Zum Hauptinhalt springen

Hier hat das Huhn viel zu tun

Osterzeit ist Eierzeit – und je glücklicher das Huhn, desto besser schmeckt das Ei. Auf dem Biohof von Beatrice Peter in Wildensbuch bei Trüllikon fühlen sich die Hühner besonders wohl.

Um die 1800 Eier einzusammeln, die ihre Hühner jeden Tag legen, drückt Beatrice Peter auf einen Knopf. Dann setzt sich das Rollband in Bewegung, das vom Vorraum in den modernen Bio-Hühnerstall hineinführt. Unter den mit roten Vorhängen abgeschirmten Nestern gleitet das Band hindurch und transportiert die Eier schliesslich auf den Eiersammeltisch im Vorraum. Dort nimmt Peter die Eier, kon­trol­liert sie auf Schäden und ordnet sie in einen Eierkarton ein. Vier bis fünf Stunden arbeiten Bea- trice Peter und ihr Mann Jorge Vásquez jeden Tag im Hühnerstall. Dabei tragen sie einen langen Mantel und eine blaue Mütze sowie saubere Stiefel – das Federvieh soll keine Krankheitserreger von draussen bekommen. Im Vorraum ist es still bis auf das zurückhaltende Rattern des Eierbandes. Als Beatrice Peter die Türe zum Stall öffnet, drückt wärmere Luft in den Vorraum und mit ihr der Geruch von Einstreu und Holz. Der Boden ist sauber, ohne dass die Landwirte den Stall ständig misten müssten: Unter den Sitzstangen ist ein weiteres Förderband installiert. Hier landet der meiste Hühnerdreck, wie Peter erklärt: «Am Abend flattern die Tiere auf die Sitzstangen, um zu schlafen, und während der Nacht machen sie auch den meisten Dreck.» Ein weiterer Knopfdruck und das weisse Kunststoffband befördert die Häufchen an das andere Ende des Gebäudes, wo der Kot auf einem Haufen endet. Die Hühner drehen den Kopf zur Tür, sie gackern leise – es klingt wie ein Gluckern. Gesund sehen sie aus, die 2000 braunen Hennen. Sie haben ein dichtes und glänzendes Gefieder. Und zwischen ihnen stehen aufrecht, stolz und kraftstrotzend 16 Hähne. Peter sagt, selten seien in der Massentierhaltung Gockel bei den Herden. «Aber es ist gut», meint sie, denn: «Der Hahn schlichtet sofort, wenn die Hühner Streit haben.» Auf dem Grüthof legen Hennen der Rasse Lohmann Brown ihre Eier – sie sind auf maximalen Ertrag hin gezüchtet und legen in einem Jahr im Durchschnitt 320 Eier pro Huhn. Scharren im Sand Die Hühner sind zutraulich und neugierig. Sie scharen sich um die Biobäuerin und lassen sich auch von ihr hochnehmen und halten. Beatrice Peter sagt: «Ich glaube, sie haben es gut bei uns.» 2011 hat die Familie vom Grüthof in Wildensbuch den Biostall bauen lassen. Die Anlage ist ganz auf die Bedürfnisse der Hühner ausgelegt. Im innersten Bereich befinden sich Sitzstangen und Legenester. Der Raum davor ist nur mit Windschutznetzen gegen aussen abgeschirmt und weist Aussentemperatur auf. Hier haben die Hühner viel Platz und sind doch vor der Witterung geschützt. Strohballen und Sandkästen sorgen für Abwechslung. «Im Sandkasten scharren die Hühner gerne», sagt Beatrice Peter, «und sie fressen auch Sandkörnchen, die ihnen beim Verdauen helfen.» Gehen die Hühner dann nach draussen, befinden sie sich in einem Hühnerhof, der mit Holzschnitzeln ausgelegt und von einem Zaun umgeben ist. Aber die Vögel können noch weiter: Hinter dem Zaun erstreckt sich eine Weide, auf der junge Holunder- und Rosenbüsche wachsen, weiter entfernt stehen Obstbäume und im entlegensten Teil der Weide spenden kleine Häuschen Schatten und Zuflucht. «Die Hühner sind nicht gerne im freien Feld oder an der Sonne. Sie haben lieber Schatten und Unterschlupf», sagt Peter. Ursprünglich seien Hühner Waldvögel gewesen und das sehe man ihrem Verhalten heute noch an. Ostern spielt keine Rolle Und ja, auf der Weide des alten Hühnerstalls, den Beatrice Peters Eltern schon benutzt hatten, scharren und picken die Vögel unter knorrigen Birnbäumen und im Schatten einer landwirtschaftlichen Maschine. «Meine Eltern hatten 500 Hühner im alten Stall», sagt Peter, «nach Bio-Richtlinien leben jetzt 400 Tiere da drin.» Auf dem Grüthof leben so 2400 Hühner – auch wenn es ein Biobetrieb ist. Peter sagt, es brauche so viele Tiere, um wirtschaftlich produzieren zu können. In Nicht-Bio-Ställen sind bis zu 18 000 Tiere erlaubt. Zweimal in der Woche kommt der Lastwagen der Ei AG (siehe Kasten) und holt die Eier ab – dafür müssen die Landwirte eine genügend grosse Anzahl garantieren können. Für Beatrice Peter und die Hühner vom Grüthof ist es übrigens egal, ob gerade Ostern vor der Tür steht. Die Tiere legen ihre Eier, die Landwirte sammeln sie ein. Marktstrategische Gedanken macht man sich bei der Ei AG. Mit einer Ausnahme: Eierproduzenten müssen sich entscheiden, wann ihre Hühner den Zenit ihres Eierlegens erreichen sollen – vor Weihnachten oder vor Ostern. Zu diesen Zeiten steigt der Eierbedarf stark an. Steuern lässt sich das einzig über den Zeitpunkt, an dem man die neuen Hühner in den Stall holt. Im Alter von 20 Wochen kommen die jungen Hennen in den Betrieb. Dann beginnen sie gerade mit dem Legen. Lyoner Wurst und Suppenhuhn Die Hühner legen so viele Eier, wie es ihrem Alter entspricht: Die Legeleistung steigt zuerst stark an, bleibt auf hohem Niveau und sinkt dann langsam. Die Hühner auf dem Grüthof haben gerade ihre Leistungsspitze erreicht – pünktlich zur Osterzeit. Ein Jahr lang legen die Hühner Eier. 90 Prozent der Tiere legen jeden Tag eines. «Nachher geht es abwärts», sagt Peter. Im nächsten Januar werden sie geschlachtet. Sie würden zu Lyoner Wurst und Suppenhuhn, sagt Peter und erklärt beinahe entschuldigend, dass dies zur Nutztierhaltung gehöre. Aber Fleischhühner zu halten, nein, das kann sich die Landwirtin nicht vorstellen. Lieber sieht sie ihre Lohmann Browns über die Weide rennen und sammelt am nächsten Morgen wieder rund 2000 Eier ein, denn fleissige Hühner legen ihr Ei ganz früh.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch