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Hilfe aus der Versenkung

Der Kohleabbau hat der Landschaft der Illnau-Effretiker Partnerstadt Orlova schwer zugesetzt. ZHAW- Studenten schlagen nun etwa eine Bobbahn zur Aufwertung vor.

Die Fahrt in den Untergrund ist rasant. Mit einer Geschwindigkeit von zehn Metern pro Sekunde bringt der Grubenlift Besucher und Minenarbeiter in das rund 1000 Meter unter Boden liegende Tunnelsystem der tschechischen Minengesellschaft OKD. Sie ist die einzige, die in der Tschechischen Republik Steinkohle zutage fördert, und hat ihren Sitz ganz im Osten des Landes, in der Region von Ostrava und Karvina.

Eine Delegation der Stadt Illnau-Effretikon hat sich vor einer Woche dorthin begeben, um sich ein Bild der Region zu machen, in der auch ihre Partnerstadt Orlova liegt, eine Vorortsgemeinde von Ostrava. Die Partnerschaft entstand 1991. Rege Kontakte und gemeinsame Projekte zur Stadtentwicklung prägen sie bis heute.

Unter Tag tragen Minenarbeiter wie auch Besucher Bergschuhe, Hosen und Jacken aus einem dicken, strapazierfähigen Stoff; dazu Helm, Stirnlampe sowie ein Erstehilfegerät, das im Notfall Sauerstoff für etwa 45 Minuten liefert. Nur wenige Lampen beleuchten die Tunnels, und würden Ventilatoren nicht ständig kühle Luft durch die Stollen blasen, stiegen die Temperaturen innert kürzester Zeit auf etwa 40 Grad Celsius.

3200 Männer fördern hier 3,5 Millionen Tonnen Kohle jährlich zutage. Sie verdienen mit 1750 Franken im Monat mehr als anderswo. Die meisten Menschen in der Gegend leben vom Kohleabbau. Dieser hat die Landschaft in den letzten 50 Jahren schwer gezeichnet. Der Boden hat sich vielerorts gesenkt, weil die Hohlräume dar­un­ter selten wieder aufgefüllt werden. Ganze Siedlungen wurden in den 60er-Jahren niedergerissen und die Bewohner umgesiedelt.

So auch in Orlova. Nördlich des alten untergrabenen Stadtkerns, der nur noch aus wenigen Häuserzeilen besteht und kaum mehr bewohnt ist, hat sich in der sozialistischen Zeit eine neue Stadt gebildet. Dazwischen liegt ein 46 Hektaren grosses Niemandsland, das die 33 000 Einwohner zählende Stadt nun revitalisieren will. Es ist geprägt von Wäldern, Wiesen, einem Sumpfgebiet, Trampelpfaden, einem Weiher und einem Bach.

«Kaum ein Einheimischer verirrt sich hierhin», sagt Ueli Müller, Stadtpräsident von Illnau-Effretikon. «Denn für sie gibt es hier nichts.»

Deshalb sollen nun in den nächsten Jahren weitläufige Freizeit- und Erholungsflächen sowie Einfamilienhäuser und Wohnblocks entstehen. Im vergangenen Herbst sind Architekturstudenten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), mit der die Stadt für Entwicklungsprojekte zusammenarbeitet, nach Orlova gereist und haben eine Bestandesaufnahme gemacht. Ein ganzes Semester lang haben sie dann anhand von vier vorgegebenen Szenarien verschiedene Projekte erarbeitet. Vertreter der Stadt und der ZHAW haben sie vergangene Woche den Behörden von Orlova präsentiert (siehe unten).

Hoffen auf EU-Subventionen

«Ich bin begeistert», sagte Bürgermeister Jiri Michalik anlässlich der Eröffnung einer kleinen Ausstellung im Kulturhaus. Nun müssten Behörden und Einwohner sich ein Bild der erar­bei­te­ten Projekte machen. Eines davon – oder eher ein Konglomerat aus mehreren – will die Regierung dann bei der EU in Brüssel einreichen. Dies, um Subventionen zu erhalten. In der Vergangenheit seien sie damit recht erfolgreich gewesen, sagte Michalik. Er sei deshalb zuversichtlich, dass sie das Projekt dereinst verwirklichen könnten.

34 000 Franken hat die Stadt Illnau-Effretikon im Rahmen ihrer Entwicklungshilfe beigesteuert. Damit hat sie hauptsächlich die Aufbereitung der Studentenarbeiten finanziert. Orlova rechnet derzeit mit Investitionen von 5 Millionen Franken. Die Zahl kann je nach Projekt noch stark schwanken.

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