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Güselabfuhr gestern und heute: «Es lebe der Fortschritt!»

Der Versuch in Avenches mit dem Ziel, wieder Pferdefuhrwerke für Gemeindearbeiten und Schülertransporte einzusetzen, weckt Erinnerungen. In meiner Kindheit sammelte ein Pferde-Doppelgespann die Hausabfälle ein. Mit einem Glöcklein am Kummet kündete es sich an: Wegen der Gerüche und der guten Ordnung halber schickte es sich nicht, die Körbe, Kessel und andere geeignete Sammelbehälter zu früh an den Strassenrand zu stellen.

Vor jedem Haus kippten die Männer die unsortierten Abfälle in den «Güselwage». Mit einem Schwall unappetitlicher Düfte, der sich erst nach einigen Minuten verflüchtigte, zog das Gespann friedlich durch die Gassen der Altstadt. Diesem Gestank setzte das «System Ochsner» ein radikales Ende: Die Klappdeckel der obligatorischen Ochsner-Kübel hielten schon im Haus die Gerüche zurück. Beim Leeren schob der Deckel mit einer sinnvollen Vorrichtung einen entsprechenden Schiebedeckel am Sammelwagen – jetzt «Chübelwage» genannt – weg und verschloss ihn wieder beim Herunternehmen des Kübels: Die Verbreitung des üblen Kehrichtgeruchs war somit auf das Minimum reduziert. Das waren noch Zeiten!

Heute geht alles modern zu und her: Die leichten, duftfrei verschlossenen Plastiksäcke werden von kraftstrotzenden, immerhin mit Biogas betriebenen Lastwagen abtransportiert. Statt des bescheidenen Glöckleins dröhnen heute in den Gassen die hydraulischen Pressen des Sammelwagens. Diese quetschen das Sammelgut effizient auf kleinstes Volumen zusammen. Dabei platzen natürlich die Säcke und entlassen ihren Modergeschmack in die freie Luft – der Lastwagen zieht wie vor siebzig Jahren die altbekannte Duftfahne hinter sich her … Das nennt sich technischer Fortschritt!

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