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Herkulesaufgabe für neuen WTO-Chef

genf/brasilia. In der WTO bricht eine neue Ära an: Ein Vertreter eines Schwellenlandes rückt jetzt an die Spitze der Welthandelsorganisation.

Die Epoche der Industriestaaten auf dem «Thron» der globalen Handelsdi­plomatie ist vorüber. Westlichen Regierungen war dies bereits vor dem Auswahlverfahren für den Chefposten der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf klar. Sie liessen jenem Teil der Welt den Vortritt, von dem heute die Hoffnungen auf Wachstumsimpulse zur Überwindung der Krise ausgehen.

Mit dem Brasilianer Roberto Azevêdo rückt nun ein Handelsdiplomat aus der Gruppe der Schwellenländer an die WTO-Spitze, der in den USA und vielen EU-Staaten als unbequem gilt.

Roberto Azevêdo kennt die WTO als Vertreter seines Landes seit 2008 wie seine Westentasche. Er ist ein anerkannter Profi in Sachen Streitschlichtung. Für Brasilien focht er manchen Strauss in internationalen Handelskonflikten aus. Er kämpfte gegen US-Subventionen für Baumwolle, EU-Subventionen für Zucker und Sonderaufschläge für brasilianischen Orangensaft. Im Gegenzug kommt auf ihn zu, ein Kandidatenversprechen erfüllen zu müssen: Als WTO-Chef werde er unparteiisch die Interessen der 159 Mitgliedstaaten vertreten. Dabei ist die Marschrichtung abgesteckt. Dafür sorgte der scheidende WTO-Chef, der Franzose Pascal Lamy. In Kurzform lautet sie: «Von Doha nach Bali». Doha steht für das Scheitern. Bali, wo im Dezember die nächste Welthandelskonferenz stattfindet, steht für Hoffnung. In Doha nahmen WTO-Staaten 2001 Kurs auf eine «Entwicklungsagenda» zur Liberalisierung des globalen Handels. Damit sollte – bei Förderung der armen Länder – das Volumen der globalen Exporte und Importe gesteigert werden. Das Vorhaben blieb ein Wunschtraum.

Schwellenländer im Steigflug

Das Scheitern hängt mit Strukturpro­blemen zusammen. Entscheidungen werden nur im Konsens gefällt. Eine Herkulesaufgabe wartet auf Azevêdo in Bali: An der 9. WTO-Konferenz könnte es eine Abkehr vom Ansatz des «grossen Wurfs» hin zu einem schrittweisen Vorgehen geben. So wird unter Diplomaten der Versuch erörtert, beim Bali-Treffen rasch anwendbare Beschlüsse auf einzelnen Gebieten anzustreben. Laut Welthandelsbericht für 2013 wird für die Industriestaaten ein Wachstum der Exporte von 1,5 Prozent erwartet, für die Schwellenländer hingegen von 5,3 Prozent. Ähnlich sieht es bei den Importen aus. Damit wird der Anteil dieser Staaten am globalen Handel auf über 50 Prozent steigen.

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