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Hart an der Grenze

Nach dem Rundgang durch den Kommandobunker bei Dorf darf man beruhigt feststellen: Der Krieg könnte kommen. Auch 25 Jahre nach dem Fall der Mauer ist die unterirdische «Villa Arbenz» immer noch im Schuss. Die Glühbirnen funktionieren, und die schwarzen Wählscheibentelefone stehen da wie nach der letzten In­spek­tion. Pritschen, Bettwäsche, Geschirr und Pfannen, Stühle und Abfalleimer – alles vollständig vorhanden und einsatzbereit. Und im Falle eines Falles wäre auch für die Moral der Truppe gesorgt: Ein Schulwandbild im Flur zeigt genau den Augenblick der Schlacht von Sempach, als sich Winkelried in die Speere der feindlichen Habsburger stürzt. Der ehemalige Kommando­bunker der Grenzbrigade 6 schlummert unter einer schäbigen Scheune am Waldrand. Er ist nur ein Beispiel für die Kunst des Festungsbaus und der Tarnung während der letzten 80 Jahre in der Region. Ein weiteres Relikt liegt nur wenige Kilometer weiter im Ebersberg bei Berg am ­Irchel. Dort wurde das Festungswerk von Freiwilligen wieder ­instand gesetzt; die Luken, aus denen die Geschützrohre einst auf die Gefahr ennet der Grenze gerichtet waren, haben sie mit Tarnfarben frisch gestrichen. Auch wenn sie manchen Leuten wie Relikte aus alten Zeiten vorkommen mögen: Diesen Bauwerken der Grenzbefestigung werden noch einige Jährchen beschieden sein. Schliesslich liegen sie tief im Berg, geschützt vor aller Gefahr an der Erdoberfläche. Ein anderes Meisterwerk der Tarnkunst dagegen wurde den Naturkräften ausgesetzt. Die ­Rede ist vom ehemaligen Munitionsdepot beim Thurspitz, das aussieht wie eine gemütliche Blockhütte. Seit die Uferverbauungen der Thur ab­gebrochen wurden, um die Auen ökologisch aufzuwerten und den Fluss wieder frei fliessen zu lassen, steht sie in einer akuten Gefahren­zone. Eines Tages wohl, wenn die befreite Thur über die Ufer tritt, werden die Wasser die Hütte schwer schädigen oder gar davontragen. Und am Schluss wird von diesem Stück Schweizer Geschichte so viel übrig bleiben wie von einem Hauch Landluft.

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