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Hauswart für ein ganzes Dorf

22 Jahre lang war Ludwig Gutknecht Werkmeister in Rickenbach. Dabei hatte er mit Überschwemmungen, Schneestürmen und Abfallsündern zu tun. Nun geht er in Pension.

Die meisten Nerven brauchte es für den Winterdienst. Jeweils um halb vier Uhr morgens mussten sich die Werkmitarbeiter entscheiden, ob sie ausrücken oder nicht. «Wenn wir nicht pflügten, gab es Telefone und wenn wir unterwegs waren, dann hiess es: «Jetzt hättet ihr aber schon noch warten können», sagt Ludwig Gutknecht, lacht und verdreht ein wenig die Augen: «Gelobt wurden wir aber auch.» Der 65-jährige leitete 22 Jahre lang die Gemeindewerke in Rickenbach und war dabei nicht nur Hauswart fürs Dorf, sondern auch ein wenig Diplomat. Die richtigen Worte brauchte es etwa, wenn Gutknecht einen Bewohner auffordern musste, seine Büsche zurückzuschneiden, weil diese bis aufs Trottoir wucherten. «Die erste Reaktion war häufig, auf den Nachbarn zu zeigen.»

Mineral- statt Leitungswasser

Auch Wasserrohrbrüche?erforderten Verhandlungsgeschick. Nicht jeder war glücklich, wenn das Wasser abgedreht werden musste. «Da kam schon mal ein Hobby-Coiffeur aus dem Haus gerannt und rief, dass er gerade jemanden einschamponiert hätte», sagt Gutknecht und fügt dann schulterzuckend an: «Manchmal musste es dann halt mit Mineralwasser gehen.» Pragmatik wird bei den Werken grossgeschrieben. Das Team besteht aus lediglich einem Leiter und Mitarbeiter, die für die ganze 2500-Seelen-Gemeinde zuständig sind. Alle drei Jahre kam ein neuer Lernender dazu. Auf die Frage, ob diese jeweils eine Stütze waren, anwortet Gutknecht gleichermassen lapidar wie vielsagend: «Wie das halt so ist in dem Alter.» Obwohl manchmal?Kompromisse nötig waren, hat Gutknecht, den Job immer gerne gemacht: «Es war eine vielseitige Arbeit. Das Team funktionierte gut und die Gespräche mit den Bewohnern genoss ich.» Es sei ihm auch viel Vertrauen entgegengebracht worden, das sei nicht selbstverständlich. In einem Steckbrief für die Gemeinde schreibt er deshalb: «Mich freued die ufgstelltä Sulzer und Rickebacher.» Neben der handwerklichen Arbeit betätigte sich Gutknecht auch in der Freizeit körperlich. Der gelernte Spengler-Installateur hat zwar erst spät, Mitte Zwanzig, Zugang zur Sportwelt gefunden, dafür liess sie ihn nie wieder gehen. Eine Zeit lang spielte er in Winterthur Hockey. Daneben turnte er, war Mitglied im Schiessverein und fuhr Velorennen auf Amateur- und Eliteamateurstufe. Als er kurz vor den Achtzigerjahren eine Familie gründete, musste der Sport hinten anstehen. Das Velo stellte er jedoch nie ganz ab – jedes Jahr fährt er dem Radfahrerverein eine Woche lang in die Radferien.

Pumpwerk zehn Tage ausser Betrieb

Einen richtigen GAU?habe es in den 22 Jahren nur einmal gegeben, erzählt Gutknecht. Vor einigen Jahren sei das Grundwasserpumpwerk erneuert worden. Der Umbau war durch und die neuen Leitungen zum Anschluss bereit, als ein grosses Gewitter über Rickenbach zog und eine alte Leitung barst. «Die neuen Löcher waren vorbereitet und gebohrt, das Wasser drang überall ein. Wir standen in einer einzigen, braunen Sauce», sagt Gutknecht und man sieht ihm die unangenehme Erinnerung an.Das Pumpwerk sei eineinhalb Wochen lang ausser Betrieb gewesen: «Ich habe ein Wochenende lang nur Wasser in den Wald gepumpt.» Glücklicherweise habe es für die Rickenbacher selbst keine Folgen gehabt. Etwas Wasser sei noch in den Reservoiren vorrätig gewesen und danach habe man welches aus Wiesendangen beziehen können. Wenn er eine Sache?in Rickenbach ändern könnte, dann wäre es den Umgang mit Abfall: «Es war manchmal schon ein Frust, wie viel Müll liegen bleibt. Im Bushäuschen oder auf dem Schulweg.» Auch Filzstiftmalereien und Kleber auf Signaltafeln hätten zugenommen. «Mit den Klebern werden fast schon Bandenkriege ausgetragen. Klebt auf einem Stoppschild einer vom FCB, dann klebt am nächsten Tag der FCZ drüber.» Was er im Ruhestand mit seiner neuen Freizeit anfangen will, hat sich Gutknecht noch nicht überlegt. Das Loslassen nach 22 Jahren bereite ihm bis jetzt keine Mühe. In den Gemeindewerken habe man die Tage jeweils nicht wirklich planen können und es scheint, als ob er jetzt auch nicht mehr damit anfangen möchte. Nur eines ist sicher: Das Velo spielt eine Rolle.

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