 2003 wurden ­Platanen gepflanzt.

Interessant sind auch die abgebildeten Busse. Laut dem Sprecher von Stadtbus wurden die ältesten von ihnen 1965 gebaut und in den 1990er-Jahren ausgemustert. Tiefstlokalisiert, wie man in der Branche sagt, ist die Ansichtskarte von Wülflingen; auf ihr sind mittlerweile abgerissene Häuser am Brühlberg zu sehen. Auch von Seen werden solche Karten gedruckt, für den Verkauf durch die ­lokalen Grossverteiler.

Schnell im Rückstand bei 15 000 Motiven

Photoglob hat 15 000 Karten mit Sujets aus der ganzen Schweiz im Programm. «Selbst wenn wir alle laufend aktualisieren, kann es schnell zu einem Rückstau kommen», sagt der Verlagsleiter.

Den Handlungsbedarf bei sich schnell entwickelnden Städten wie ­Winterthur hat man erkannt. Neue Karten mit aktuellen Mo­tiven sind teilweise schon auf dem Markt, weitere werden vorbereitet – dabei ist die Mithilfe der «Landbote»-Leserschaft gefragt (siehe Kasten).

«Es überrascht uns teilweise, welche Karten die Leute auswählen.»

Auch die alten Karten haben derweil durchaus ihre Fans. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten – Photoglob-Chef Schneller sagt es so: «Es überrascht uns teilweise, welche Karten die Leute auswählen.» Auch Tourismus­förderer Dom­eisen meint: «Alt ist nicht per se schlecht. Vielfach kommen ge­rade die alten Karten gut an.»

Tendenziell verabschieden sich aber die Hersteller von den mehrteiligen Karten mit vier, fünf und mehr Bildern, wie Schneller ausführt. «Wir möchten karten­füllende, besondere Aufnahmen, wie man sie nicht selber mit dem Mobiltelefon machen kann», beschreibt er die Zielvorgaben.

Ungewohnt und doch leicht zu erkennen

Für ein gutes Postkartenbild brauche es zweierlei: ein leicht erkennbares Motiv aus dem Ortsbild (man soll sofort merken, woher die Karte stammt), verbunden mit etwas Besonderem, zum Beispiel einer ungewohnten Perspektive oder einer schönen Stimmung.

Zwar leidet im Handy­zeitalter der Markt und an den Kiosken verdrängen Esswaren mit hohen Gewinnmargen die Drehgestelle, doch tot ist die Ansichtskarte noch lange nicht. Der Verlags­leiter dazu: «Wer eine Postkarte schickt, zeigt, dass ihm der Gruss etwas mehr wert ist als zehn Sekunden und fünf Fingerbewegungen.»

(Der Landbote)

Erstellt: 27.04.2018, 16:03 Uhr

Leserwettbewerb

Neue Ansichtskarten, mit ihrem Bild

Haben Sie eine besonders schöne Aufnahme gemacht, die Sie gerne als Ansichtskarte am Kiosk sehen würden?

Senden Sie Ihr bestes Bild bis zum 31. Mai an bildredaktion@landbote.ch, mit dem Vermerk «Postkarte» (Mindestgrösse: 2 MB/300 dpi).

Aus allen Einsendungen wird eine Jury die fünf bis zehn besten Aufnahmen auswählen, die von Photoglob gedruckt und ver­breitet werden. Die berücksichtigten Fotografen werden auf der Rückseite der Postkarten ­namentlich genannt und er­halten unentgeltlich 200 Exemplare der gedruckten Karten.

Die eingesandten Aufnahmen werden der Photoglob AG kostenfrei und unbeschränkt, aber nicht exklusiv zur Verfügung ­gestellt.

Die Jury besteht aus Nadine Wietlisbach (Fotomuseum), Michael Domeisen (House of Winterthur), Gion Schneller (Photoglob) und Bernd Kruhl («Landbote»-Bildredaktion).

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