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Heimspiel für Beni

Im Oberi-Talk diesen Mittwoch gab sich Beni Thurnheer ganz privat. Der «Schnurri der Nation» über seine Erinnerungen an die Stadt, die Medien und diesen elenden Spitznamen.

«Restlos alles, was es über mich zu sagen gibt, ist bereits gesagt», witzelte Thurnheer. «Sehr zum Frust der Journalisten, die deshalb auch gerne mal Dinge erfinden.» Im Kirchgemeindehaus in Oberwinterthur wusste der erprobte Sportreporter dennoch einiges zu erzählen. Es ist diese Eigenschaft, die Beni National auch seine andere, weniger sympathische und doch nur allzu bekannte Bezeichnung einbrachte.

«Den Ausdruck höre ich tatsächlich nie im alltäglichen Leben. Doch in jedem einzelnen Interview kommt die obligatorische Frage danach», erklärt Thurnheer. Der «Schnurri der Nation» sei schlichtweg eine Erfindung der Medien und aus einem falsch übernommenen Zitat hervorgegangen. «Die Forschung hat gezeigt, dass ich seit 23 Jahren der Schweizer Fussballreporter bin, der am wenigsten redet», verteidigt er sich augenzwinkernd. «Aber sein Image wird man heute einfach nicht mehr los.»

Beni Thurnheer landet immer wieder in den Medien. Jüngst war es Peter Rothenbühler von der «Sonntags-Zeitung», der ihm mit bissigstem Zynismus zum «Benissimo»-Ende gratulierte. Ihn dar­auf angerufen habe Beni Thurnheer bestimmt nicht. «Nein, nein! Zu viel der Ehre! Wahrscheinlich hat er seine Kolumne deswegen geschrieben.» So sei halt die heutige Medienwelt.

Eine laute Minderheit

Auch von sportlicher Seite werde er immer häufiger angegriffen. «Wenn ich lese, was in den Internetforen der verschiedenen Fussballklubs alles geschrieben wird, das ekelt mich regelrecht», erklärt Thurnheer. «Dort gibt es keinen Respekt, keine Toleranz, keine Fairness.» Aber alles, was auffalle, werde publiziert und einige Journalisten würden wie die Adler über diesen Foren kreisen. «Es ist eine laute Minderheit, die sich dort Luft macht», so Thurnheer. «Aber wenn grosse Zeitungen auf diese wenigen hören, erheben sie deren Stimmen in den Augen ihrer Leser zur allgemeinen Meinung der Fernsehzuschauer.» Eine Thurnheer-Schlagzeile ziehe halt immer. Deshalb schweige er lieber und lasse den Sturm vorüberziehen. Auf die Frage, ob er es als Hetzjagd empfinde, wenn der «Blick» mit «Beni nur noch peinlich» titelt, meinte er nur: «Selbstverständlich. Aber so funktioniert das nun mal.»

Trotz allem und auch nach dem Ende von «Benissimo» ist bei dem 64-Jährigen noch nicht an den Ruhestand zu denken. «Seit bald zehn Jahren ist mein Rücktritt jetzt schon ein Thema. Es gibt Leute, die warten nur auf diesen magischen Termin», lacht er. «Das Blöde ist nur: Ich bin freier Mitarbeiter. Ich werde gar nie pensioniert.»

Doch nicht nur mit Vorwürfen und Kritik wurde Beni Thurnheer beim Oberi-Talk konfrontiert. Auch auf seine Vergangenheit kam man zu sprechen: «Ich habe die Verbindung zu Oberi nie verloren», erzählte der hier geborene Reporter. «Meine Mutter wohnte immer hier im Dorfkern an der Römerstrasse. Erst kürzlich ist sie ins Altersheim gezogen.»

Oberwinterthur sei also immer ein Zuhause geblieben, obwohl sich doch einiges verändert habe. «Die ersten Fussballspiele, die ich mir angesehen habe, waren diejenigen des FC Oberi», erinnert er sich. «Damals fanden diese noch auf der Talwiese statt.» Mit dem neuen Platz sei das einfach nicht mehr dasselbe. Das sei nicht mehr «sein» FC Oberi. «Klar spielt der Verein jetzt auf einem Kunstrasen, aber ‹Kunst› kommt bekanntlich von ‹künstlich›.» Immerhin sei beim FC Winterthur vieles gleich geblieben, nicht nur der Rasen. Er finde auch heute noch: «Eine Bratwurst gehört dazu. Nicht zum Fussball vielleicht, aber zur Schützenwiese.»

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