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Hilfe bei Depressionen und Demenz

Musiktherapie hilft dabei, Spannungen abzubauen, und demente Menschen können mit bekannten Musikstücken an ihre Erinnerungen anknüpfen.

Jeder Mensch, der ein Lieblingslied hat, weiss, dass Musik die Stimmung heben kann. Insofern verwundert es nicht, dass die Behandlung von Depressionen ein Arbeitsgebiet der Musiktherapie ist. Auch Aggressionen und Spannungszustände können über aktives Musizieren reguliert werden. In der Arbeit mit körperlich oder geistig behinderten Menschen ermöglicht Musik einen Dialog ohne Sprache: Patient und Therapeut interagieren durch Musik, wie es auch schon Kleinkinder mit Erwachsenen tun. Musiktherapie knüpft bei diesen vorsprachlichen Fähigkeiten an und kann so Entwicklungsprozesse unterstützen.

Demente Menschen erinnern sich über Musikstücke an Teile ihres Lebens und vergewissern sich so ihrer Identität. Erwiesen ist auch die schmerzlindernde Wirkung von Musik, die in der Zahnmedizin schon länger eingesetzt wird. Rahel Sutter selbst hat sich mit den Möglichkeiten der Musik auf Palliativstationen auseinandergesetzt. «Manchmal wünschen sich Patienten, solange sie noch bei Bewusstsein sind, Lieder, die dann gemeinsam mit den Angehörigen am Bett gesungen werden. Vor allem der Familie ist das ein Trost. Sie kann noch etwas für den Sterbenden tun, muss nicht hilflos abwarten. Es kann sehr ergreifend sein, wenn ein Sterbender einem die Hand drückt, wenn er sein Lieblingslied hört», erklärt die Musiktherapeutin Rahel Sutter.

Kontraindikationen

Was eine Wirkung hat, hat auch Nebenwirkungen. Deshalb gibt es für verantwortungsbewusste Musik- und Klangtherapeuten auch Ausschlusskriterien für eine Behandlung. Epileptiker sollten nicht auf die Klangliege, denn die Schwingungen könnten Anfälle auslösen, Menschen mit einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis und Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung könnten unter dem Einfluss der Klänge destabilisiert werden. Für Rahel Sutter gehören auch Suchterkrankungen zu den Kontraindikationen: «Man könnte einerseits argumentieren, dass die Klangtherapie einen Glückszustand ohne die Risiken von psychoaktiven Substanzen oder sonstigen Suchtmitteln ermöglicht. Andererseits aber sollen Menschen mit Suchtproblematiken lernen, sich durch eigene Aktivitäten wohlzufühlen, ohne auf einen von aussen induzierten Rausch angewiesen zu sein.» Kein Patient solle von der Therapie abhängig werden, denn es sei das Bestreben eines Therapeuten, sich selbst überflüssig zu machen. «Wir möchten den Patienten dabei unterstützen, sich selbst zu helfen», sagt Rahel Sutter. igr

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