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Heftige Debatte um neues Bauland

Die Opposition hat sich erfolgreich gegen eine Einzonung der Turbenthaler Reservezone Breiti gewehrt. Zwei andere Gebiete gab die Gemeindeversammlung dagegen zur Überbauung frei. Allerdings muss dies der Kanton noch absegnen.

In der neuen Turbenthaler Bau- und Zonenordnung (BZO) steckte viel Zündstoff. Dies zeigte allein schon der Aufmarsch am Montagabend an der Gemeindeversammlung: 203 Stimmberechtigte wollten bei der Ortsplanung für die nächsten 15 Jahre mitreden. Damit hatte die Behörde nicht wirklich gerechnet. Gemeindepräsident Georg Brunner konnte jedenfalls erst mit fünf Minuten Verspätung loslegen, weil die Helfer eilig noch zusätzliche Stühle und Tische aufstellen mussten. Auf Widerstand stiess insbesondere die geplante Einzonung von drei Reservezonen. Diese Baulücken im Siedlungsgebiet wollten nicht alle einfach schliessen. Die Gegner argumentierten, dass kein Handlungsbedarf bestehe, da in Turbenthal noch genug Bauland für die nächsten gut 30 Jahre vorhanden sei. «Es ist nicht opportun, zusätzliches Landwirtschaftsland einzuzonen», meinte etwa der grüne Kantonsrat Urs Hans. «Dem verdichteten Bauen tun wir damit keinen Gefallen», ergänzte ein weiterer Teilnehmer.Auf der anderen Seite gaben die Grundeigentümer an, dass man bei der Bewirtschaftung des Landes immer mehr unter Druck geriete. «Wir wären nichts lieber als Bauern, aber wir haben keine Chance mehr», erklärte eine Vertreterin des Gebiets Bruggächer (siehe Grafik). Schon der Lärm des Traktors sei ein Problem, weil das Land von Einfamilienhäusern umgeben sei.

Eventuell verfrühter Jubel

Am meisten Verständnis für eine Einzonung zeigte die Gemeindeversammlung beim Gebiet Müli-Grund. Schon knapper fiel die Abstimmung beim Land im Bruggächer aus: 87 stimmten für eine Einzonung, 54 dagegen. Der anschliessende Jubel der Landeigentümer war allerdings unter Umständen verfrüht. Noch ist unklar, ob der Kanton die beiden neuen Bauzonen bewilligt, die je rund eine Hektare messen.Beim «Filetstück» Breiti war der Widerstand dagegen zu gross. Diverse Votanten wollten das «wertvolle Kulturland» nicht preisgeben und es lieber für eine allfällige Erweiterung der angrenzenden Schulanlage frei halten. Für eine Einzonung sprach sich in der Diskussion niemand aus. Dies lag auch daran, dass der Grundeigentümer sein Begehren an der Versammlung nicht selber verteidigte. Damit bleibt die 2,5 Hektaren grosse Wiese weiterhin grün.

Keine Vorschrift für Läden

Auch das neue Baureglement konnte die Teilnehmer nicht restlos überzeugen. Das Credo «weniger Vorschriften» stiess zwar grundsätzlich auf Zustimmung. Dass die Baubehörde bei Bedarf fachkundige Spezialisten beiziehen kann und einen Katalog mit guten Gestaltungsbeispielen führt, ging den Stimmbürgern aber zu weit. Sie strichen beide Artikel – den ersten nur ganz knapp – aus dem Reglement. Gescheitert ist auch ein Spezialartikel gegen das «Lädelisterben». Der Gemeinderat wollte bei einigen Gebäuden in der Kernzone vorschreiben, dass mindestens das Erdgeschoss gewerblich genutzt werden muss. Das Gewerbezentrum gerate unter Druck, weil Wohnraum lukrativer sei, erklärte Gemeindepräsident Brunner. Einer Mehrheit war dieser Artikel aber ein zu grosser Eingriff in die Eigentümerfreiheit. Auf weitere Anträge strich die Gemeindeversammlung zudem den ästhetischen Aspekt bei Dachaufbauten und Anlagen zur Nutzung von Sonnenenergie aus dem Regelwerk, erhöhte in der Wohnzone W2A die Ausnützungsziffer von 25 auf 35 Prozent, liess bei öffentlichen Bauten die Geschosszahl offen und schaffte in der Erholungszone die Möglichkeit, auch zweigeschossige Bauten zu realisieren. Chancenlos blieben dagegen zwei Anträge, in der Zentrumszone maximal vier Geschosse und zwei Dachgeschosse zuzulassen. Nach fast vierstündiger Debatte ging die Schlussabstimmung erst kurz vor Mitternacht erfolgreich über die Bühne. Dies nachdem die Stimmbürger eine Vertagung einzelner Ergänzungspläne abgelehnt hatten.

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