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Hallen für alle, Heizung für Schwimmer?

Nach dem Nein zum Cabriodach im Freibad Geiselweid herrschte in Sportkreisen herbstliche Tristesse. Einen neuen Anlauf für ein Hallenbad will niemand wagen; doch andere Sporthallen sind in Aussicht.

Der Sportlobbyist Winterthurs par excellence ist Daniel Frei. Der umtriebige Präsident des Sport-Dachverbands von Winterthur hat sich nach dem Nein zum Cabriodach geärgert: «Wären alle Sportler an die Urne gegangen und hätten Ja gestimmt, hätten wir jetzt das Dach über dem Freibad.» Doch mit der Solidarität unter den Sportlern und Sportvereinen stehe es nicht zum Besten. «Schon die Vereine derselben Sportart haben untereinander Differenzen, sportartenübergreifend geht gar nichts», sagt Frei und vergleicht mit den vielen Kulturinstitutionen: «Die engagieren sich zwar auch alle für ihre eigene Sache, doch wenns um etwas Grosses geht, stehen sie zusammen.» Dass Sportler dies nicht tun, sei keine Winterthurer Eigenart, sondern landesweit zu beobachten – «leider». Halt, eine Ausnahme gibts. Als Freis Dachverband vor bald drei Jahren seine Sporthalleninitiative lancierte, waren alle dabei: die Handballer von Pfadi und Yellow, die Unihockeyaner von Red Ants und Rychenberg, der Radball-Weltmeister und der Leichtathletik-Präsident, die Volleyballer und sogar zwei Vertreter der Kulturszene. Riesenhalle mit 1200 Plätzen Diese Initiative «Eine Halle für den Winterthurer Sport» liegt seit der Einreichung auf Eis oder neben dem Eis, müsste man mittlerweile sagen. Denn neben der Eissportanlage Deutweg planen private Investoren sowie der Eishockeyverband ein neues, grosses Sportzentrum, das mittlerweile Win City heisst. Ein Trainings- und Schulungszentrum für die besten Eishockeytalente des Landes soll es werden, zudem ein Trainingscamp auch für andere Sportarten mit regionaler, wenn nicht nationaler Ausstrahlung – und mit zwei Dreifachturnhallen samt fixen Tribünen für 1200 Zuschauer. Genug für die meisten Handball- und Unihockeyspiele. Der Projektleiter sagt, man warte nur noch auf die Unterschrift des Stadtrats unter den Baurechtsvertrag. Dann werde man zwischen zwei Investorenvarianten entscheiden, und los gehts. Forderung ist schon fast erfüllt Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) machte diesen Fahrplan kürzlich publik, als er bei Pfadi Winterthur an einem geselligen Abend News präsentierte: «Die Investoren sind da, im Frühling ist Baubeginn.» Und weil DWS-Präsident Frei auf selbigem Podium parlierte, kamen die beiden auch auf die hängige Halleninitiative zu sprechen. Die Stadt werde die beiden Dreifachturnhallen im Sportzentrum Win City abends und an Wochenenden für eine halbe Million Franken mieten und zudem selber eine Dreifachhalle in Neuhegi bauen. Damit wäre die Forderung der Halleninitiative erfüllt, findet Fritschi. Frei gibt ihm ein Stück weit recht. «Das ist ein echter Fortschritt für die Hallensportvereine.» Dass der Dachverband seine Halleninitiative deshalb nun zurückziehen könnte, will er nicht gesagt, sondern nur angedeutet haben. Eine nicht übermässig hohe Hürde gilt es noch zu nehmen: Der Gemeinderat muss dem Mietvertrag für die Win- City-Doppeldreifachhalle zustimmen. Der Betrag wird wohl etwas unter einer halben Million jährlich liegen, um ihn nicht zwingend auch noch dem Volk vorlegen zu müssen. Bleibt die Frage einer Schwimmhalle, die nach dem Cabrio-Nein fehlt. Der Dachverband Sport will in dieser Sache nicht aktiv werden: «Das Volk sagte Nein, jetzt eine Forderung zu stellen, wäre eine Zwängerei», findet Frei. Ob eine Ballonhalle über dem Becken das Richtige wäre, bezweifelt er: «Das wäre weder energetisch noch optisch besser.» Und für ein zweites Hallenbad fehle der Stadt das Geld, sagt Frei – und tönt schon fast wie Stefan Fritschi. Das Aussenbecken beheizen? Nicht aufgeben will Monica Frei, Präsidentin des Schwimmclubs. Eine Ballonhalle schwebt nach wie vor durch ihren Kopf; und sie möchte im Frühling wiederholen, was im Herbst war. Weil sich die Wiedereröffnung des Hallenbads verzögerte, heizte die Stadt das Freibad mit Fernwärme. Die Sportschwimmer sind nicht die Einzigen, die das nutzten. 140 spontan gesammelte Unterschriften bezeugen, dass auch Ältere gerne bei kühler Luft im gewärmten Wasser schwammen. Das Sportamt prüft nun, ob dieses Szenario weitergehen könnte. Ausser in den kältesten Wochen produziert die KVA überschüssige Wärme – mindestens bis 2016, wenn das Sulzer-Areal ans Fernwärmenetz kommt. Und die Jungsozialisten, die nach dem Nein zum Cabriodach forsch eine Volksinitiative für ein zweites Hallenbad ankündigten? Monica Frei hat von den Jusos seither nichts mehr gehört. Sie haben sich anderen Themen zu- gewandt: dem Kampf für günstigen Wohnraum und gegen Sozialabbau.

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