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Heimatschutz erringt einen Teilsieg

Das vom Abbruch bedrohte alte Bauernhaus in Eschlikon ist gerettet. Vier Neubauten werden in seinem Garten erstellt – dezent zurückversetzt. Gut möglich, dass bald der ganze Weiler geschützt wird.

Am Freitag hat die Gemeinde Dinhard ein Baugesuch für vier Neubauten im Weiler Eschlikon veröffentlicht. Geplant sind zwei Reiheneinfamilienhäuser mit je drei Wohneinheiten und zwei Doppeleinfamilienhäuser mit Tiefgarage. Dafür müssen eine Scheune aus den 60er-Jahren, ein Feuerwehrweiher sowie ein Anbau weichen. Das wirklich Bemerkenswerte steht nicht im Projekt: Das alte Bauernhaus mit der markanten Riegelfassade und die Linde daneben bleiben erhalten. Die Seuzacher Baufirma Baltensperger hat das Projekt auf dem Land der Erbengemeinschaft entwickelt. Neu will sie das alte Bauernhaus separat verkaufen. Laut Geschäftsinhaber Beat Baltensperger soll es in zwei Wochen im Internet ausgeschrieben werden. Gesucht sei ein Liebhaber, der das vermutlich bereits 1700 erstellte Gebäude selbst oder zusammen mit der Firma Baltensperger umbaut. Baltensperger reicht inzwischen das vierte Bauprojekt ein. Der Heimatschutz blockierte 2011 ein früheres Projekt, das den Abbruch des Hauses vorsah. Der Bauunternehmer spricht von zerschlagenen Träumen, abgesprungenen Käufern und einer dadurch zerstrittenen Erbengemeinschaft. Tatsächlich kündigt der Heimatschutz bereits an, das neue Projekt unter die Lupe zu nehmen. Dem Verein missfällt, dass Baltensperger sich vom Bauernhaus trennen und es nicht ins Projekt einbeziehen will, sagt Andreas Abegg, Rechtsanwalt des Heimatschutzes. «Das war so nicht abgemacht.» Der Heimatschutz kann das Projekt nach wie vor mit Einsprachen blockieren, weil Dinhard – wie vielen anderen Gemeinden auch – ein kommunales Schutzinventar immer noch fehlt, obwohl das kantonale Planungs- und Baugesetz seit 1975 eines verlangt. Der Gemeinderat ist aber daran, das Versäumnis nachzuholen. In diesem Zusammenhang liess er auch die unabhängige Natur- und Heimatschutzkommission des Kantons Zürich (NHK) den gesamten Weiler bewerten. In einem Gutachten hielt die Kommission fest, dass das Ortsbild von Eschlikon zum Beispiel wegen seiner Einbettung in die Landschaft, der scharfen Siedlungsgrenze oder der Anordnung der Gebäude schützenswert sei. Die NHK empfiehlt sogar, Eschlikon ins kantonale Inventar der schützenswerten Ortsbilder von überkommunaler Bedeutung aufzunehmen. In der Region sind etwa auch die Ortsbilder von Elgg oder Mar­tha­len geschützt. Unter den Weilern befinden sich Neschwil (Weisslingen) oder Oerlingen (Kleinandelfingen). Der Antrag für Eschlikons Aufnahme liegt nun bei der kantonalen Baudirektion. Der definitive Entscheid fällt wohl erst 2014. Für Dinhard zu spät. «Wir wollen so schnell wie möglich klare Verhältnisse», sagt Gemeindeschreiber Martin Schmid. Wird Eschlikon ins kantonale Schutzinventar aufgenommen, müssten Baugesuche künftig «den Weg über Zürich» nehmen. Schmid rechnet dennoch nicht mit stark verzögerten Baubewilligungsverfahren. Im Dornröschenschlaf gelegen Bauunternehmer Beat Baltensperger befürchtet, dass die Gebäude an Wert verlieren, wenn das ganze Dorf unter Schutz gestellt wird. Er ist der Meinung, seine Firma und die Erbengemeinschaft müssten nun das Versäumnis der Gemeinde ausbaden. Diesen Vorwurf weist Hochbauvorstand Rudolf Walther von sich. Den heutigen Gemeinderat könne man dafür nicht zur Verantwortung ziehen. «Wir haben es jetzt angepackt.» Walther sieht Vorteile in einer Unterschutzstellung: «Sie verleiht uns eine gewisse Handhabe, um architektonische Qualität zu fordern.» Eschlikon habe lange im Dornröschenschlaf gelegen und sei deswegen auch noch unversehrt. Jetzt stehe ein Generationenwechsel und eine mögliche Umnutzung an. «Wir wollen eine massvolle und ortsverträgliche Entwicklung sicherstellen.»

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