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«Handys versanden in Schubladen»

ZÜRICH. Rund 60 000 Tonnen alte Elektronikgeräte sind 2011 in der Schweiz zur Wiederverwertung eingesammelt worden. Zwar ist die Rücklaufquote laut Swico Recycling insgesamt sehr gut. Bei den Handys bestehe aber Verbesserungspotenzial.

Im vergangenen Jahr wurden 59 439 Tonnen alte Elektronikgeräte in Fachgeschäften oder Sammelstellen zur Wiederverwertung abgegeben. Dar­un­ter waren unter anderem 587 000 Röhrenfernseher, 441 000 Drucker, 269 000 Laptops und 457 000 Mobiltelefone. Zu finden sind diese Zahlen im Tätigkeitsbericht 2011 von Swico Recycling, der für die Entsorgung von Elektronik­geräten zuständigen Kommission des Wirtschaftsverbandes der Anbieter von Informations- und Kommunikationstechnik. In den letzten Jahren ist die Menge der ausrangierten Geräte kontinuierlich gestiegen, zuletzt um 5 Prozent. Zum Vergleich: 2005 waren es noch 42 116 Tonnen oder 29 Prozent weniger. Die Gründe für diese Zunahme sieht Swico-Geschäftsführer Jean-Marc Hensch einerseits darin, dass die Zahl der Geräte, die ersetzt werden, stetig wächst. Anderseits nehme das Bewusstsein, Geräte ordentlich zu entsorgen, weiter zu. Für die nächsten Jahre erwartet er allerdings nur noch leicht steigende Mengen.

Rückgabe in jedem Geschäft

Mit der Rücklaufquote sei man insgesamt sehr zufrieden, sagt Hensch. Während in der EU im Durchschnitt vier Kilogramm Elektronik- und Haushaltgeräte pro Person eingesammelt würden, seien es in der Schweiz 16 Kilogramm pro Person. Die hohe Sammeldisziplin führt er auf das erfolgreiche, von der Industrie selber initiierte System zurück, dank dem man ein altes Gerät in jedem beliebigen Elektronikgeschäft zurückgeben könne, auch wenn man nichts kaufe. Zudem werde die Entsorgungsgebühr in der Schweiz separat ausgewiesen, und der Konsument so dar­auf aufmerksam gemacht, dass er die Entsorgung bereits bezahlt habe.

Steigern möchte Hensch die Anzahl zurückgegebener Mobiltelefone. Die 457 000 Handys, die 2011 eingesammelt wurden, entsprechen nur gerade rund 13 Prozent der verkauften Geräte. Das sei aber kein Grund zur Besorgnis, sagt Hensch. «Denn die meisten ausrangierten Mobiltelefone versanden in irgendeiner Schublade und sind damit noch im Kreislauf. Was jedoch nicht passieren darf: Dass sie aus Unachtsamkeit oder aufgrund von Nichtwissen im Haushaltabfall landen.» Um den Rücklauf zu verbessern, führe Swico Recycling immer wieder Aktionen durch. Bei der ersten landesweiten Sammelaktion im Mai, an der sich gegen 300 Städte, Gemeinden, Schulen und Unternehmen beteiligten, seien rund 14 000 Han- dys zusammengekommen. Auch Swiss ­Recycling, die Dachorganisation der ­Recyclingorganisationen, bereite eine Kam­pa­gne vor, um die Separatsammlungen noch stärker bei den Konsumenten bekannt zu machen.

Edelmetalle gehen ins Ausland

Doch was passiert eigentlich mit den eingesammelten Elektronikgeräten? In den acht Recyclingunternehmen, mit denen Swico Recycling zusammenarbeitet, werden die Geräte – teilweise in mühsamer Handarbeit – zerlegt, weiter zerkleinert und sortiert. Von den Metallen wird der weitaus grösste Teil – Industriemetalle wie Eisen, Kupfer und Aluminium – in der Schweiz zurückgewonnen. Sie finden in der hiesigen Industrie wieder Verwendung. Komponenten, die Giftstoffe enthalten, werden von den Recyclern ausgesondert und umweltverträglich verbrannt.

Die Rückgewinnung von Edel- und Sondermetallen wird – sofern technologisch überhaupt möglich – dagegen nicht in der Schweiz vorgenommen. Für die rentable Extraktion dieser in Kleinstmengen verwendeten Metalle falle hierzulande nicht genug Elek­tronikschrott an, erklärt Jean-Marc Hensch. Deshalb würden beispielsweise Leiterplatten – 2011 wurden davon 2204 Tonnen eingesammelt – von den Recyclern zu aktuellen Marktpreisen an spezialisierte Unternehmen im Ausland wie die niederländische Umicore in Antwerpen verkauft.

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