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Gut genug für Platz 2

Die Schweiz steht nach drei Runden der EM-Ausscheidung mit einem Minimum an Punkten da. Aber an Qualität muss sie einfach gut genug sein, die Endrunde in Frankreich zu erreichen.

Vladimir Petkovic, der neue Nationalcoach, hat in den beiden Spielen in Slowenien und San Marino «mehr Positives als Negatives gesehen». Negativ, fügt er bei, sei «eigentlich nur die Chancenauswertung gewesen. Denn aus 19 Schüssen in Slowenien und gar 21 in San Marino hätte mehr herausschauen müssen.» Statistischer Fakt ist aber auch, dass die Schweiz nach drei von zehn Runden der Ausscheidung für die EM in Frankreich mit dem absoluten Minimum von drei Punkten dasteht. Die Leistungen allerdings waren besser, vor allem in Slowenien, sodass sich grundsätzlich sagen lässt: Die Schweiz muss in der Tat stark genug sein, in dieser Gruppe Zweiter zu werden – hinter den Engländern, die alles anders als übermächtig erscheinen, aber eben mit den Auswärtssiegen in Basel und Estland schon ein ordentliches Polster geschaffen haben. Die Lage der Schweizer entschärft hat ja, dass sich ihre drei direkten Gegner gegenseitig Punkte abnahmen, dass also keiner vom zumindest zahlenmässigen Fehlstart Petkovics profitierte: Slowenien verlor in Estland, Estland in Litauen, Litauen dann gegen Slowenien. Wenn jemand in diesem Kreis die Nase vorn hat, dann sind es die Slowenen mit ihrem Sieg gegen die Schweiz und der Tatsache, schon zweimal gegen direkte Konkurrenz auswärts gespielt zu haben. Aber zumal an individueller Klasse ist die Schweiz eindeutig höher einzustufen als ihre drei Gegner aus dem Osten. Die Chancenauswertung Wenn Petkovic die Chancenauswertung als negativen Punkt herausstreicht, bleibt er insofern nicht zu oberflächlich, weil es in der Geschichte der Nati noch kaum einen Match gab, den sie so klar beherrschte, den sie auch spielerisch überzeugend bestritt und den sie doch verlor wie diesen in Maribor. Anderseits sind – zumal so offensichtliche – Mängel in der Offensive nicht nur Zeichen für Defizite an Form und Selbstvertrauen wie aktuell im Fall Josip Drmics. Sie lassen auch auf ein Manko an Mentalität schliessen, wie man die zurzeit fehlende Konsequenz selbst von Haris Seferovic, dem zweifachen Torschützen von San Marino, oder Xherdan Shaqiri nennen kann. Das Urteil Petkovics in San Marino war in dieser Beziehung jedenfalls ziemlich hart: «Mit halbem Einsatz schiesst man keine Tore.» Für Petkovic ist aber auch klar, dass sein Dreimannsturm – wenn er denn überhaupt als System zwingend ist – mehr Bewegung, mehr Positionswechsel in sein Wirken bringen muss. Der Trainer ist, anders als andere, ja auch keineswegs der Überzeugung, dass das Zen­trum die Vorzugsposition Shaqiris sein müsse. «Man hat diesen Eindruck einfach wegen der WM», sagt der Coach. Wichtiger sei, «dass die drei ihre Positionen mehr wechseln». Shaqiri könne sich auch mehr zurückfallen lassen. Der Konkurrenzkampf Dass der Nationaltrainer aber auf der Suche ist, sein 4-3-3 zu optimieren, zeigen die Retuschen, die er anbringt. Von England auf Slowenien liess er Shaqiri doch anders – eben zentraler – spielen. In San Marino stand im Mittelfeld erstmals keine «flache Drei», sondern ein Dreieck mit Granit Xhaka als klarem, zurückgestaffeltem «Sechser» zwischen dem Duo Pajtim Kasami und Blerim Dzemaili. Die Leistungen dieser drei hob Petkovic in San Marino individuell hervor. Tags darauf, zurück in Zürich, schob er nach: «Dieses Spiel hat mir Alternativen gezeigt, also Spieler, die nachdrängen, und die andern müssen spüren, das sie ihrer Sache nicht sicher sein können.» Dieser «Konkurrenzkampf ist gut». Wäre San Marino ein Gegner auch nur halbwegs von internationalem Wert, könnte man nun gar sagen, Xhaka habe nachgewiesen, prinzipiell der beste zentrale Defensivspieler zu sein, besser als Captain Gökhan Inler, kompletter auch als der immerhin defensiv jederzeit überzeugende Valon Behrami. Aber man muss halt doch den Einwand anbringen, ein Spiel gegen San Marino tauge für Qualifikationen aller Art zu wenig. Schär neben Djourou So lässt sich danach auch nicht sagen, Steve von Bergen habe sich für seine letzten schwächeren Leistungen rehabilitiert. Dafür wurden er und seine Kollegen in der Abwehr zu wenig gefordert. Wie sollte man nach einem solchen Spiel gar dem Torhüter Yann Sommer eine Note geben, wie es medial manche taten? Petkovic hätte in der Tat Fabian Lustenberger eine erste Chance geben können. Anderseits, was wäre sie wert gewesen in einem solchen Mätschlein? Bis es in gut vier Wochen in St. Gallen gegen Litauen geht, wird Petkovic auf die Leistungen in den Vereinen abstellen müssen. Aber ist Fabian Schär fit, ist er erster Kandidat, Partner Johan Djourous im Zen­trum zu sein. Dannzumal ist die Schweiz definitiv unter Erfolgszwang, muss sie aus ihren Torchancen mehr machen als zuletzt. Aber vielleicht ist dann ja Drmic wieder in (Bundesliga-)Form und Seferovic nicht mehr. Vielleicht hat bis dahin Valentin Stocker sein «Reha-Programm» in Berlin erfolgreich abgeschlossen. Petkovic aber wird sich als Erstes mal am Sonntag Inter – Napoli anschauen – mit seinem Captain Inler.

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