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Haltung, bitte

Vom Fall Grüninger bis zu «Der Goalie bin ig»: Die Solothurner Filmtage zeigen die Vielfalt der Kinolandschaft Schweiz. Auch Neuland ist dabei, wie die Nocturnes.

«Diese Filme geben zu reden», sagte Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer gestern an der Pressekonferenz zu der 49. Ausgabe des Festivals, das am 23. Januar beginnt, und sie meinte die Auswahl zum «Prix de Soleure». Sechs Filme hat die Jury für diese Wettbewerbssektion ausgewählt, die für einen «ausgeprägten Humanismus» steht. Dar­unter findet sich der Eröffnungsfilm «Akte Grüninger – Die Geschichte eines Grenzgängers» von Alain Gsponer. Er erzählt von der Geschichte des St. Galler Polizeikommandanten Paul Grüninger, der Ende der Dreissigerjahre vielen jüdischen Flüchtlingen die Einreise in die Schweiz ermöglichte. Den Menschen zu helfen, war ihm oberstes Gesetz, und dafür musste er schwer büssen. Filme über das Unterwegssein Vom Unterwegssein in einer schwierigen Zeit sprechen auch die anderen Filme, die für den Prix de Soleure nominiert sind. «L’escale» von Kaveh Bakhtiari zeigt das Schicksal von Flüchtlingen in Athen, die auf ihrem Weg in den Norden nicht mehr weiterkommen. Christoph Schaub hat in «Millions Can Walk» zusammen mit Kamal Musale Menschen in Indien auf ihrem Marsch für mehr Rechte begleitet. Men Lareida macht sich in «Victoria – A Tale of Grace und Greed» ein Bild von einer Frau aus Ungarn, die in Zürich das Glück suchte und sich dann verkaufen musste. Ganz persönlich ist «Mon père, la révolution et moi» von Ufuk Emiroglu. Die Regisseurin erzählt davon, wie das politische Engagement ihres Vaters über das Schicksal der Familie bestimmte – auch noch im Asylland Schweiz. Weiter im Wettbewerb ist «Alfonsina», Christoph Kuhns Porträt der argentinischen Dichterin Alfonsina Storni. Grenzgänge sind das grosse Thema – die Werkschau des Schweizer Films diskutiert aktuelle Positionen. Es geht hier um eine klare Haltung – sie ist in Solothurn Programm. Seraina Rohrer kann aber auch sagen: «An den 49. Solothurner Filmtagen gibt es viel zu lachen». Miss China in Delémont Da sind wir schon in einer anderen Kategorie, sie heisst Prix du Public, es geht um den Lieblingsfilm, und da darf auch Komödie sein. «Win Win – Chi­nesisch im Jura» von Claudia Tonetti spielt zum Beispiel mit dem Gedanken, was eine Miss-China-Wahl in Delémont auslösen könnte. Und in «Vielen Dank für nichts» von Oliver Paulus und Stefan Hillebrand brechen Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, aus der Rehaklinik aus. «Politisch nicht ganz korrekt» sei dieser Film sagt Seraina Rohrer. Auch Peter Liechti, der Ehrengast der Filmtage, geht in seinen Filmen über Grenzen hinaus. 23 Weltpremieren sind in Solothurn angesagt, eine davon ist «Der Goalie bin ig», Sabine Boss hat Pedro Lenz’ Roman zum Film gemacht. Ebenfalls für den Prix Public nominiert ist Ivana Lalovics erster Langfilm «Sitting Next to Zoe», der vom letzten gemeinsamen Sommer zweier Freundinnen erzählt. Die ganze Vielfalt des Schweizer Films zeigt sich in der Werkschau, rund 180 Werke sind in Solothurn zu sehen, und ein paar Familienfilme sind auch dabei, wie «Shana – The Wolf’s Music» von Nino Jacusso nach dem Roman von Federica de Cesco. Neu im Programm sind die Nocturnes. Weil sich nicht alle Schweizer Filme für die Nacht eignen (Seraina Rohrer), sind da auch ein paar aberwitzige Fremdpositionen dabei, wie «Ich fühl mich Disco» von Axel Ranisch aus Deutschland (mit anschliessender Schlagerdisco). Solothurn muss gar nicht so kalt sein. Solothurner Filmtage 23. bis 30. Januar 2014. Informationen und Vorverkauf: www.solothurnerfilmtage.ch

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